Klassik
Stradivari Fest: Von Schweizer Volksmusik bis Klangtaumel bei Verdi

Beim Stradivari Fest Gersau waren nicht nur die Spielorte besonders, sondern auch die Bandbreite der Musik.

Gerda Neunhoeffer
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Beim sonntäglichen Abschlusskonzert begleitete Diemut Poppen (Viola, 2.v.r.) das Stradivari Quartett.

Beim sonntäglichen Abschlusskonzert begleitete Diemut Poppen (Viola, 2.v.r.) das Stradivari Quartett.

Bild: Walter Jann/Stradivari Fest (Gersau, 25. Juli 2021)

Am vergangenen Sonntagnachmittag endete das Stradivari Fest Gersau mit dem traditionellen Stradivari-Konzert in der Pfarrkirche St.Marzellus. Alle sechs Konzerte waren – nach dem vorgeschriebenen Schutzkonzept – ausverkauft. Zum Glück konnte die Schifffahrt auf dem Nauen am Samstagvormittag trotz unsicherer Wetterprognose stattfinden. Da schwankte das Boot schon mal ganz kräftig auf dem Vierwaldstättersee, doch das Stradivari Quartett liess sich davon nicht beeindrucken.

Bis zu den ersten Regentropfen präsentierten sie Schweizer Volksmusik in ausgesuchten Arrangements. «Muttenzer Polka», «Mistträppeler Mazurka» und vieles mehr machten den Zuhörern ebenso viel Vergnügen wie den Musikern selbst. Bisweilen schien sich der Nauen dem Rhythmus anzupassen. Und die Gersauer Gemeinde verwöhnte mit reichlichem Brunch, der trotz unruhiger Fahrt allen schmeckte.

Von der Seebühne in die Pfarrkirche verlegt

Am Samstagabend hingegen musste, nach Sturm und Gewitter, das Konzert von der Seebühne in die Pfarrkirche verlegt werden. Das Adagio in Es-Dur «Notturno» von Franz Schubert klang da wie ein inniges Gebet. Über den Arpeggien, die Pianist Benjamin Engeli wie Perlenschnüre leuchten liess, spielten Xiaoming Wang und Maja Weber auf Violine und Cello schier endlose Melodiebögen. Schuberts «Forellenquintett» hätte gut auf die Seebühne gepasst. Doch was Xiaoming Wang, Maja Weber und Lech A. Uszynski (Viola) zusammen mit Benjamin Engeli und Kontrabassist Petar Naydenov an Klängen zauberten, war auch in der Kirche höchster Genuss. Das Scherzo schimmerte licht wie auf Engelsflügeln, jede Variation war ein klingendes Kleinod.

Im Mythenkonzert im Seehotel Waldstätterhof in Brunnen am Freitagabend erklang Mozarts «Dissonanzenquartett». Weit über seine Zeit hinaus hat Mozart da Harmonien und Dissonanzen verwendet, die das Stradivari Quartett mit Wang, Maya Kadosh (zweite Violine), Uszynski und Weber bis in kleinste Feinheiten nachvollzog. Giuseppe Verdis Streichquartett in e-Moll, von dem der Komponist selbst nicht überzeugt war, aber meinte, es sei immerhin ein Streichquartett, geriet dann zu einem Klangtaumel unerhörter Intensität, dem atemlos gelauscht wurde. Ein Meisterwerk, meisterhaft interpretiert.

Zum Abschluss Felix Mendelssohn-Bartholdy

Im Abschlusskonzert am Sonntag stand Musik von Felix Mendelssohn-Bartholdy auf dem Programm. Sein Streichquartett e-Moll op. 44.2 wurde vom Stradivari Quartett am Anfang leidenschaftlich, im Andante wie ein Lied ohne Worte gespielt. Das Scherzo klang elfenhaft, das Presto so orchestral wie filigran. Im Streichquintett B-Dur op. 87 ergänzte Diemut Poppen (Viola) das Ensemble. Sie ist künstlerische Leiterin der Rigi Musiktage, die vor einer Woche zu Ende gegangen sind. Sinfonischer Klang füllte die Kirche, alle vereinten sich auch in raschesten Tremoli und Triolen präzise. Das Adagio klang so überirdisch wie der letzte Satz kraftvoll und erdverbunden. Ein Kammermusikfest, das dank Initiatorin Maja Weber seit sieben Jahren immer mehr Besucher anlockt.

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