Hörspiel
Theater um Kasperli: Keine rechtlichen Schritte geplant

Auch wenn Jörg Schneider schmollt: Die Macher des neuen «Kasperli» müssen nicht mit einem rechtlichen Theater rechnen. Bereits künden sie für den kommenden Herbst zwei weitere Kasperli-Abenteuer an.

Daniel Fuchs
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Medienpräsenz war den bestens unter Journalisten vernetzten Autoren des neuen «Kasperli» gewiss. Stolz präsentierten die bekannten TV-Gesichter Andrea Jansen («SF Unterwegs»), Nik Hartmann («SF bi de Lüt») und Nadja Zimmermann (ehemalige «Glanz&Gloria»-Moderatorin) auf allen möglichen Kanälen ihr neues Projekt, das seit vergangenem Freitag im Handel erhältlich ist: zwei neue Abenteuer von Kasperli und seinen Freunden.

Die Macher des neuen «Kasperli» Fabienne Hadorn (verschiedene Rollen), David Bröckelmann als Kasperli und die beiden Autoren Nik Hartmann und Andrea Jansen (von links)

Die Macher des neuen «Kasperli» Fabienne Hadorn (verschiedene Rollen), David Bröckelmann als Kasperli und die beiden Autoren Nik Hartmann und Andrea Jansen (von links)

zvg Phonag Records / Oliver Nanzig

In lupenreinem Züridütsch macht jetzt der Basler Komiker David Bröckelmann den Kasper. Die Geschichten «De Seegeischt im Führwehrweiher» und «S verzauberete Flugzüüg» sind auf CD und online erhältlich. Für jene Kasperli-Fans, die ganz in ihren Kindheitserinnerungen schwelgen möchten, gibt es die Geschichten auf Kassette.

Jörg Schneider wartet auf CD

Doch blieb das Revival der Kultfigur «Kasperli» nicht ganz von Misstönen unbegleitet. Etwas beleidigt äusserte sich Übervater Jörg Schneider bei verschiedenen Medien.

Das Cover des «neuen» Kasperli

Das Cover des «neuen» Kasperli

zvg Phonag Records

Gegenüber der az war Jörg Schneider für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Doch spricht Wladek Glowacz, der Geschäftsführer von Tudor – jener Musikfirma, die Jörg Schneiders Originale vertreibt. Zwar will er den Machern des neuen «Kasperli» keine rechtlichen Schritte androhen, jedoch sei deren Vorgehen «fragwürdig». So sei ein «kollegialer» Brief Jörg Schneiders an Nik Hartmann «nicht gerade redlich für die Promotion verwendet worden».

Gegenüber Roger Schawinski liess Jörg Schneider auf «Radio 1» am Sonntag seinen Ärger durchblicken – auch über einen der Titel der neuen Kasperli-Geschichten. So sei «De Seegeischt im Führwehrweiher» nicht gerade ein origineller Titel, hiess doch eines der ersten Kasperli-Stücke überhaupt «De verzauberet Schpiegelweiher».

Das Cover der ersten Kasperli-Kassette

Das Cover der ersten Kasperli-Kassette

zvg Tudor Recording / Heinz Stieger

Unlauterer Wettbewerb?

Von den Vorwürfen lässt man sich auf Produzentenseite der neuen Kasperli-Folgen nicht beirren. Hinter dem Projekt steht neben der Musikfirma Phonag die Zürcher Agentur Andreas und Conrad. Deren Inhaber Michael Büchel sagt zur az: «Selbstverständlich haben wir uns vor dem Produzieren rechtlich abgesichert.» Die bisher erschienenen Geschichten seien einzig der Fantasie der beiden Kasperli-Fans Andrea Jansen und Nik Hartmann entsprungen. Die Sache mit dem Weiher im Titel einer ihrer Geschichte sei «reiner Zufall» und habe nichts damit zu tun, dass die neuen den alten Geschichten abgekupfert seien.

Trotz seiner Missstimmung bleibt Glowacz gelassen und sagt fröhlich: «Kasperli ist noch mit allen Übeltätern fertig geworden.» Man lasse nun abklären, ob die neuen, «selbsterklärten Erben» Jörg Schneiders mit dessen unwillentlicher Hilfe unlauteren Wettbewerb betrieben haben. Glowacz stimmt aber versöhnliche Töne an. «Es könnte sich aber auch zeigen, dass wir überreagiert haben.»

Der letzte Akt dieses Kasperlitheaters ist also noch nicht gelaufen. Wie auch immer er endet: Das Publikum darf sich freuen. Bereits haben die Hartmann, Jansen und Co für den kommenden Herbst zwei weitere Folgen des «neuen» Kasperli versprochen.