Es gehe nicht darum, mehr private Gelder für die Kultur zu generieren, damit der Staat (noch) mehr sparen könne, versprach er. Im Ranking unter den Kantonen steht der Aargau aktuell an 20. Stelle, weiter absteigen möchte der Kulturminister offensichtlich nicht.

Wie schwierig und aufwendig es in der alltäglichen Praxis ist, Mäzene und Sponsoren zu finden, erklärten Sibylle Lichtensteiger vom Stapferhaus und Myriam Rufer-Staubli, Präsidentin der Operettenbühne Bremgarten. Eine Operettenproduktion kostet heute 800 000 Franken, dreimal so viel wie 1982, kann aber weniger oft gespielt werden. Die immer grössere Diskrepanz zwischen Aufwand/Erwartung und Ertrag zu finanzieren, ist hier die Knacknuss.

Stiftungen, Firmen und Private tragen in der Schweiz etwa 20 Prozent der Kulturförderung. 60 bis 80 Franken/Einwohner leisten Stiftungen im Schnitt schweizweit, im Aargau sind es lediglich 15 bis 19 Franken. Der Aargau habe Aufholpotenzial, bilanzierte Lukas von Orelli vom Verband SwissFoundations.

Der Aargau hat deshalb – gemeinsam mit dem Kanton Bern – eine Studie in Auftrag gegeben, die diese Fakten zusammenträgt und erklärt. Beispielsweise, warum die Stiftungsdichte im Aargau mit 7,4 Stiftungen / 10 000 Einwohner am tiefsten ist. (SO: 9,8. ZH: 15,1. BS: 45,3). Erste Erkenntnisse liegen vor. Studienleiter Christof Schwenkel von Interface, erklärte etwa, dass Kantone mit vielen Grossunternehmen, hohen Vermögen (nicht hohen Einkommen), günstigen Vermögenssteuern, kleinerem Katholikenanteil eine höhere Stiftungsdichte aufweisen.

Potenzial aktivieren

Wie könnte man das Potenzial besser ausschöpfen? Welche steuerliche Anreize gibt es? Welche anderen Quellen als Stiftungen darf man nicht vergessen? Wie kann man sie aktivieren? In einem Open Space sammelte man Inputs der versammelten Aargauer Kultur-Wissensträger. Resultate sollen im zweiten Halbjahr 2019 vorliegen.

Dass Papiere, Konzepte und Ergebnisse des Kulturforums keine Papiertiger sind, dokumentierte der Aargauer Kulturchef Thomas Pauli. Vom Kulturkonzept des Kantons – zu dem das Kulturforum Inputs geliefert hatte – seien zwei Drittel der 33 Massnahmen aufgegleist. Beim Vermittlungsprogramm etwa ist der freie Museumseintritt für Freiwillige eingeführt, neben dem Museum Aargau wird das Kunsthaus Freiwillige beschäftigen, eine Leseprogramm der Bibliotheken ist in Aufbau und «Industriewelt Aargau» lanciert.