Das Aargauer Symphonie-Orchester ASO feiert in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag, will sich aber nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen. «Das Jubiläum bedeutet für uns keinen Marschhalt, sondern einen Aufbruch», sagt Präsident Jürg Schärer bestimmt.

Ab der neuen Saison im Juli heisst das Orchester deshalb «argovia philharmonic». Es soll diesen Aufbruch markieren.

Anstoss zur Umbenennung gab Geschäftsführer Christian Weidmann, der seit August 2012 die Gesamtverantwortung für die Weiterentwicklung und Positionierung des Orchesters trägt.

«Ich will nicht verwalten, was war, sondern will anstreben, was sein soll und sein könnte», sagt er selbstbewusst, «der neue Name bedeutet deshalb einen Schnitt, der nach aussen wirken und das neue Selbstbewusstsein des Orchesters manifestieren soll».

Schärer hat im Orchester eine Aufbruchstimmung festgestellt. «Die Musiker sind stolz, in diesem Orchester zu spielen, und das Feuer hat noch nie so gebrannt», sagt Schärer.

Mit dem neuen Namen soll sich das Orchester weiterentwickeln und neue Motivation und Energie freisetzen. Das ASO war gestern, das argovia philharmonic steht für die Gegenwart und Zukunft.

Nur noch wenige Musiker aus Aargau

Tatsächlich ist das ASO heute ein ganz anderes Orchester als vor 50 Jahren, als es von Aargauer Musiklehrern gegründet wurde. Lange war das Spiel im ASO ein Nebengleis zum Broterwerb als Musiklehrer.

Heute ist das argovia philharmonic ein professionell geführtes Orchester mit professionellen Musikern. Vor allem unter Douglas Bostock hat das ASO qualitativ einen riesigen Schritt nach vorne gemacht.

Das Orchester ist internationaler geworden und es hat nur noch wenige Musiker aus dem Aargau. Auch bei der Besetzung von neuen Positionen ist Qualität das oberste Kriterium.

Die neue Qualität wird auch ausserhalb des Kantons wahrgenommen. «Die neue Marke soll denn auch für die neue Qualität stehen und die Umbenennung eine Anpassung an die neue Situation», sagt Weidmann.

Verfolgt das argovia philharmonic mit dem neuen Namen internationale Ambitionen? Weidmann verneint. Mit gezielten Abstechern über die Kantons- und Landesgrenzen hinaus soll das Orchester auch ein kultureller Botschafter des Kantons Aargau sein.

Der «Leuchtturm» des Kantons soll leuchten. Doch der «Aargau bleibt Mittelpunkt». «Wir planen nicht die grosse internationale Karriere», sagt Weidmann.

Im Osten noch immer Vorbehalte

Der neue Name soll in erster Linie die Identifikation des gesamten Aargaus mit dem Orchester steigern. Denn gemäss Schärer bestehen 50 Jahre nach der Gründung vor allem im östlichen Kantonsteil immer noch Vorbehalte gegenüber dem Orchester, das seinerzeit von Aarau aus gewachsen ist.

Schärer und Weidmann sind sich bewusst, dass der neue Name nicht überall umgehend auf Begeisterung stossen wird. Schärer selbst hat sich zunächst gegen die englische Marke gewehrt.

Er habe sich dann aber von den Vorteilen überzeugen lassen. Dabei ist der Entscheid zur Umbenennung auch im Vorstand des Trägervereins und in der Musikkommission einstimmig ausgefallen.

Und wie stehts mit der Philharmonie? Dem Traum vom neuen, modernen Konzerthaus? «Wir wehren uns nicht gegen die Assoziation des neuen Namens zu unserem Traum einer Philharmonie», sagt dazu Schärer, «sie muss unser Ziel bleiben.»

Tatsächlich kann die Qualität der Aargauer Konzerthäuser nicht mit der Qualität des argovia philharmonic Schritt halten. Im Aargau gibt es kein Konzerthaus mit adäquater Akustik. Deshalb gibt es auch schon Studien für eine Philharmonie, doch für den Kanton hat sie zurzeit keine Priorität.

Schärer macht sich keine Illusionen. «Der Anstoss muss von uns kommen. Der Kanton erwartet, dass ein wesentlicher Betrag zu einer Philharmonie von uns geleistet wird», sagt er. Es gäbe auch schon potenzielle Sponsoren.

«Doch wir brauchen dazu die Unterstützung einer breiten Öffentlichkeit», fügt er an. Vielleicht ist das argovia philharmonic der erste Schritt dazu.