3-D-Film

Wenn Hänsel und Gretel auf dem Horrortrip sind

One Way Trip: Der Horrofilm mit Melanie Winiger

One Way Trip: Der Horrofilm mit Melanie Winiger

Horrorfilm einmal anders erleben. Das haben sich die Filmemacher dabei wohl gedacht. Mit «One Way Trip 3D» kommt der erste Schweizer 3-D-Film in die Kinos.

Das Fatale an Horrorfilmen ist, dass man als Zuschauer das Unglück kommen sieht. Schon beim Kauf des Kinotickets oder der DVD weiss man, dass in dem Film Schlimmes passieren wird. Zartbesaitete Zuschauer hoffen dann, dass es nicht ganz so schlimm kommt, Fans hingegen erwarten eine möglichst blutige Handlung, und bei den Figuren im Film wird mit dem Aufkommen der Angst der Verstand ausgeschaltet.

Sie laufen vor dem Unheil ins obere Stockwerk davon statt in Richtung Ausgang, oder kehren nach gelungener Flucht zurück an den Schauplatz des blutigen Schreckens, um ein Asthma-Spray zu holen. Während die Menschen auf der Leinwand also direkt in ihr Verderben rennen, sehen wir im Saal es kommen. Wir müssen es aber dann trotzdem mit durchmachen - darin besteht schliesslich das Vergnügen an Horrorfilmen.

Ein simpler Horrorfilm

«One Way Trip 3D», der erste Schweizer 3-D-Film, funktioniert genau nach diesem Schema. Und auch die Rahmenhandlung läuft, wie es sogar eine der Figuren an einer Stelle des Films ausdrückt, «nach Lehrbuch»: Schauplatz ist ein unheimliches, scheinbar verlassenes Haus, spätnachts in einem Sturm; die Gruppe trennt sich fatalerweise auf; Drogen sind im Spiel, welche die Wahrnehmung verzerren.

Zwei Bösewichte tummeln sich ebenfalls auf dem Screen: ein zynischer alter Jäger und eine schöne Frau mit langem, zerzaustem Haar - Melanie Winiger, das Schweizer Zugpferd des Films.

Alles klar also - für einen simplen, effektvollen Horrorfilm. Als so simpel entpuppt sich dann «One Way Trip 3D» aber doch nicht: Es dauert erst einmal recht lange, bis zum ersten Mal jemand zu Schaden kommt. In dieser Zeit werden die Charaktere eingeführt, junge Leute, die dem Erwachsenenalltag mal wieder entkommen und zwischendurch was Verrücktes machen wollen. Die österreichisch-schweizerische Truppe ist gut gecastet, vor allem mit Hauptdarstellerin Sabrina Reiter, die bereits Horrorfilmerfahrung mitbringt. Die jungen Leute fahren in den Jura, wandern dann wie Hänschen und Gretel mitten hinein in einen schönen Wald, wo sie den «Spitzkegeligen Kahlkopf», einen halluzinogenen Pilz, suchen wollen und dabei einer schönen, bösen Hexe begegnen.

Erst erotisch, dann blutig

Melanie Winiger macht ihre Sache gut - eine der besten Szene des Films ist diejenige, in der sie einen der jungen Männer hilflos macht, indem sie ihn verführt - er hätte sich jederzeit wehren können - und ihn fesselt, während er offensichtlich glaubt, es handle sich um ein erotisches Spiel. Hier auf dem Dachstock einer alten Scheune, im Stroh, erinnert man sich an das «Sennentuntschi», das vor einem Jahr noch ungeduldiger erwartet worden war als jetzt der erste «richtige» Schweizer Horrorfilm.

Noch in dieser Szene ergreift Winiger eine Gartenschere und das Schlachten, Flüchten und Schreien beginnt. Viel zu explizit, viel zu blutig nach dem feinen Suspense davor, als eine nach der anderen die Türen in dem verlassenen Haus geöffnet worden waren, aber so gehört es sich halt in einem Horrorfilm nach dem Vorbild von «Scream». Und immer wieder schleichen sich seltsam unwirkliche Szenen und Räume ins Geschehen: «Vielleicht liegen wir ja immer noch im Wald», hofft einer der jungen Männer in einer Szene, vielleicht ist ja alles nur ein schlechter Trip. Wie schlecht der Trip tatsächlich ist - das verrät eine überraschende Wendung in den letzten Filmsekunden.
One Way Trip 3D (Ö, CH 2011) 90 Min. Regie: Markus Welter. Mit: Sabrina Reiter, Melanie Winiger, u.a. HHHII

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