Jazz

«Urs Blöchlinger Revisited»: Wie Sohn Lino das Andenken an seinen Vater bewahren will

Lino Blöchlinger spielt auf dem Altsax seines Vaters.

Lino Blöchlinger spielt auf dem Altsax seines Vaters.

«Urs Blöchlinger Revisited» will den bedeutenden Schweizer Jazzmusiker in Erinnerung rufen. Mit dabei ist Sohn Lino Blöchlinger.

Es war ein Schock: Am 3. März 1995 wählte der Schweizer Jazzmusiker Urs Blöchlinger den Freitod. Die Schweizer Jazzszene war bestürzt und tief betroffen, denn mit dem Saxofonisten und Komponisten Urs Blöchlinger verlor sie einen der bedeutendsten Vertreter.

Wir erinnern uns an die Anfänge im anarchisch-humorigen «Jerry Dental Kollekdoof», an seinen fulminanten Auftritt mit seinem Trio am Jazzfestival in Willisau, an seine Formationen «Legfek», «Bermuda Viereck», «Kutteldaddeldu», an seine Projekte mit Grossformationen sowie an das Duo «Blochbaum» mit Christoph Baumann. Vor allem aber an sein überbordendes, originelles Saxofonspiel (Alto, Sopranino und Bass). Daneben schrieb er Film- und Theatermusik, das Kindermusical «Nemo» und ein Programm für die Schlieremer Chind.

Gegen das Vergessen

Urs Blöchlinger war ein Getriebener, ein Besessener, ein kompromissloser Musiker, der durch die Szene wetzte und wühlte. Mit seinem Elan, seiner Energie und Originalität als Saxofonist wie Komponist war er ein unermüdlicher Antreiber, eine Leitfigur des CH-Jazz. Umso bedauerlicher, dass der Aargauer Musiker immer mehr in Vergessenheit geriet.

«Urs Blöchlinger Revisited» heisst das Projekt gegen dieses Vergessen. Angeregt von den Stanser Musiktagen, will die siebenköpfige Band das reiche kompositorische Schaffen von Blöchlinger in Erinnerung rufen. Denn für Baumann war «Blö» nicht nur Saxofonist, sondern auch ein «fantastischer und fantasievoller Komponist, der ein grosses und vielfältiges Werk hinterlassen hat».

«Er gehört sicher zu den besten Schweizer Jazz-Komponisten», sagt Baumann. Immerhin einen kleinen Teil davon hat die Band aus dem Fundus seines langjährigen Weggefährten und Schlagzeugers Dieter Ulrich ausgegraben und will für die Nachwelt «einen neuen Blick auf das Werk wagen und es revitalisieren».

Zu den alten Hasen Ulrich, Baumann und Beat Unternährer (Posaune) gesellen sich der Kanadier Neal Davis (Bass) sowie die jungen Wilden Silvan Schmid (Trompete), Sebastian Strinning (Klarinette) und Lino Blöchlinger. Der 30-jährige Sohn von «Blö» war erst 6 Jahre alt, als sein Vater starb, er erinnert sich aber noch gut und gern an ihn.

Das Projekt ist deshalb für ihn schon etwas ganz Spezielles. «Es berührt mich sehr, diese Musik mit den alten Freunden meines Vaters zu spielen», sagt er, «ich kenne ja die Stücke von meiner Kindheit. Sie sind mir vertraut und ich freue mich darauf, sie neu zu entdecken».

Anderer Hintergrund

Der junge Blöchlinger hat in Bern, Luzern und Zürich Jazz studiert und spielt wie sein Vater Alt- und Bass-Sax. Das Alto, auf dem sein Vater gespielt hat, ist ihm gestohlen worden, sieben Jahre später auf Umwegen aber wieder aufgetaucht.

Trotz den Parallelen zu seinem Vater will er in «Urs Blöchlinger Revisited» nicht einfach die Rolle seines Vaters übernehmen. Überhaupt spiele er ein ganz anders Saxofon als er. «Wir Junge haben einen anderen Hintergrund», sagt Lino Blöchlinger, «wir wollen die Strukturen durcheinanderwirbeln und Verwirrung stiften.»

Live: 12. 4. Schaffhausen; 13. 4. Musiktage Stans; 16. 4. Isebähnli Baden; 17. 4. Zürich; 18. 4. Baar; 19. 4. Jazzcampus Basel.

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