Während sich das Morgengrauen in Luzern gemächlich abzeichnet, entsteht im Bürogebäude unserer Zeitung bereits grosses Kino: Riesige Gebilde, deren Licht jenen von Fussballstadien nicht unähnlich sind, erzeugen eine schummrige Stimmung.

Zielgerichtet eilen Menschen in Arbeitshosen oder mit Puderdosen durch die Gänge. In der Ferne hört man das Mahlen einer Kaffeemaschine, einige Sekunden später glaubt man gar den Kaffeegeruch zu riechen. Ungewöhnlich ruhig ist es in den Räumen an der Maihofstrasse, eine nervöse Anspannung liegt in der Luft.

«Bitte alle auf Position», ertönt es plötzlich aus dem Nichts. Während die Journalisten unseres Hauses noch daheim weilen, sind die gespielten «Journalisten» des letzten Luzerner Tatorts bereits am Werk. Vor der Kamera geben sie ihr Talent zum besten, schlüpfen in die Rolle eines anderen.

Die erste Szene inmitten der Redaktion ist im Kasten, für den Laien scheint sie gelungen. «Cut! Danke. Machen wir noch einmal», lautet knapp das Resümee des Regisseurs Tom Gerber. Mit diesen Worten geizt der Mann mit der tiefen Stimme im Verlauf dieses Tages nicht. Noch unzählige Male werden sie aus seinem Mund im Verlauf dieses Morgens erklingen.

Im Fokus: Chefredaktorin der «Luzerner Zeitung»

Die letzte Folge des Luzerner Tatorts steht ganz im Zeichen von Schmiergeldern, Verschwörungstheorien sowie – selbstverständlich – Mord und Totschlag. Das Ermittlerduo Flückiger und Ritschard ermittelt im Mordfall des Ex-Mannes der Chefredaktorin der «Luzerner Zeitung», Sonja Christen. Deren Verflossener verschwindet nach einer Spendengala spurlos.

Was sie zum Zeitpunkt des Anlasses noch nicht ahnt: Ihr verschwundener Ex-Ehegatte wird am nächsten Morgen tot in der Reuss geborgen werden. Bereits in der ersten Folge des Luzerner Tatorts entdeckten Rettungskräfte einen leblosen Körper im Fluss. Zufall? «Nein. Ich glaube, das haben die Autoren wahrscheinlich extra geschrieben. Es hat sich gut getroffen, da es eine Wasserleiche gibt», sagt Stefan Gubser (Kommissar Reto Flückiger) im Interview mit unserer Zeitung.

Bis es zum Gespräch mit ihm und Schauspielkollegin Delia Mayer kam, ist es jedoch eine grosse «Büez» gewesen. Nach Diskussionen mit einigen Mitarbeitern des Produktionsteams einigten wir uns auf ein 10-minütiges Gespräch. Dieses fand nach vier Drehstunden statt.

Gubser und Mayer überraschen denn mit äusserst reserviertem, gar entnervtem Auftreten. Das Interview, das wir filmen, verläuft harzig. Die letzten Worte Mayers gelten einer Frage nach dem Gefühl hinsichtlich des Drehschlusses. Leicht entnervt sagt sie: «Und können Sie die erste Frage rausschneiden?»

Doch zurück zur Handlung. Der Name «Der Elefant im Raum» beschreibt die Geschichte prägnant. Diese vier Worte beschreiben die Metapher, die ein offensichtliches Problem darstellt, das zwar im Raum steht, aber dennoch von den Anwesenden nicht angesprochen wird. Laut SRF handelt der Film «von der Problematik, wenn die Glaubwürdigkeit staatlicher Akteure, der sogenannten Elite und der Medien auf dem Prüfstand steht.

Ob der letzte Luzerner Tatort ruhig oder spektakulär endet, darüber sind sich die Schauspieler uneinig. «Man kann sagen, es gibt ein Karacho», so Stefan Gubser. Delia Mayer entgegnet: «Ist es so?» Lachend fügt sie an: «Ich weisses nöd.» Viel über die Handlung verraten dürfen die beiden ohnehin nicht. Nur so viel: Die Geschichte handle von der Presse, genauer von Fake News. «Das betrifft sie natürlich nicht», so Gubser schmunzelnd.

Ab Dezember gehen sie verschiedene Wege

Stefan Gubser und Delia Mayer wirken vor- wie auch hinter der Kamera wie ein eingespieltes Team. Bei jeder Interviewfrage schauen sich die beiden meist an, bevor eine Antwort erfolgt. Auf die Erkundigung hin, ob sie denn auch nach dem Tatort noch Kontakt hätten, folgt von Seiten Delia Mayer zuerst ein «sicher nicht». Beide lachen und versichern, auch danach noch in Verbindung bleiben zu wollen. Schliesslich arbeiteten sie seit acht Jahren zusammen. «Eine lange Zeit», wie Mayer findet.

Trotzdem: Nach dem letzten Dreh im Dezember trennen sich die Wege der beiden Tatort-Kommissare. Stefan Gubser wird beim Theater arbeiten, Delia Mayer singt im KKL mit dem Luzerner Sinfonieorchester «Die sieben Todsünden» von Bertolt Brecht und Kurt Weill. Sie schauen gerne auf die Zeit in Luzern zurück. «Wir kennen die Stadt wahrscheinlich besser als so mancher Luzerner», sagt Gubser abschliessend.