Kultur

Wut-Rapper Ice-T: «Solange die Fans da sind, machen wir weiter»

Ice-T macht mit seiner Band Body Count seit den frühen 1990er-Jahren politischen Crossover.

Ice-T macht mit seiner Band Body Count seit den frühen 1990er-Jahren politischen Crossover.

Er war als Rapper ein Star, doch weltberühmt wurde Body-Count-Frontmann Ice-T vor 28 Jahren mit «Cop Killer», einem der umstrittensten Songs der Musikgeschichte. Inzwischen 62 Jahre alt, ist er wieder da und topfit.

Natürlich ist Ice-T, Rufname Ice, echter Name Tracy Lauren Marrow, die Ironie an der Geschichte nicht entgangen. «Ja, es ist schon irgendwo witzig, dass ausgerechnet ich einen Polizisten spiele», sagt Ice lachend beim Telefoninterview in seinem Haus in New Jersey. Seit zwanzig Jahren gibt er in der NBC-Polizeidauerbrennerserie «Law & Order: Special Victims Unit» den Detective Odafin Tutuola vom New York City Police Department, während er sich als Musiker immer vehement gegen Polizeigewalt eingesetzt hat und es bis heute tut.

«Cop Killer», der Welterfolg von Ice-T und Body Count aus dem Jahr 1992, ist das vielleicht vehementeste musikalische Statement, das je gegen Polizeibrutalität, Rassismus und Diskri­minie­rung gemacht wurde. Heute ist «Cop Killer», seinerzeit hoch kontrovers, von Politikern verdammt und von den Fans heiss geliebt, eine Ikone von einem Song. Für Ice-T al­lerdings sind der solide TV-Job und sein Wirken als Musiker zwei grundverschiedene Paar Schuhe. «Im Fernsehen bin ich ein Cop, aber das ist eine fiktionale Serie, ich bin ein Schauspieler», so Ice, nun ernst. «Das heisst für mich noch lange nicht, dass ich als Musiker nicht das Recht habe, die Polizei sowie gesellschaftliche Missstände als solche zu kritisieren und anzuprangern.»

Dass es für Ice-T niemals einen bes­seren Beruf hätte geben können als den des Rappers und Frontmanns, macht er auf dem jüngsten Body-Count-Album «Carnivore» ein ­weiteres Mal deutlich. Schon seit dem 2014 veröffentlichen Album «Man­slaughter» ist der Rap-Pionier («6 In Tha Morning» war 1987 sein erster Hit), der zu Beginn der Neunziger neben Bands wie Rage Against The ­Machine den grossen Rock-Hip-Hop-Crossover-Boom auslöste, bevor er die Musikkarriere viele Jahre etwas baumeln liess, wieder im Kommen.

Hommage an Lemmy Kilmister

2017 überzeugte er mit «Bloodlust», spielte vergangenen Sommer sogar beim Festival in Wacken und macht ­weder im Gespräch noch in seinen Songs den Eindruck eines Mannes, der sich dem Rentenalter nähert.

«Ich kann es auch nicht glauben, dass ich 62 bin. Sobald ich auf der Bühne stehe und die alten Songs spiele, fühle ich mich wie 30. Und die Fans, die damals schon dabei waren, fühlen sich plötzlich wieder wie 16. Und damit genauso alt wie die tatsächlichen 16-Jährigen, die massenweise zu unseren Konzerten kommen.» Ice-T schätzt den Anteil derje­nigen, die in den Neunzigern noch nicht dabei waren, auf mindestens siebzig Prozent. «Wir brennen für un­sere Musik», sagt er.

Zumal Body Count um Ice-T und Gitarrist Ernie C auf «Carnivore» die Flughöhe halten. Kraftvoll klingen die neuen Stücke, das Pendel schwingt mal Richtung Hip-Hop, mal Richtung Metal. Auch eine Ballade ist wieder dabei («When I’m Gone» mit Evane­scence-Sängerin Amy Lee), sowie eine Cover-Version, dieses Mal Motörheads «Ace Of Spades». «Ich habe Lemmy Kilmister gut gekannt und sehr gemocht. Und natürlich war ihm klar, wie viel wir musikalisch von ihm und seiner Band geklaut haben.»

Politik? Vollständig darauf zu verzichten, sei in diesen Zeiten seltsam, aber vieles sei bereits gesagt. Der am deutlichsten ein Anti-Donald-Trump-Gefühl transportierende Song auf «Carnivore» heisst «Bum-Rush». Darin, so Ice, «wärme ich mein altes Mantra auf, dass wir als Gemeinschaft nur stark und mächtig sind, wenn wir zusammenhalten.» Seine Musik, so ­brachial, böse und kompromisslos sie klingt, solle vor allem «Spass ­machen, aufheitern und ein Ventil sein für Wut und Frust. Jedes Mal, wenn meine Frau sauer auf mich ist, sage ich ihr, sie soll eine Runde Body Count hören, und ganz ehrlich, danach ist sie wie ausgewechselt.»

Hinweis:
Body Count: Carnivore (Century Media)
Live: 2. Juli
Zürich Komplex 457

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