Swiss Music Awards

Viel Schein und etwas Glanz: Die Schweizer Musikszene feiert sich selber

Zum ersten Mal wurden die Swiss Music Awards in Luzern verliehen. Es gab viel Schein und Glanz und mit Loco Escrito sogar einen überraschenden Sieger.

«Keine Panik auf der Titanic». Der Weg an den Swiss Music Awards (SMA) über den roten Teppich ins KKL startet auf dem «Diamant». Das Schiff hätte kaum passender gewählt werden können – 2017 schlug es Leck und drohte zu sinken. Mittlerweile schwimmt es wieder, einer aufwendigen Rettung sei Dank.

«Alles im Griff auf dem sinkenden Schiff» wollen auch die SMA sagen. Die Musikbranche hat schon lange Leck geschlagen und doch spielt das Orchester tapfer weiter. Mit viel Pomp und Glamour versuchen die SMA zu kaschieren, dass das Schiff in Schräglage ist.

Nach elf Ausgaben in Zürich zog der wichtigste Musikpreis ins KKL Luzern und – auf den «Diamant». Geklatscht wurde mit schweizerischer Zurückhaltung, dafür wurden zahlreiche Selfies geknipst und richtig laut wurde es bei der Amerikanerin Billie Eilish.

Internaionale Preise überflüssig

Ihr Auftritt verlieh der Show etwas internationales Flair – auch wenn die SMA mittlerweile begriffen haben, dass die internationalen Preise bestenfalls eine Nebenrolle haben. Sie werden rassig runtergerattert – und Eminem (was für eine Überraschung?) kam nicht ins KKL, um seinen Award abzuholen.

Zusammengefasst könnte man sagen, dass der Event ohne grössere Überraschung verlief. Lo & Leduc (Best Group) und Bligg (Best Male und Best Album mit Kombination) siegten je zweimal. Emilie Zoé (Best Act Romandie) The Gardener & The Tree (Best Live Act), Sina (Outstanding Achievement Award), Steff la Cheffe (Best Female) und Marius Bear (Best Talent) je einmal. Die Ausnahme waren Black Sea Dahu (durch andere Künstler bestimmt) sowie Loco Escrito, der Lo & Leducs «079» schlug. Ausschlaggebend war hier Publikumsvoting.

Swiss Music Awards: Lo & Leduc sind «Best Group»

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Im Interview mit äussert sich Lo, der ohne seinen Kompagnon zur Verleihung erschienen war.

Mehr Mut täte dem SMA ganz generell gut. Moderator Stefan Büsser hält es beispielsweise immer noch für witzig, mit heruntergelassenen Hosen (inklusive lustiger Unterhose) zu moderieren.

Berühren tut die Award-Show nur dann, wenn die Freude der Sieger spürbar wird. «Sprachlos. Tränen. Häähhh», fassten etwa Härz auf der Bühne ihre Gefühlslage zusammen. Oder Marius Bear, der nett-grummlige Appenzeller. «Ich bin am Zittern wie ein nasser Hund. Wem soll ich nur alles Danke sagen?» Am Schluss kämpfte er mit den Tränen. Das hatte fast schon Oscar-Format. Zumindest ein bisschen.

Swiss Music Awards: Loco Escrito hat den «Best Hit»

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Im Interview spricht Escrito über seinen Sieg und darüber, wohin er den Preis nun hinstellen wird.

Richtig gut war auch die Dankesrede von Loco Escrito, die so von Herzen gekommen ist, dass der innere Filter auch ein paar Fluchwörter durchrutschen liess. Er arbeite daran, dass er seiner Mutter ein Haus kaufen könne – wenn sie es nicht selber wolle, könne man die Wohnung auch einfach vermieten.

Die stärksten Momente

Bezeichnend ist, dass der Award die wirklich starken Momente dann hat, wenn er das Skript verlässt und es einfach passieren lässt. In ihrer Laudatio auf Sina sagt Ständerätin Pascale Bruderer, dass sie «so echt» sei. Das stimmt.

Swiss Music Awards: Sina bekommt ihren ersten «Betonklotz»

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Es ist der erste Swiss Music Award für die Walliser Sängerin Sina. Damit wird sie für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Zu ihrer Laudatorin und Freundin Pascale Bruderer sagt die Wahl-Aargauerin bei Tele M1: «Ihre Rede hat mich sehr berührt, gut, war sie heute an meiner Seite.»

Genau diese Echtheit ist der Trumpf von Schweizer Musik – all die derzeit erfolgreichen Schweizer Acts singen Mundart. Doch die SMA wollen lieber eine Scheinwelt abbilden. Vielleicht könnte man im nächsten Jahr die Awards auf einem Schiff verleihen. Auf der «Diamant» zum Beispiel.

Swiss Music Awards: Favoriten, Schwärme und Traumpreise

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