Musik-Award

US-Delikatesse mit Schweizer Zutat für vier Grammys nominiert

Der Genfer Weltklasse-Musiker Grégoire Maret mit seiner Mundharmonika.

Der Genfer Weltklasse-Musiker Grégoire Maret mit seiner Mundharmonika.

Gleich viermal ist das Orchester Chuck Owen & The Jazz Surge bei den Grammy Awards nominiert worden. Als Gastsolist wirkt der Genfer Weltklasse-Jazzmusiker Grégoire Maret mit.

Jay-Z, Kendrick Lamar und Bruno Mars standen im Mittelpunkt der Grammy-Nominationen vor einer Woche. Keine Überraschung! Es sind die üblichen Verdächtigen, die Lieblinge der Recording Academy, die die Nominationen jeweils vornimmt. Alles wie gehabt!

Wir behaupten: Spannend werden die Nominationen erst ab Kategorie 30 von insgesamt 84. Also dort, wo die weniger kommerziell ausgerichteten Sparten wie «American Roots Music», «Latin», «World» und «Jazz» aufgeführt sind. Jene Sparten, die gar nie im Scheinwerfer-Licht der grossen TV-Gala-Show Ende Januar stehen, musikalisch aber umso interessanter sind. Dort findet man manche Perlen, die es mangels Vertrieb und Promotion gar nicht erst über den grossen Teich schaffen. Wie zum Beispiel das Album «Whispers On The Wind» von Chuck Owen & The Jazz Surge. Nie gehört? Eben!

Chuck Owen & The Jazz Surge: Whispers On the Wind

Chuck Owen & The Jazz Surge: Whispers On the Wind

Besser als Taylor Swift

Chuck Owen ist Bandleader, Musiker und Jazz-Professor an der University of South Florida sowie Direktor des Zentrums für Jazz-Komposition in Tampa. Mit seinen beiden Vorgängern «River Runs» (2014) und «The Comet’s Tail» (2010) ist er von der Grammy-Academy schon dreimal nominiert worden, jetzt sind es gleich vier Nennungen: Für das beste Album eines Grossorchesters, die beste Instrumental-Komposition («Warped Cowboy»), das beste Arrangement («All Hat, No Saddle») und das beste, improvisierte Solo (Violinistin Sara Caswell). Das sind immerhin mehr Nominationen als Taylor Swift, Ed Sheeran oder die Foo Fighters erreicht haben.

Diesmal sollte es für einen Grammy reichen. Denn «Whispers On The Wind» ist eine äussest ambitionierte, siebenteilige Suite für ein 19-köpfiges Orchester (Danny Gottlieb am Schlagzeug), das sich mit den Mitteln des Jazz und dem Klangkörper einer Big Band mit amerikanischen Traditionen, seinen Werten, Landschaften, Helden und Mythen auseinandersetzt. Zu diesem Zweck integriert der Bandleader Instrumente aus der amerikanischen Folk- und Roots-Musik. Owen selbst spielt Akkordeon und Hackbrett, dazu kommen die Fidel, akustische Gitarren, die Dobro und die Mundharmonika.

Das ist aus Schweizer Sicht bemerkenswert, weil der Mann an der Mundharmonika, Grégoire Maret, aus Genf kommt. Zusammen mit Star-Trompeter Randy Brecker tritt er als Gastsolist auf. Ein Schweizer Jazz-Musiker, der im Herkunftsland des Jazz an einem grammy-nominierten Projekt beteiligt ist. Das hat es wohl noch nie gegeben.

Der heute 42-jährige Grégoire Maret hat zunächst in Genf studiert, wechselte dann in die Jazz-Abteilung der New School nach New York und blieb danach in den Staaten. Dort hat er sich innert Kürze einen exquisiten Ruf als Studiomusiker erarbeitet, spielte mit der Crème de la crème aus Jazz und Pop wie Meshell Ndegeocello, Steve Coleman, Pat Metheny, Cassandra Wilson, Marcus Miller und trat 2010 mit Elton John und Sting am Concert for the Rainforest auf. Seit dem Tod des legendären belgischen Mundharmonika-Spielers Toots Thielemans vor gut einem Jahr ist Grégoire Maret die erste Adresse für das beliebte, aber doch eher selten gespielte Instrument geworden.

Bassist mit Schweizer Wurzeln

In seiner Wahlheimat USA wurde der Genfer schon 2006 und 2008 als «Rising Star» ausgezeichnet, und 2014 erhielt er den Jazz Award der amerikanischen Jazz Journalists Association. In seiner Heimat ist der Weltklasse-Musiker aber lange weitgehend unbeachtet geblieben. Erst in diesem Jahr wurde er mit einem Schweizer Musikpreis des Bundesamtes für Kultur (BAK) ausgezeichnet, obwohl er regelmässig in der Schweiz auftritt. Zuletzt Ende November im Basler Jazzclub «Bird’s Eye».

Für das «Whispers On The Wind»-Projekt wurde Maret ausgewählt, weil sein Instrument «eine passende Cowboy-Lagerfeuer-Atmosphäre» schaffen kann. «Grégoire spielt wunderbar und aussergewöhnlich beseelt (soulful)», sagt Mark Neuenschwander, der Bassist der Band. Eine Qualität, die er bei europäischen Musikern oft vermisst. Der 63-jährige Neuenschwander ist einer der gefragtesten Musiker aus Florida und der zweite Musiker der Band mit Schweizer Bezug. Denn seine Familie ist an der Wende zum 20. Jahrhundert nach Ohio ausgewandert. Als Mennoniten flüchteten sie vor «religiöser Diskriminierung» im Kanton Bern.

Chuck Owen & The Jazz Surge Whispers On The Wind with Randy Brecker & Grégoire Maret (MAMA Records; siehe www.jpc.de und höre auf Spotify).

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