Es geschah in Clarksdale, Mississippi, irgendwann in den frühen 30er-Jahren des letzten Jahrhunderts. Hier an der Kreuzung der Highways 61 und 49 soll Robert Johnson seine Seele dem Teufel verkauft haben, um in die Geheimnisse des Gitarrenspiels eingeweiht zu werden.

So jedenfalls besagt es die Legende. Mit seinen frisch erworbenen diabolischen Fähigkeiten wurde er zum «King of the Delta Blues», zum Vater der Blues- und Rockgitarre, der Musiker wie B.B. King, Buddy Guy, Eric Clapton sowie Keith Richards und Brian Jones von den Rolling Stones entscheidend beeinflusste.

Dazu kommt: Robert Johnson starb im Alter von 27 Jahren. Er war der erste in einer Reihe von bedeutenden Musikern von Blues, Pop und Rock, die mit 27 Jahren tragisch starben. Dem Rolling Stone Brian Jones (1969) folgten nacheinander Gitarren-Gott Jimi Hendrix (1970), die Sängerin Janis Joplin (1970), die am kommenden Freitag 75-jährig geworden wäre, Doors-Sänger Jim Morrison (1971), Grunge-Ikone Kurt Cobain (1994) und zuletzt die Sängerin Amy Winehouse (2011). Sie alle schrieben Musikgeschichte und lebten nach dem Motto: «Live fast, love hard, die young».

Das grösste Mysterium des Rock

Das ist die Ausgangssituation der Show «The 27 Club – The Legends Never Die» des britischen Regisseurs Toby Gough. Für ihn ist es «das grösste Mysterium der Rockgeschichte». «Wieso starben sie alle mit 27? Was steckt dahinter? Gibt es einen Zusammenhang? Was sind die Eintrittsbedingungen für den exklusiven 27er-Club?», fragt er.

Seine Show versucht, Antworten zu geben und Verbindungen herzustellen. Zu Robert Johnson, dem Gründer und geistigen Vaters des Clubs, und zwischen den Musikern selbst. Brian Jones und die Rolling Stones wie auch Jimi Hendrix wurden von Robert Johnson inspiriert. Beide traten im Summer of Love 1967 am legendären Monterey Festival auf. Hendrix und Janis Joplin wiederum standen in Woodstock zusammen auf der Bühne. Und so weiter.

Haben alle einen Pakt mit dem Teufel geschlossen? Besteht eine «Sympathy with the Devil»? Oder hat der Ur-Vater des Clubs, Robert Johnson, seine bedeutenden Nachkommen mit einem Fluch belegt?

Eine nette Idee des britischen Show-Profis, der mit «Bar at Buena Vista», «Lady Salsa» und «The Merchants of Bollywood» ein Garant für packende, kurzweilige Shows ist. «The 27 Club» war schon 2013 und 2016 mit grossem Erfolg zu Gast im St. Pauli Theater in Hamburg und kommt jetzt in neuer Besetzung zum ersten Mal in die Schweiz.

Stoff für Besserwisser

Die Konzertshow bietet reichlich Stoff für musikhistorische Besserwisser. Zum Beispiel spielt der Stones-Gitarrist Brian Jones in der Show Bass. Oder Linkshänder Jimi Hendrix ist in der Show Rechtshänder. Mit den historischen Fakten nimmt es die Show nicht ganz genau. Doch ihr geht es nicht um die Wahrheit, sondern um Unterhaltung.

Die Show verneigt sich mit Songs wie «Sweet Home Chicago», «Hey Joe», «Satisfaction», «Me & Bobby McGee» und «Riders From The Storm», «Smells Like Teen Spirit», «Rehab» und vielen weiteren Meilensteinen der Musikgeschichte vor den viel zu früh verstorbenen, grossen Idolen, überzeichnet ihre persönlichen Eigenheiten aber unnötig. Was dazu führt, dass die Show eine parodistische Note erhält. Doch «The 27 Club» bleibt ein diabolischer musikalischer Spass mit hohem Nostalgiefaktor. Und am Schluss sind sie doch alle im Rock-Himmel vereint und spielen in derselben Band. Ein himmlisches Vergnügen.