1 VIRUS – 100 SCHICKSALE
«Das gute alte Telefon war auf einmal wieder von Bedeutung»: Christian Wermbter (62), Pfarrer in Rheineck (SG)

Der evangelische Pfarrer Christian Wermbter hat in Rheineck eine telefonische Seelsorge eingerichtet und kümmerte sich während des Lockdowns um Gemeindemitglieder, die der Risikogruppe angehören.

Seraina Hess
Drucken
Teilen
Christian Wermbter (62) amtete bis Ende November 2020 als evangelischer Pfarrer in Rheineck (SG), heute ist er im zürcherischen Rifferswil tätig.

Christian Wermbter (62) amtete bis Ende November 2020 als evangelischer Pfarrer in Rheineck (SG), heute ist er im zürcherischen Rifferswil tätig.

Bild: Monika von der Linden

«Im Lockdown habe ich alle Gemeindemitglieder ab 65 Jahren angerufen. Das waren täglich 10 bis 15. Bei rund 100 Personen musste ich die Zeit aber auf eine halbe Stunde beschränken und längere Gespräche abbrechen, obwohl einige Frauen und Männer am liebsten weitergeredet hätten. Weil viele ältere Personen nicht anderweitig vernetzt sind – also weder E-Mail noch Whatsapp nutzen – war das gute alte Telefon auf einmal von grosser Bedeutung. Ende April war ich in der Mitte der zweiten Runde, als die Selbstisolation bei einigen Personen erste psychische Probleme ausgelöst hat. Auf diese konnte ich durch den Telefonhörer seelsorgerisch etwas Einfluss nehmen. Die Einsamkeit ist aber nicht zu unterschätzen: Es gibt tatsächlich Leute, die mir im zweiten Gespräch mitteilten, es habe sich seit meinem letzten Anruf niemand mehr bei ihnen gemeldet.»

1 VIRUS – 100 SCHICKSALE: Hier geht's zu unserer Serie