Bühnenkunst

Wie gut bin ich im Theater geschützt? Die Schutzmassnahmen in der Schweiz im Überblick

Ein Patentrezept gegen die Pandemie hat niemand, dafür wird in Christoph Marthalers im Herbst am Schauspielhaus Zürich gezeigter Inszenierung «Das Weinen (Das Wähnen)» Theater zur Medizin.

Ein Patentrezept gegen die Pandemie hat niemand, dafür wird in Christoph Marthalers im Herbst am Schauspielhaus Zürich gezeigter Inszenierung «Das Weinen (Das Wähnen)» Theater zur Medizin.

Mit oder ohne Maske, mit Abstand oder ohne: Schweizer Theater beschreiten zum Saisonstart sehr unterschiedliche Wege. Wie stark die Häuser ihr Publikum schützen, hängt vor allem von einem Faktor ab.

Kurz vor der Saisoneröffnung stellen sich viele Fans der Bühnenkunst die Frage, ob so ein Theaterbesuch bei steigenden Coronafallzahlen das Risiko wirklich wert ist. Laut einer im Juni von der Agentur L’Oeil du Public herausgegebenen Studie will jeder zweite Schweizer sein Kulturabonnent künden. «Es gibt eine gewisse Zurückhaltung, aber unser Schutzkonzept wird auch erst kommende Woche veröffentlicht», bestätigt Susanne Benedek vom Theater Basel. Sowohl in Basel wie in Bern ist es schon zu Abokündigungen gekommen. Viele wollen erst einmal ihre im Lockdown angehäuften Gutscheine einlösen oder sorgen sich wegen ihres hohen Alters um ihre Gesundheit.

Die Theater haben auf die Ängste ihres Publikums reagiert. In Bern bietet man den Besuchern eine Abo-Pause an. Und manche Häuser haben in den letzten Tagen ihre Schutzmassnahmen nochmals verschärft. Dabei fällt auf, dass es vor allem die hochsubventionierten Häuser sind, die sich ein strenges Corona-Schutzkonzept leisten, wogegen die betriebswirtschaftlich erfolgreicheren die grossen Lücken im Parkett nur schwer verkraften können.

Damit Sie endlich wissen, wo Sie Ihr Schicksal am stärksten herausfordern, wo Sie Ihrer Sitznachbarin dramatisch nahe kommen und auf welchem Parkett auf Distanz gespielt wird, haben wir die Schutzkonzepte der Schweizer Theater miteinander verglichen.

Für die Unbesorgten

Keine leeren Sitzplätze zwischen den Zuschauern in Winterthur, Bern und St.Gallen: Am Casinotheater Winterthur, am Theater St.Gallen und am Konzert Theater Bern gilt zwar Maskenpflicht vom Betreten bis zum Verlassen der Gebäude. Dafür verkaufen die Veranstalter alle Sitzplätze. Für um ihre Gesundheit besorgte Menschen keine angenehme Ausgangslage, aber eine aus betriebswirtschaftlicher Sicht nachvollziehbare. Das von staatlicher Subvention unabhängige Casinotheater Winterthur braucht die Einnahmen dringend und wird deshalb den Gastrobetrieb vor und nach den Vorstellungen aufrechterhalten (auf Pausen verzichtet man). Das auf seinen hohen Eigenfinanzierungsgrad (30 Prozent) stolze Theater St.Gallen muss die Einnahmen ohnehin bereits in einem Provisorium mit weniger Zuschauerplätzen (500) erwirtschaften, weil das Haupthaus (750 Plätze) gerade saniert wird. In St.Gallen verzichtet man aufs Gastrogeschäft, in Bern darf vor und nach der Vorstellung konsumiert werden, in der Pause gibt’s Wasserflaschen.

Für die Besorgten

Im weniger stark von Corona betroffenen Luzern wird die Maskenpflicht nicht so strikt umgesetzt. Bis zum Einnehmen des Sitzplatzes gilt eine Maskenpflicht, danach belässt man es bei einer Empfehlung. Wer von seinem Platz aufsteht, etwa, weil er zur Toilette muss, darf das nur mit Maske tun. Vor dem Applaus wird empfohlen die Maske wieder aufzusetzen. Zwischen Besuchergruppen wird ein Platz frei gelassen. Es werden ein Drittel Plätze weniger verkauft.

Am Konzert Theater Biel Solothurn (Tobs) wird das Tragen einer Maske nur empfohlen. Dafür verzichtet man auf Gastronomie und Garderobenservice und hat für die Häuser in Biel und Solothurn den kantonalen Vorgaben angepasste Regeln aufgestellt: So dürfen im Stadttheater Solothurn nur noch 100 Personen ins Parkett (statt 123), zwischen den Gruppen bleiben Sitze frei. Auch die kleine Bühne Aarau setzt auf Maskenpflicht, 70 Prozent Auslastung, und verzichtet auf Gastronomie und Garderobe.

Für die Ängstlichen

Basel und Zürich sind Corona-Hotspots. Für die Anreise setzt man sich hier einem höheren Risiko aus, dafür sind die Sicherheitsvorkehrungen im Theater wesentlich strikter. Denn wo in Geschäften eine Maskenpflicht gilt, wäre eine Maskenempfehlung im Theater unglaubwürdig. Ein Maskenobligatorium gilt für alle Zürcher Theater und auch am Theater Basel. In Zürich lässt man nur noch die Hälfte der Zuschauer rein und platziert sie im Schachbrettmuster möglichst weit voneinander entfernt. Die Sitzplätze im Pfauen-Saal des Schauspielhaus Zürich werden sogar von 680 Plätzen auf 300 Plätzereduziert. In Zürich verzichtet man auf Gastronomie und Pausen, während am Theater Basel Gastronomie und Garderobenservice aufrechterhalten werden. Den Zuschauerinnen und Zuschauern wird aber nahe gelegt, ihre Jacken mit in den Zuschauerraum zu nehmen.

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Autor

Julia Stephan

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