Männer sterben in der Schweiz durchschnittlich vier Jahre früher als Frauen - ob das ein Grund zur Freude ist, bleibe an dieser Stelle dahingestellt und ist eher zu bezweifeln. Mit 80 Jahren jedoch darf das starke Geschlecht eine kleine Ewigkeit auf unserem Planeten zubringen - und das soll gefeiert werden. Nicht zuletzt, weil der Palmarès des Mannes in seiner Grösse und Strahlkraft derjenige der Frau bei weitem übertrifft.

Denn schliesslich gäbe es ohne Adams Ebenbild keine Glühbirne, keine Atombombe (streichen wir die Atombombe und ersetzen wir sie durch die Photovoltaik, die ebenfalls von einem Mann entdeckt wurde), keinen Personal Computer, kein Telefon, kein... Eben: rein gar nichts. Es wäre überdies zu befürchten, würde die Menschheit von Frauen dominiert, dass wir immer noch in jener bekannten griechischen Höhle sitzten, festgebunden, starrend auf die gegenüber liegende Höhlenwand. Doch: Gott sei Dank war Platon ein Mann. Dass er Grieche war, naja, dafür konnte er nichts.

Aber warum feiern wir heute den Mann? Seit 2001 findet jährlich am 3. November dieser wunderbare, eminent wichtige Tag für das starke Geschlecht statt. Erfunden hat die Würdigung des Mannes der kleine Mann mit der Glatze und dem Muttermal, was einer gewisser Ironie nicht entbehrt. Es war der ehemalige sowjetische Präsident Michail Gorbatschow, der mit dem Weltmännertag das Bewusstsein der Männer im gesundheitlichen Bereich zu schärfen gedachte. Ob er damit die beckham'sche Verweiblichung unbewusst förderte und damit den Kosmetik-Multis ein neues, äusserst rentables Marktfeld eröffnete, ist nur schwer zu beantworten. Wohl eher nicht.

Hormone kommen bei Tor 2 auf Hochtouren

Wir wissen jedoch seit diesem einen (einzigartigen) Lied, dass der Mann heimlich weint, Geborgenheit gibt, verletzlich ist, am Telefon lügt und als Kind schon auf Mann geeicht wird? Nicht, dass es Herbert Arthur Wiglev Grönemeyer (ja so heisst er wirklich) das archetypische Bild des Mannes darzustellen versuchte. Aber so ganz Unrecht hatte der Mann aus dem rauen Ruhrpott wahrscheinlich nicht. Auch nicht, dass Männer Frauen kaufen.

Wenn der Mann gefeiert wird, treibt das sonderliche Blüten. TV-Redakteure rennen mit Mikrophonen (einer Lanze gleich) durch die Strassen und befragen Frauen, was ihnen denn lieber sei - der Macho oder besser doch der verständnisvolle, einfühlsame Mann. Die Frauen kichern, entscheiden sich für das Konforme und wählen Tor zwei, wobei ihre Hormone nur bei Tor eins so richtig auf Hochtouren kämen.

Wie dem auch sei: Der neuste Coup kommt aus dem hohen Norden und wird derzeit in Sydney getestet. Statt mit seiner Liebsten durch die Möbelausstellung des Hauses Ikea zu schlendern, darf der Mann bei gratis Hotdogs und Coca-Cola im einer Spielhölle gleichenden «Manland» die Sau raus lassen - eine Art Babysitting für grosse Buben. Eine Win-Win-Situation so möchte man meinen. Frau bleibt Frau, Mann darf Mann bleiben.

War Platon eine Frau?

Also: Was feiern wir Männer heute eigentlich? Dass das starke Geschlecht nicht genug stark ist, eine Möbel-Tour durchzustehen? Dass wir uns in der Diskussion gerne emanzipiert geben, im Bett jedoch zum Tier mutieren. Dass wir zwar viel Nützliches erfunden haben, jedoch ebenso viel (wenn nicht mehr) Zerstörerisches. Dass wir uns durch derart fragwürdige Aktionstage als Minderheit positionieren, wobei dieser Platz bereits von anderen besetzt ist? Dass unser Palmarès undenkbar ist, gäbe es da nicht diese geduldige Frau an unserer Seite, die uns stets unterstützt? Dass Platon vielleicht mehr weibliche Gene in sich trug, als einem verklemmten Hochschulprofessoren lieb sein kann? Oder: Dass wir gleich alt werden sollten, wie die Frauen?

Mitnichten. Bloss, was feiern wir denn heute eigentlich?