Klassik

Ungewöhnliches Miteinander am Hirzenberg Festival

Tritt in Zofingen auf: Karolina Öhman.HO

Tritt in Zofingen auf: Karolina Öhman.HO

Cellistin Karolina Öhman setzt das Motto «Zusammenspiel» am Hirzenberg Festival in Zofingen kreativ um

Musizieren, das ist oft ein Zusammenspiel: Ein Melodieinstrument wird vom Klavier begleitet, das die Harmonien liefert. Oder dann spielen mehrere Streicher zusammen: im Duo, Trio, Quartett oder Ensemble. Das Hirzenberg-Festival in Zofingen fokussiert dieses Jahr dieses Miteinander, das für die Interpreten meist sehr bereichernd ist.

Karolina Öhman spielt sehr gerne im Ensemble. Musikerinnen, die viel zeitgenössische Musik machen, müssen dabei sehr flexibel sein, fast jedes Stück fordert eine andere Besetzung. Die gebürtige Schwedin kam nach Basel, um bei Thomas Demenga an der Musik-Akademie zu studieren. Seit 2014 ist sie Mitglied des Mondrian Ensembles Basel, das dieses Jahr mit dem Schweizer Musikpreis ausgezeichnet wurde: für seine innovativen, gut durchdachten Programme und die engagierten Interpretationen.

Am Hirzenberg-Festival tritt Öhman mit den Musikerinnen des Mondrian Ensembles auf, aber in unterschiedlichen Formationen: in Debussys Sonate für Cello und Klavier, in Ravels Sonate für Violine und Violoncello oder in Steen-Andersens «Study for string instrument nr. 1» (2007), die von einem oder mehreren Streichern gespielt werden kann. Dazu kommt ein Streichtrio des Festivalleiters Dieter Ammann, «Gehörte Form – Hommages», welches dieser 1998 im Auftrag des Mondrian Ensembles komponiert hat.

Spezialistin für Zeitgenössisches

Weshalb spielt Öhman in diesem Ensemble mit? «Als ich vor fünf Jahren dazukam, hat das perfekt gepasst», erzählt die Cellistin. «Wir spielen viel Zeitgenössisches, das ist auch mir wichtig, doch nicht nur. Auch das klassische Repertoire pflegen wir intensiv, es werden verschiedene Stile gefordert.» Öhman ist eine gefragte Cellistin, sie spielt als Gast in den renommiertesten Ensembles für Neue Musik, so mit dem Pariser Ensemble Intercontemporain, dem Ensemble Phoenix Basel und dem Collegium Novum Zürich.

Die Spezialisierung auf Neue Musik wird heutzutage schon in der Ausbildung speziell gefördert. So hat Öhman bei Thomas Grossenbacher an der Zürcher Hochschule der Künste nach dem Solistendiplom einen Master in zeitgenössischer Musik abgeschlossen, war Stipendienpreisträgerin der Darmstädter Ferienkurse 2010, gewann 2009 den Domnick Cellowettbewerb für Neue Musik Stuttgart und 2013 den 1. Preis beim Concours Nicati für die Interpretation zeitgenössischer Musik.

Weshalb hat Öhman eigentlich das Violoncello zu ihrem Instrument gewählt? «Ich habe schon als Kind mit dem Musizieren begonnen», erzählt die junge Schwedin, «meine Eltern suchten das Cello für mich aus. Das hat gepasst, für mich ist es das schönste Instrument, weil es extrem vielfältig ist. Es gibt tolle Literatur vom Frühbarock bis zum Zeitgenössischen, und Modernes kann man darauf sehr effektvoll spielen.»

Unmögliche Kombination

Bei ihrem Konzert in Zofingen hält Öhman noch eine andere Überraschung bereit. Sie spielt im Duo mit ihrer Schwester Erika Öhman, die Schlagzeugerin ist. Cello und Schlagzeug?! Diese Kombination des Zusammenspiels gibt es eigentlich gar nicht. «Ganz gleich, welches Instrument meine Schwester spielt», so die Cellistin, «ich würde auf jeden Fall mit ihr zusammen spielen, ich schätze sie sehr.»

Seit 2008 treten die beiden als UmeDuo zusammen auf. Um zu Literatur für ihre Kombination zu kommen, beauftragen sie Komponisten oder sie lassen bekannte Stücke für Cello und Schlagzeug arrangieren. «Ein Komponistenfreund aus England hat uns einige bekannte Stücke eingerichtet», erzählt Karolina Öhman. «So auch Klavierwerke von Claude Debussy – und zwar für Cello und Vibrafon. Die spielen wir in Zofingen.» Eine faszinierende Klangwelt, typisch Öhman eben.

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