David Bowie

Wie gut ist der Comicroman über David Bowies Leben?

Kunstfigur David Bowie: Michael Allred lässt den 2016 verstorbenen Sänger aufleben.

Kunstfigur David Bowie: Michael Allred lässt den 2016 verstorbenen Sänger aufleben.

Ein grafischer Roman ehrt den extrovertierten Superstar. Im Zentrum steht sein letztes Konzert als Ziggy Stardust.

Ein ungleicher Showdown. Der Ausgang ist von Anfang an klar: David Bowie stellt seine berühmteste Kunstfigur, Ziggy Stardust, im Traum.

, sagt der Musiker, während er mit ausgestreckter Hand auf sein Al­ter Ego zuschwebt. Aus dem umgebenden Nebel formen sich rote Schnüre, die es fesseln.

, sagt Bowie im nächsten Bild:

Dann steht Bowie als Ziggy auf der Bühne des Hammersmith Odeon und verkündet, dass dies die allerletzte Show von Ziggy Stardust and the Spiders From Mars gewesen sei. Die Mitmusiker wissen von nichts, ebenso wenig das Fernsehteam, das den Auftritt für die Nachwelt bewahrt. Noch ein paar Monate trifft man Bowie mit Ziggys roter Frisur, dann ist auch sie verschwunden, und der Musiker sucht sich andere Outfits und Charaktere.

Auf 120 Seiten arbeitet sich Michael Allred an das denkwürdige Konzert im Juli 1973 heran. Von der Rangelei um ein Mädchen, bei dem sich der junge Bowie gut zehn ­Jahre zuvor seine unterschiedlich far­bigen Augen einhandelt, über ­musikalische und private Stationen bis zu ebendiesem «Rock’n’Roll ­Suicide». Nur 20 Seiten widmet der US-amerikanische Comiczeichner der weiteren Karriere – immerhin noch einmal vier Jahrzehnte – des britischen Superstars. Die letzte Seite gehört dem Album «Blackstar», mit dem Bowie 2016 seinen eigenen Tod zum Kunstwerk erhob.

«Bowie: Sternenstaub, Strahlen­kanonen und Tagträume» Michael Allred mit Steve Horton und Laura Allred Cross Cult 160 Seiten.

«Bowie: Sternenstaub, Strahlen­kanonen und Tagträume» Michael Allred mit Steve Horton und Laura Allred Cross Cult 160 Seiten.

Ein bunter Trip durch ein ebenso buntes Leben. Allred ist ein Fan. Das versucht er gar nicht erst zu kaschieren. Entsprechend sucht man in der Graphic Novel, die er in Zusammenarbeit mit seiner Frau Laura und dem Autor Steve Horton verwirklicht hat, jegliche kritische Distanz vergebens. Auch spiegelt sich in der Fokussierung auf Bowies erstes Jahrzehnt als Musiker vor allem eine persönliche Vorliebe. Denn rein optisch hätten sich die späteren Erscheinungsbilder Bowies mindestens ebenso sehr angeboten.

Doch auch so gelingen Allred einige grossartig gestaltete Seiten– vor allem, wenn er die Dialoge ganz weglässt und sich zur Psychedelik hinreissen lässt. Das hätte er häufiger machen dürfen, zumal sein Comic auf der Handlungsebene leider wenig hergibt: Es ist im Grund genommen ein in Bilder übersetzter Wikipedia-Eintrag. Liebevoll gemacht zwar, aber eben ohne Plot und Spannung. Zu­mindest in der deutschen Fassung (im Original heisst das Buch «Stardust, Rayguns & Moonage Day­dreams») kommen ein paar holprige Sätze dazu, die den Lesefluss weiter bremsen. Etwa: «Mit einer hochschwangeren Angie in London hat Bowies Debüt in Amerika viele Hochs und Tiefs.»

Wer über holprige Sprache und fehlenden Plot hinwegsehen kann, findet in Allreds Buch eine liebevoll gestaltete Hommage an einen grossen Künstler. Insbesondere wer in den Songtexten einigermassen sattelfest ist, kann in den Zeichnungen den einen oder anderen versteckten Querverweis aufstöbern.

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