Statistiken

Zahlen aus glücklicheren Zeiten: 14,2 Millionen Menschen besuchten 2019 die Schweizer Museen

Ein Bild aus einer anderen Zeit: Andrang im Museum.

Ein Bild aus einer anderen Zeit: Andrang im Museum.

Die Museumsstatistik 2019 liest sich wie ein Bericht aus einer fernen Epoche. Aber sie zeigt doch, was das Publikum lockt. Und auch künftig locken wird.

Das gelingt einer trockenen Statistik nur selten: uns in nostalgisch-glückliche Erinnerungslaune zu versetzen. Ja, es war einmal ein Land, in dem es viele schöne Museen gab, die von den Einwohnerinnen und Besuchern geliebt und die je länger je öfters besucht wurden. Das erzählt uns die Schweizer Museumsstatistik 2019, die am Donnerstag erschienen ist.

Die Fakten dazu: Stolze 1129 Museen gibt es in der Schweiz, sie haben über 75 Millionen Dinge gehortet – also fast zehn für jeden Menschen im Land. Und diese Menschen wollen auch sehen, was für sie gesammelt wird. 14,2 Millionen Eintritte verzeichneten die Museen 2019. Das sind 800000 mehr als 2018 und rund 2 Millionen mehr als 2015, als die Statistik zum ersten Mal überhaupt zusammengestellt wurde. Eindrücklich. Eine Erfolgsgeschichte.

Aber eben, das war einmal. In fernen, glücklichen Zeiten, scheint es einem. Denn wir wissen heute beim Studium der vielen schönen Tabellen und Zahlen schon: 2020 wird grauenhaft. Wie grauenhaft, das werden uns die Zahlenjongleure des Bundesamtes für Statistik erst in einem Jahr nachliefern.

Die Beliebten wurden noch beliebter

Interessant ist, dass es vor allem die grossen – genauer: die 60 bestbesuchten – Museen waren, die nicht nur für die beachtlichen Besucherzahlen sorgten (siehe Grafik), sondern auch für die Zunahme an Publikum. Bei den mittleren und kleineren Häusern blieben die Eintritte weitgehend stabil.

© CH Media

Der Besuch von Ausstellungen ist generell das liebste kulturelle Freizeitvergnügen der Schweizerinnen und Schweizer (vor Musikgenuss und Kino), das belegte eine Untersuchung zum Kulturverhalten vor einigen Jahren. Warum aber werden die beliebten Museen noch beliebter? Herdentrieb, werden die einen sagen. Man mag, was man kennt, die anderen. Doch so einfach ist es nicht: Das lokale Dorfmuseum oder das kleine Spezialmuseum im Nachbarstädtchen kennt man gut, und doch geht man selten hin. Ins Verkehrshaus Luzern, in die Fondation Beyeler, ins Kunsthaus Zürich oder ins naturhistorische Museum Genf aber pilgern die Leute immer wieder und immer wieder gerne. Denn da gibt es neben den Sammlungen regelmässig neue Sonderausstellungen. Damit kann man bestens Werbung machen, und sie muss man innert nützlicher Frist besuchen. Zwei Drittel der Museen machten 2019 übrigens mindestens eine neue Wechselausstellung, am fleissigsten waren die Kunstmuseen mit 3,1 Ausstellungseröffnungen im 2019.

Gut bewerben lassen sich auch Veranstaltungen und Führungen. Die Vermittlungsangebote wurden in den letzten zwanzig Jahren massiv ausgebaut, 2019 blieben die Zahlen ziemlich stabil, aber eindrücklich: An 107000 Führungen wurden dem Publikum die Ausstellungen erläutert und 37000 Veranstaltungen (Vernissagen, Talks, Konzerte) lockten weitere Publikumsscharen an. Die erfolgreichen Museen hatten übrigens durchschnittlich über 200 Tage pro Jahr offen.

Das war einmal! 2020 mussten die Türen im Frühjahr für Wochen versperrt werden, in Bern und in der Westschweiz bereits wieder. Führungen finden nur in Kleinstgruppen statt, Vernissagen und Feiern gar nicht. All das wird in der Statistik 2020 fehlen. Wer nun nicht nur in nostalgischer Freude über die 2019er-Zahlen schwelgen will, muss weit voraus planen und hoffen. Oder einfach ins Museum gehen. Nirgends sonst ist so viel Abstand, so viel Sicherheitsgefühl möglich.

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