«Transcending – The Beginning of Josephine» bietet alles: Ein hübsches, junges Paar, Visionen aus einem früheren Leben, einen grantigen Polizisten und einen fundamentalistischen Priester. Vor der Kulisse eines schönen Schweizer Dorfes zeigt der Film, wie Übernatürliches sichtbar wird.

Es ist der zweite Langspielfilm des Duos Wettstein/Stehli. «Ursprünglich wollte ich einen Film über den Sterbetourismus machen, aber plötzlich stellten sich mir grössere Fragen», erzählt Regisseur Michael Wettstein, der auch die Hauptrolle spielt. Und so entstand ein Drehbuch, das den Zuschauer unweigerlich fragen lässt: Wohin gehen wir, wenn wir sterben? Weshalb erinnert man sich manchmal an Dinge, die man selbst nicht erlebt hat? Und vor allem: wie kann man etwas zu Ende bringen, das jemand anderes begonnen hat?

Drehbuch in Hollywood-Manier

Aufgezogen wird die Geschichte an einem jungen, amerikanischen Paar: Karen (Adrienne LaValley) und Brandon Ames (Michael Wettstein) arbeiten hart und träumen davon, eine eigene Familie zu gründen. Nach einem Arbeitsunfall wird Karen jedoch von Alpträumen geplagt, und es geschehen Dinge, die sich nicht rational erklären lassen. Während sie und Brandons Mutter Evelyn (Claudia Wicki) beschliessen, einen spirituellen Berater (Dan Berkey) aufzusuchen, vertraut Brandon lieber einer Psychiaterin (Isabelle Flachsmann), die Karen Beruhigungspillen verschreibt. Als diese allerdings alles nur noch verschlimmern, beschliesst Brandon, dem Übernatürlichen eine Chance zu geben; und reist nach Wohlen in der Schweiz, wo sich das Haus befindet, von dem Karen seit ihrem Unfall träumt. Dort trifft er auf den Einsiedler Albert Huber (Thomas Grampp), der eigentlich nichts mit Fremden zu tun haben will; bis ihm klar wird, dass er nun endlich Licht in die Dunkelheit seiner eigenen Vergangenheit bringen kann.

Violaine Stehli stand bei den Dreharbeiten hinter der Kamera. «Ohne sie wäre das alles nicht möglich gewesen», sagt Wettstein, der weiss, wie viel ihre Hilfe wert ist. Er selbst hatte als Hauptdarsteller und Regisseur schon während des Drehs genug zu tun. «Von all den verschiedenen Rollen war es das Schwierigste, von der Rolle als Regisseur in diejenige des Schauspielers zu wechseln. Hinter der Kamera ist alles hektisch und technisch, vor der Kamera musste ich mich ganz in meine Rolle als Brandon einfühlen», beschreibt Wettstein seine Arbeit. «Finanziell war das Ganze nur dank privater Sponsoren möglich, die an uns, an den Film geglaubt haben. Gerade deswegen war es nie ein Thema, aufzuhören, auch wenn es Tage gab, an denen man das am liebsten getan hätte.»

Grosses Kino in der Schweiz

Auch beim Casting bewies Wettstein ein gutes Gespür: Insbesondere Thomas Grampp als Einsiedler fällt durch Präzision und Authentizität auf. Doch es sind auch Wettsteins Hingabe zu seinem Schaffen, seine Liebe zum Detail und der Glaube an die Geschichte, die aus seinem neusten Werk einen packenden Thriller machen. Mit bestechenden Nahaufnahmen und einem konzisen und ausgereiften Drehbuch wirft Wettstein Fragen nach dem Gestern, und dem Jetzt – und dem Unvorhersehbaren auf.

Transcending – The Beginning of Josephine (CH/USA 2016) 99 Min. Regie: Michael Wettstein. Premiere: Samstag 20.2, 19.30 Uhr, Kino Rex, Wohlen.QQQQQ