Kunst Aarau
Im Forum Schlossplatz wird die Hütte zum Palast

Die Ausstellung «my home is my castle» im Forum Schlossplatz macht das Private öffentlich und das Öffentliche privat.

Anna Raymann
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Was macht einen Wasserzähler zum Haus? Aus der neunteiligen Fotoserie «Und weitere Versprechen».

Was macht einen Wasserzähler zum Haus? Aus der neunteiligen Fotoserie «Und weitere Versprechen».

Marianne Halter

«Home is where the heart is», «mi casa es su casa», Bonmots zum Lebensmittelpunkt, zum Heim und Zuhause gibt es zuhauf. Das Forum Schlossplatz hat sich nun den Ausspruch «my home is my castle» als Thema gesetzt. «Ausgangspunkt ist konkret dieses Haus», sagt Lena Friedli, die das Forum Schlossplatz seit eineinhalb Jahren leitet. «Das Forum Schlossplatz hat mich zu dieser Ausstellung motiviert, inspiriert und herausgefordert.»

Weil das Thema so ausufernd ist, dehnt Friedli kurzerhand die Grenzen ihres Hauses aus: Unten im Erdgeschoss und Garten, dem eigentlichen Forum, setzen Arbeiten von acht Künstlerinnen und Künstlern den thematischen Schwerpunkt. Die Beletage – und das ist auf diese Weise neu – wird ebenfalls bespielt. Hier aber kuratiert Friedli gemeinsam mit Anna Leibbrandt, die verantwortlich ist für die Kunstsammlung der Stadt Aarau, sodass sich Sammlungswerke und aktuelle Ausstellungsstücke begegnen.

Verschlossene Türen und hohe Mauern

Erahnen lässt sich der Kniff schon von aussen. Eine Fahne weht dort zwischen den oberen Fenstern, in der Bewegung scheint es fast, als winkt die «Hand der Fatima» darauf munter – hereinspaziert!

Und dann steht da ein Haus im Haus. Aldo Mozzini hat eine kleine Hütte, «quasi un grottino», recht rustikal zusammengezimmert. Üblicherweise sind Grottinos (wenn nicht als Lokal umgenutzt) kleine Refugien der Tessiner. Davor eine Videoinstallation: Das Künstlerduo Marianne Halter und Mario Marchisella schlendert entlang der schier endlosen Mauern um ein Villenviertel. Die Türen sind verschlossen, von den Palästen nur die Dächer zu sehen.

Schutzzauber und Überwachungskameras

Und damit sind schon die zentralen Fragen der Ausstellung gestellt: Welche Mauern bauen wir, um uns behaglich zu fühlen? Welche grenzen ein, aus und ab?

Was sonst als Inschrift an Fassaden steht holt Marianne Halter in «Daheim ist's gut» auf einen Miniaturbildschirm.

Was sonst als Inschrift an Fassaden steht holt Marianne Halter in «Daheim ist's gut» auf einen Miniaturbildschirm.

Peter Koehl

Wie ein ironisches Manifest fürs traute Heim lesen sich da die Hausinschriften, die Marianne Halter über einen Miniaturbildschirm laufen lässt. Statt Schutzzauber an der Fassade ist es heute eher die Technologie, die uns bewachen soll: «Menschen fühlen sich sicherer durch Kameras», haucht Marc Lee in der Audioarbeit «Security First» aus dem Kopfhörer, die Überwachungskamera darüber ist dennoch eine Attrappe. Lee weiss: Es braucht sie nicht. Die Standleitung, über die wir die Welt ins Wohnzimmer spähen lassen, haben wir selbst gebaut. So hat er einen Algorithmus programmiert, der Videos von der Plattform Tiktok filtert und in die Ausstellungsräume projiziert.

In der «Artothek »können Besucherinnen und Besucher Werke aus der städtischen Kunstsammlung ausleihen.

In der «Artothek »können Besucherinnen und Besucher Werke aus der städtischen Kunstsammlung ausleihen.

Peter Koehl

Die Ausstellung macht Privates öffentlich – und Öffentliches privat. Eine feine Auslese aus der städtischen Kunstsammlung kann in der temporären «Artothek» für die heimische Wand ausgeliehen werden. In unserem Daheim liegen viele Widersprüche, die Ausstellung animiert, mit ihnen zu spielen.

my home is my castle: 4.9.–9.1. Forum Schlossplatz Aarau. Begleitprogramm mit Workshops und Kurzfilmnacht: www.forumschlossplatz.ch

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