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ACC, LDW, BSW – Was bedeuten die Abkürzungen der Fahrassistenten? Eine Übersicht

Die Preislisten neuer Autos sind gespickt mit Abkürzungen. Das können die zahlreichen Systeme wirklich.

Philipp Aeberli
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Mit Kameras, Radar- und Ultraschallsensoren hat die Elektronik den Überblick.

Mit Kameras, Radar- und Ultraschallsensoren hat die Elektronik den Überblick.

Bilder: zvg

Fahrassistenzsysteme werden immer zahlreicher und komplexer. Da stellt sich, gerade beim Autokauf, die Frage: Welche Abkürzung steht für welche Fahrhilfe? Welche ­Assistenten sind sinnvoll – und auf welche kann man getrost verzichten?

No Limits beim Tempohalten

Den Anfang der Fahrassistenzsysteme, wie wir sie heute kennen, markiert die Geschwindigkeitsregelanlage, die bei Mercedes ab 1962 unter dem Namen Tempomat eingeführt wurde und bei Chrysler in den USA schon seit 1958 erhältlich war. Dem Fahrer wurde also die Aufgabe abgenommen, bei konstanter Geschwindigkeit ständig den Fuss auf dem Gaspedal halten zu müssen. Das ist heute schon in den meisten Autos serienmässig dabei. Über die Jahre hat der Tempomat aber dazugelernt.

Als «Radartempomat», «adaptiver Tempomat» oder «adaptive cruise control (ACC)» kann das System erkennen, wenn langsamere Autos auf derselben Spur fahren, und die Geschwindigkeit anpassen; ist die Spur wieder frei, beschleunigt der Wagen wieder auf die ­zuvor eingestellte Geschwindigkeit. Die meisten modernen Systeme können so bis zum Stillstand herunterbremsen und die Geschwindigkeit automatisch an den Vordermann anpassen – das ist gerade bei dichtem Verkehr oder im Stau eine angenehme Entlastung.

Noch weiter gehen Systeme mit kamerabasierter Verkehrszeichenerkennung. Hier werden von Verkehrsschildern Tempolimits gelesen und automatisch übernommen, was technisch interessant ist, aber im Strassenalltag meist fehleranfällig ist. Ähnlich verhält es sich mit Tempomaten mit routen­basierter Geschwindigkeitsanpassung, wie sie in einigen Oberklassemodellen erhältlich sind. Hier passt der Tempomat anhand der Navi-Karte die Geschwindigkeit an und bremst beispielsweise vor Kurven oder Kreisverkehren.

Automatisch bremsen wird bald obligatorisch

In fast allen Neuwagen ist heutzutage ein Notbremsassistent verbaut – ab 2022 wird er sogar obligatorisch. Hier erfasst eine Kamera oder ein Radar­sensor den Bereich vor dem Auto.

Mit Kameras, Radar- und Ultraschallsensoren hat die Elektronik den Überblick.

Mit Kameras, Radar- und Ultraschallsensoren hat die Elektronik den Überblick.

Bilder: zvg

Bei zu nahem Auffahren wird der Fahrer akustisch oder optisch gewarnt. Droht ein Aufprall, bremst das System selbstständig, um einen Unfall zu verhindern oder zumindest abzuschwächen.

Die Systeme funktionieren freilich nicht fehlerfrei; gelegentlich fälschliche Bremsungen oder Warnungen muss man in Kauf nehmen. Auch kann ein Notbremsassistent nicht jeden Auffahrunfall verhindern. Man sollte den Helfer also weder deaktivieren noch sich blind darauf verlassen. Einen Sicherheitsgewinn bringt ein Notbremsassistent erst recht. Vor allem, wenn er weitere Funktionen bietet, wie zum Beispiel eine Fussgängererkennung oder eine Multikollisionsbremse, die das Auto nach einem Unfall möglichst rasch zum Stehen bringt, um weitere Einschläge zu verhindern.

Dank Assistent in der Spur bleiben

Sofern sie richtig eingesetzt werden, sind elektronische Spurhaltehelfer ein Sicherheitsgewinn. Hier gibt es grundsätzlich drei Stufen: den Spurverlassenswarner, oft mit LDW für «lane ­departure warning» abgekürzt, den aktiven Spurhalteassistenten (LKA für «Lane Keep Assist», und den Spurführungsassistenten.

Der Spurverlassenswarner erkennt über eine Kamera die Strassenlinien. Überfährt man sie, wird der Fahrer mit einem Ton oder Vibration am Lenkrad darauf aufmerksam gemacht. Lenk- oder Bremseingriffe, um das Auto in der Spur zu halten, kann ein LDW-System aber nicht auslösen – im Gegensatz zu einem aktiven Spurhalteassistenten. Der stellt aber noch keine Funktion des teilautomatisierten Fahrens dar, sondern verhindert nur, dass das Auto von der Spur abkommt. Ein Spurführungsassistent hingegen versucht das Auto immer in der Mitte der Spur zu halten, er übernimmt also die Lenkung, wobei der Fahrer stets die Verantwortung behält, aufmerksam bleiben und die Hände am Lenkrad behalten soll. Das ist nötig, weil die meisten Systeme noch nicht so zuverlässig funktionieren, dass man sich auf sie verlassen könnte.

Insofern stellt ein aktiver Spurhalte­assistent derzeit den besten Sicherheitsgewinn im Verhältnis zum Preis dar. Interessant beim aktiven Spurführungsassistenten sind allerdings ebenfalls die Zusatzfunktionen. Einige Systeme können das Fahrzeug sicher am Strassenrand anhalten, wenn sie erkennen, dass der Fahrer eingeschlafen oder bewusstlos ist, weil er das Lenkrad zu lange nicht berührt.

Den Überblick behalten mittels Sensoren

Gerade bei unübersichtlicheren Autos ist man froh, wenn die Elektronik ebenfalls die Augen offenhält. Am verbreitetsten und sinnvollsten ist der Totwinkelassistent, oftmals abgekürzt mit «BSA» (Blind spot assist) oder BLIS «Blind spot Information System». Radarsensoren rundum erfassen, ob sich ein Auto im toten Winkel befindet, und informieren den Fahrer mit einer Warnleuchte. Wird nun der Blinker gestellt, oder versucht der Fahrer die Spur zu wechseln, kommt ein akustisches Warnsignal hinzu. So wird der Fahrer bei einem BLIS gewarnt. Bei einem ­aktiven Spurwechselassistenten kann das Auto mittels Lenk- und Brems­eingriff einen Spurwechsel und damit eine drohende Kollision gar verhindern. Auch dieses System kann die ­Sicherheit erhöhen, weil es bei Unachtsamkeit schlimmere Folgen verhindern kann.

Ebenso sinnvoll ist ein Querverkehrswarner. Er nutzt dieselbe Sen­sorik wie der Totwinkelassistent und warnt an unübersichtlichen Kreuzungen oder beim rückwärts Ausparken vor Verkehr von links und rechts, auch wenn er vom Fahrersitz aus noch nicht zu sehen ist.

Weiter sehen dank besserer Sicht

Fahrsicherheit beginnt mit guter Sicht – gerade bei Nacht. Deshalb lohnt sich der Aufpreis für besseres Licht, sofern man oft nachts unterwegs ist, eigentlich immer.

Bei neueren Modellen kommt LED oder vereinzelt gar Laser zum Einsatz. Eine Lichtautomatik, die das Licht bei Dunkelheit automatisch einschaltet, ist bei den meisten Autos heutzutage Standard. Optional sind Fernlicht­assistenten zu haben. Hier gilt es zu unterscheiden, ob es sich um eine Fernlichtautomatik handelt, die das Fernlicht lediglich ein- und ausschalten kann, oder um ein adaptives oder ­Matrix-Fernlicht.

Kann das Fernlicht bei Gegenverkehr nur im Ganzen aus- und wieder zugeschaltet werden, wirkt das auf Landstrassen bei Nacht oftmals hektisch und nicht sehr nützlich. Moderne Matrix-­Lichtsysteme können den Gegenverkehr gezielt ausblenden, wobei das Fernlicht in allen übrigen Bereichen voll aktiv bleibt. Das sorgt tatsächlich für bessere Sicht.

Wer noch mehr Hightech will, bekommt in der Oberklasse gegen Aufpreis von mehreren tausend Franken auch Nachtsichtassistenten; sie unterstützen mit einer Wärmebildkamera und warnen zum Beispiel vor Wildtieren oder Fussgängern. Gelegentlich nützlich – aber kostspielig.

So behält man bei der Unterscheidung den Überblick

Dies ist nur ein kleiner Auszug aus dem aktuellen Angebot an Fahrassistenz­systemen. Es kann also durchaus herausfordernd sein, hier den Überblick zu behalten. Wichtig ist vor allem die Unterscheidung zwischen aktiven Assistenzsystemen, die mit Lenk- und Bremseingriffen unterstützen können, und reinen Warnsystemen.

Oftmals werden die Assistenzsysteme nur in Paketen verkauft und sind nicht als einzelne Optionen bestellbar. Hier lohnt es sich erst recht, sich beim Kauf ausführlich beraten zu lassen. Denn: Nur wer die Funktionsweise der einzelnen Assistenzsysteme kennt, kann wissen, was die Systeme können – und vor allem, was Sie nicht können. Nur so ist es möglich, die elektronischen Helfer im Alltag sinnvoll zu nutzen, sodass sie die Fahrsicherheit effektiv verbessern.