Kultur

«Super-GAU»: Was die Konzertveranstalter vom Bund zur Milderung der Lage fordern

Eine der neuesten Absagen: Das Montreux Jazz Festival findet 2020 nicht statt. Konzerte sollen wenn möglich auf nächstes Jahr verschoben werden. (Symbolbild)

Eine der neuesten Absagen: Das Montreux Jazz Festival findet 2020 nicht statt. Konzerte sollen wenn möglich auf nächstes Jahr verschoben werden. (Symbolbild)

Die Konzert- und Veranstaltungsbranche trafen die Coronamassnahmen als eine der ersten. Und noch immer wissen Openairs und Festivals nicht, wann es wieder losgeht. Nun stellt ihr Verband weitere Forderungen.

(sat) Bislang seien über 700 Veranstaltungen abgesagt und weitere 400 verschoben worden, bilanziert der Branchenverband SMPA am Freitag in einer Mitteilung. Und spricht vom «Super-GAU». Die Einnahmeverluste bei seinen 44 Mitgliedern beziffert der Verband auf über 100 Millionen Franken – «Tendenz weiter stark steigend.» Aufgrund des Berufsverbots fehlten nicht nur die Erträge, sondern es falle auch ein grosser Aufwand an für Verschiebungen und Rückabwicklungen. Der SMPA empfiehlt seinen Mitgliedern, sich weiterhin kulant zu zeigen und bei Ticketrückgaben lediglich einen Unkostenbeitrag von 10 Prozent zurückzubehalten.

Konsterniert zeigt sich der SMPA über die Ausstiegsstrategie des Bundesrates. Dass für Veranstaltungen «weder eine juristische Grundlage noch Ansätze für eine Exit-Strategie präsentiert wurden», sei «nicht nachvollziehbar». Das verschlechtere nicht nur die Situation für die Veranstaltungsbranche, sondern auch für alle künftigen Veranstaltungen bleibe der Vorverkauf im Stillstand. «Nachdem die Veranstaltungsbranche zuerst gehört wurde, wird sie jetzt übergangen», kritisiert der SMPA. Dennoch zeigt er sich weiterhin gesprächsbereit.

Weiteres Geld und frühere Ausstiegsplanung

Noch immer hätten nicht alle Kantone ihre Prozesse zur Unterstützung von Veranstalter definiert und mit den Empfehlungen des Bundes abgeglichen, kritisiert der Verband weiter. Zudem seien weitere Massnahmen erforderlich, um die Insolvenz von Veranstaltern sowie Folgeschäden bei Künstlerinnen und Künstlern sowie Kultureinrichtungen und Lieferanten auf ein «tragbares Mass» zu reduzieren. Ein Vorschlag des Verbands der Konzertveranstalter: Der Bundesrat soll den Zustand der höheren Gewalt für die Branche bereits jetzt bis 90 Tage über das Ende der Coronamassnahmen hinaus beschliessen. So könnten Veranstalter über Absagen entscheiden, bevor Verpflichtungen verbindlich eingegangen werden müssen und nicht mehr rückerstattbare Kosten entstehen.

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