Astro-Alex und seine Mission: Ein Deutscher kehrt aus dem All zurück

Am Donnerstag rast der Astronaut Alexander Gerst ungebremst mit 23-facher Schallgeschwindigkeit in die Atmosphäre, um auf der Erde zu landen. Der Süddeutsche hat dank seiner Tweets eine grosse Fangemeinde.

Christoph Reichmuth
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Alexander Gertsch nach der letzten Landung in Kasachstan im Jahr 2014. (Bild: Stephane Corvaja/Getty)

Alexander Gertsch nach der letzten Landung in Kasachstan im Jahr 2014. (Bild: Stephane Corvaja/Getty)

Wenn Alexander Gerst an die Erde funkt, hat das meist eine tiefere, zuweilen poetische, oftmals auch eine politische Botschaft. «Diesen Sommer konnte ich sehen, wie braun und vertrocknet ganze Landstriche in Europa waren», hat er zum Auftakt der Weltklimakonferenz im polnischen Kattowitz unter seinem Twitteraccount «Astro-Alex» in die Welt gesetzt. Zum Text stellte er ein eindrucksvolles Foto von Europa, aufgenommen von der Weltraumstation ISS. Mit 28'000 Kilometern pro Stunde, also 22,67-facher Schallgeschwindigkeit, saust die Raumstation in 400 Kilometern Höhe um die Erde.

«Der Klimawandel hat sichtbare Folgen, und es ist ganz klar von hier oben: Auf dieser kleinen, blauen Kugel im schwarzen Weltraum ist alles endlich – einen Planeten B haben wir nicht.»

Der 42-jährige Alexander Gerst ist seit Juni dieses Jahres auf der Weltraumstation ISS, die nun seit 20 Jahren im Orbit im Dienst von Forschung und Wissenschaft um unsere Erde kreist. Seit Oktober ist der promovierte Geophysiker und Vulkanologe aus der baden-württembergischen Kleinstadt Künzelsau sogar Kommandant der Internationalen Raumstation, als erster Deutscher in der Geschichte.

Gerst trifft den Nerv der Zeit

Gerst hat die Raumfahrt und die Forschung in der Schwerelosigkeit so populär gemacht wie kein anderer vor ihm. Das liegt an seiner bescheidenen und sympathischen Art, zudem trifft er mit seinen Botschaften aus dem All den Nerv der Zeit. Auf Twitter folgen «Astro-Alex» mehr als 1,2 Millionen Menschen, nochmals etwa eine halbe Million verfolgen über Facebook, was der Süddeutsche mit seinen russischen und amerikanischen Kollegen hoch über der Erde so treibt.

Der charismatische ESA-Astronaut erreicht über die sozialen Kanäle nicht nur Wissenschafter und Politiker, sondern vor allem auch viele junge Menschen. Damit ist Gerst ein idealer Botschafter für die Weltraumagentur ESA. Die kämpft jedes Jahr bei ihren 22 Mitgliedstaaten um die Finanzierung des Weltraumlabors. Am Donnerstag soll Alexander Gerst zusammen mit der US-Amerikanerin Serena Maria Auñón-Chancellor und dem russischen Kosmonauten Sergeij Prokopjew in einer Sojus-Kapsel von der Weltraumstation ISS pünktlich zu Weihnachten zur Erde zurückkehren, es dürfte eine harte Landung in der Steppe von Kasachstan werden. Von der Abkopplung der ISS bis zum Aufprall auf der Erde dauert es etwa sechs Stunden.

Zuerst rast die Sojus-Kapsel ungebremst in die Atmosphäre, mit der Luftreibung entstehen Temperaturen von bis zu 2500 Grad Celsius. Gerst und seine beiden Kollegen werden mit massiven Kräften in die Sitze gedrückt. «Ich kann kaum atmen, weil meine Zunge so stark an den Gaumen gedrückt wird», beschrieb Gerst 2014 seinen ersten Rückflug von der ISS. In der Atmosphäre wird die Sojus-Kapsel dann von einem Fallschirm abgebremst.

Roboter an Bord, der Witze erzählen kann

Körperlich werden die Astronauten extrem gefordert, Ärzte werden Gerst sofort nach der Landung untersuchen, um die Auswirkungen von mehr als 3000 Erdumrundungen auf den Körper zu erforschen. Die Resultate sollen unter anderem auch Aufschluss darüber geben, wie sich künftige Raumfahrer auf eine mögliche Mars-Mission vorbereiten müssen. Vermutlich wird Gerst von einem ähnlichen Gefühl nach der Landung durchflutet wie 2014, als er aus der Sojus-Kapsel in der eisigen Kälte der Steppe von Kasachstan entstieg. Damals sagte er:

«Wenn man nach der Landung den Geruch der verschneiten Steppe wahrnimmt – das ist ein Stück Heimat».

In seinen fast 200 Tagen im Orbit hat «Astro-Alex» im Zuge der Mission «Horizons» Dutzende von Experimenten im Dienst der Biologie und Medizin durchgeführt. Obschon die ISS die Grösse eines Fussballfeldes aufweist, sind die Astronauten auf engstem Raum beieinander, Privatsphäre quasi ausgeschlossen. Geschlafen wird in an den Wänden fixierten Schlafsäcken, die Körperpflege gleicht eher einer Katzenwäsche mit Feuchttüchern, auch der Toilettengang muss erst irdisch geprobt werden.

Mit an Bord der ISS war mit Cimon ein Roboter von einem Durchmesser von 32 Zentimetern, der sehen, hören, verstehen, sprechen und fliegen kann. Der fünf Kilogramm schwere Cimon soll gar in der Lage sein, Witze zu erzählen. An Cimon haben auch Wissenschafter vom Biotechnology Space Support Center (Biotesc) der Hochschule Luzern mitgearbeitet.

Gerst wird nach seiner Rückkehr bei der ESA weiterarbeiten. Möglicherweise zieht es den sympathischen Süddeutschen bald wieder zurück in den Orbit. Es wäre Gersts dritte Reise ins All.

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