Da steht er nun: der berühmt-berüchtigte Philip Maloney. Seit 28 Jahren ermittelt der von Geldsorgen geplagte Privatdetektiv in «haarsträubenden Fällen»; mittlerweile sind es rund 400 in seiner langjährigen Karriere, und alle hat er sie gelöst – eine stattliche Erfolgsquote. Was für ein Fall hat ihn wohl an diesem Abend zum Gasthof Bären nach Aarburg verschlagen? Verdächtigt etwa die Besitzerin des «Städtli-Kiosks» gegenüber der Strasse, ihren Ehemann, dass er sie mit einer russischen Primaballerina betrügt? Ist tatsächlich ein Geist der Festung Aarburg für das Verschwinden von Herrn Meiers Gattin verantwortlich?

Natürlich ist nichts von dem Geschehen wahr, das sind frei erfundene Geschichten, genauso wie Maloneys Fälle. Der Gasthof Bären hatte zu einer Dinner-Lesung in seinen Festsaal eingeladen, an der die beiden Schauspieler Michael Schacht alias Philip Maloney und Heinz Margot einige der Geschichten des Hörspiels von Rolf Graf vortrugen. Die Gäste Thomas und Angela sind nach Aarburg gekommen, weil sie von ihrem Sohn das Dinner als Weihnachtsgeschenk bekommen haben und weil sie generell Krimis mögen. «So ein Abend ist mal etwas anderes. Maloney hören wir oft unterwegs im Radio. Was ihn eindeutig auszeichnet ist seine Stimme», so Thomas.

Der Saal des Gasthauses ist voll, und die Gäste warten gespannt auf den Auftritt des Kult-Detektivs. Die Lichter werden gedimmt, die Türen öffnen sich und die beiden Sprecher treten unter Applaus auf das kleine Podest. Ohne Umschweife beginnt Michael Schacht mit einer Stimme zu erzählen, als ob sie in Whisky eingelegt, zum Trocknen in Zigarettenrauch aufgehängt und als Abschluss mit Stahlwolle behandelt wurde: «Dichte Wolken schoben sich am Himmel zu einer düsteren Decke zusammen, als ich aus dem Bus stieg und versuchte, mich zu orientieren.»

«Die Welt ist aus den Fugen»

Michael Schacht verleiht seit bald dreissig Jahren Philip Maloney die Stimme; jeden Sonntag zwischen 11 und 12 Uhr ist der gebürtige Deutsche auf Radio SRF 3 zu hören und hat mit seiner unverwechselbaren Stimme viel zur Beliebtheit der Figur beigetragen. Dieses Jahr ist er 76 Jahre alt geworden, aber sobald er spricht, ist es, als ob man Maloney zum ersten Mal hören würde. Vor einem Jahr hat der in Bern lebende Schacht in einem Interview erwähnt, dass es ihm immer noch Spass mache, in die Rolle des Maloney zu schlüpfen. Das bekommen auch die Gäste in Aarburg zu spüren; Schacht spielt nicht Maloney, er ist Maloney. Mit zerknautschtem Mantel und Lesebrille auf der Nasenspitze gibt er genussvoll grantige «hrrmpfs» und sarkastische «was Sie nicht sagen» von sich, wenn er es mit einfältigen Polizisten zu tun hat, was ziemlich oft vorkommt.

Doch Schacht leiht nicht nur Maloney seine Stimme, sondern auch dem Polizisten, dessen Standard-Äusserungen «üble Sache, Maloney» sowie «die Welt ist aus den Fugen, Maloney», dem Privatdetektiv nicht sehr behilflich sind. Schlüpft Schacht in die Rolle des Polizisten, wechselt er von seiner kratzigen Stimme in eine höhere Tonlage und mimt mit ebenso grosser Spielfreude den überforderten Beamten.

Mit Heinz Margot an seiner Seite hat er einen ebenbürtigen Partner gefunden, der allen anderen Figuren der Geschichte die Stimme verleiht. Da wäre, beispielsweise, Frau Schwarz, die ihren dritten Ehemann vermisst – die anderen zwei sind leider verstorben – oder ein Hobby-Schatzsucher im Wald, der glaubt, den Homo Helveticus gefunden zu haben. Der gebürtige Basler Schauspieler harmoniert bestens mit Schacht und schlüpft mit Leichtigkeit von einer Figur zur anderen; diese schrulligen Nebenfiguren sind beim Publikum ein ebenso beliebter Bestandteil der Geschichten wie der Privatdetektiv und sorgen für viel heiteres Gelächter.

In der Pause zwischen dem Hauptgang und dem Dessert tauschen sich die Gäste über die bisher gehörten Geschichten aus. «Meinst du, sie kommen noch einmal?», fragt eine junge Frau ihre Freundin. Und tatsächlich, Schacht und Margot stehen noch ein letztes Mal auf der Bühne, ehe sie zu neuen, haarsträubenden Fällen aufbrechen.