Zur Rückkehr der Kultband nach 40 Jahren
Alles ändert sich, aber Abba wollen für ewig jung bleiben

Hansruedi Kugler
Hansruedi Kugler
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Die schwedische Popgruppe Abba mit (l-r) Björn Ulvaeus, Agnetha Fältskog, Anni-Frid Lyngstad und Benny Andersson bei einem Auftritt in einer deutschen Fernsehshow 1978.

Die schwedische Popgruppe Abba mit (l-r) Björn Ulvaeus, Agnetha Fältskog, Anni-Frid Lyngstad und Benny Andersson bei einem Auftritt in einer deutschen Fernsehshow 1978.

Schilling / dpa

Millionen Fans weltweit jubeln: «Sensation!» Die Vorbestellungen für das im November erscheinende neue Abba-Album «Voyage» werden durch die Decke schiessen. Nur bei den Beatles war die kollektive Sehnsucht nach einer Reunion noch grösser als bei derjenigen von Abba, diesen netten Glitzer-Pop-Menschen aus den späten 70er-Jahren. Und hört man in die ersten beiden vorab veröffentlichten Songs aus «Voyage», so ist klar: Das tönt wie Abba vor 40 Jahren – auch wenn die Stimmen von Anni-Frid und Agnetha etwas reifer klingen. Man wundert sich und denkt: Alles ändert sich, aber Abba bleibt sich gleich!

«If you change your mind, I’m the first in line», sang die Band vor 40 Jahren im Song «Take A Chance On Me». Etwa so: Wenn Du Deine Meinung änderst, stehe ich bereit. Soll man also mitjubeln? Oder ist diese technologisch aufgepeppte Reunion nicht eher gruselig? Ab kommendem Frühjahr gehen nämlich nicht etwa die vier unterdessen Graumelierten, mittlerweile alle über 70 Jahre alt, auf Tournee, sondern deren Avatare, also deren künstliche Klone. Ihre «Abbatare» sind jedoch nach Abbildern von Agnetha, Björn, Anni-Frid und Benny aus dem Jahr 1979 erschaffen worden. Das fragwürdige «Forever young» also auf immer verewigt.

Abba sind die ideale Verkörperung der Sehnsucht nach einer fröhlichen Discozeit – ohne Aids, ohne Drogen, ohne hässliche Tattoos. Es ist der Reiz des verklärten Blicks. Und nach den Abba-Musicals, vor allem aber nach dem Kinohit «Mamma Mia» mit lauter schmissigen Abba-Songs, ist man selbst berauscht von Elan und Lebensfreude der Songs! Mit dem Abba-Museum in Stockholm ist die Band ohnehin unsterblich.

Nun aber diese Abba-Avatare: Retrosound trifft auf technologische Avantgarde – das ist immer auch ein wenig komisch. Denn in ihren Testkostümen für ihre Avatare sehen die vier Abbas eher aus wie Teletubbies oder tapsige Superhelden, die gleich ins All fliegen, um die Welt zu retten. Muss man nun befürchten, dass auch der 78-jährige Mick Jagger sich einen jugendlichen Avatar-Klon konstruieren lässt, sodass er in alle Ewigkeit auf den Stadionbühnen tanzt? Ich wette auf nein: Der Rolling Stone Jagger steht zu seinen Hängebacken.

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