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Alarmierender Befund: Fast ein Drittel der gefährdeten Pflanzenarten in der Schweiz ist verschwunden

8024 Standorte von seltenen Arten wurden von ehrenamtlichen Pflanzenkennern untersucht. Im Bild ein Bodensee-Vergissmeinnicht.

8024 Standorte von seltenen Arten wurden von ehrenamtlichen Pflanzenkennern untersucht. Im Bild ein Bodensee-Vergissmeinnicht.

Ein Forschungsteam der Uni Bern hat den Bestand gefährdeter Pflanzenarten in der Schweiz untersucht. Der Befund ist alarmierend: 27 Prozent der gefährdeten Arten konnten gar nicht mehr gefunden werden.

(wap) 420 ehrenamtliche Botanikerinnen und Botaniker haben bei dem Forschungsprojekt nach den gefährdetsten Pflanzen der Schweiz gesucht. Dabei besuchten sie zwischen 2010 und 2016 über 8000 bekannte Fundstellen, um zu sehen, ob die seltenen Arten dort noch vorkommen. Nun hat ein Forscherteam der Universität Bern die Daten analysiert – und kommt zu einem alarmierenden Ergebnis.

Ganze 27 Prozent der insgesamt 8024 Populationen konnten nämlich nicht wiedergefunden werden. Bei den am stärksten gefährdeten Arten haben gar 40 Prozent ihrer Populationen verloren. «Diese Zahlen sind alarmierend und dokumentieren eindrücklich den Rückgang vieler gefährdeter Arten in der Schweiz», bilanziert Studienautorin Anne Kempel vom Institut für Pflanzenwissenschaften der Universität Bern in einer am Dienstag veröffentlichten Mitteilung. Sie befürchtet, dass bald viele Arten ganz aus der Schweiz verschwinden könnten.

Intensive Landnutzung als Problem

Betroffen sind laut Studie unter anderem Pflanzen, die am Rande von Äckern oder besiedelten Flächen wachsen. Ihnen setze der Verlust von kleinräumigen Strukturelementen wie Steinhaufen oder Ackerrandstreifen ebenso zu wie die Intensivierung des Dünger- und Pestizideinsatzes in der Landwirtschaft, wird Co-Autor Stefan Eggenberg in der Mitteilung zitiert. Stark betroffen seien auch Pflanzen, die an Gewässern oder in Mooren wachsen. Auch hier spielten die Verunreinigungen aus der Landwirtschaft eine Rolle, ebenso wie die Nutzung der Gewässer zur Gewinnung von erneuerbarer Energie.

Die Studie sieht vor allem in der Kulturlandschaft Handlungsbedarf: Hecken, Steinhaufen, Tümpel und Randstreifen sowie eine insgesamt weniger intensive Landnutzung könnten gefährdete Arten vor dem Verschwinden bewahren. Ein wichtiges Anliegen sei ausserdem die Vernetzung der einzelnen Lebensräume, sagt Studienautorin Anne Kempel. Ohne ein schnelles Handeln sehe es aber nicht gut aus für die seltensten Arten der Schweiz, heisst es in der Mitteilung weiter.

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