Film

Spezialeffekte bei «Avatar» und «The Hobbit» mitgestaltet: Zürcher Michael Aerni lebt seinen Traum

Am Blockbuster "Avatar" hat Michael Aerni mitgearbeitet. Im Bild: Die "Avatar"-Protagonisten Neytiri (Zoe Saldana, rechts) und Jake (Sam Worthington). (Pressebild)

Am Blockbuster "Avatar" hat Michael Aerni mitgearbeitet. Im Bild: Die "Avatar"-Protagonisten Neytiri (Zoe Saldana, rechts) und Jake (Sam Worthington). (Pressebild)

Der Zürcher Michael Aerni verwirklicht sich in Neuseeland: Bei Weta Digital gestaltete er die Special Effects von «War for the Planet of the Apes» mit.

Sein Name steht im Abspann einiger der grössten und teuersten Filme aller Zeiten. «Avatar», «The Hobbit», «Valerian and the City of a Thousand Planets». Bei allen hatte Michael Aerni seine Hand im Spiel, gestaltete für James Cameron, Peter Jackson und Luc Besson die verschiedensten Kreaturen. Der 38-jährige Zürcher arbeitet heute als Senior Animator bei Weta, einer der grössten Firmen für Filmeffekte der Welt.

«Hollywood-Filme sind natürlich eine andere Liga», sagt Michael Aerni.

Aernis Einstiegsdroge in die Welt der Animation waren aber nicht Filme, sondern Video-Games: Aufgewachsen in Neftenbach, erkrankte Aerni als Kind an Morbus Crohn, an chronisch entzündetem Darm, mit Polyarthritis. «Ich konnte zeitweise nicht mehr laufen und war ans Bett gefesselt», erinnert sich Aerni an seine Jugend. «Videospiele waren eine tolle Abwechslung. Sie boten eine Parallelwelt, durch die ich dann auf 3D- Animation stiess.»

Mit dem ersparten Geld vom Lehrlingslohn als Tiefbauzeichner kaufte sich Aerni einen guten Computer, besorgte sich eine Studentenversion eines 3D-Programms und brachte sich die ersten Schritte in der Computer-Animation selber bei. Seine Arbeit ermöglichte ihm schliesslich ein Praktikum bei einer 3D-Firma in Wiesbaden. Neun Jahre entwickelte er sich bei verschiedenen Firmen in Deutschland weiter zum Animator und arbeitete an Zeichentrickfilmen wie «Hui Buh» und «Hexe Lilli».

Neuseeland statt Amerika

Aerni träumte von der weiten Welt. Mehr als Amerika, die Heimat von grossen Computer-Animationshäusern wie Pixar oder ILM, reizte den Zürcher Neuseeland, wo das von Peter Jackson mitbegründete Effekthaus Weta Digital («Der Herr der Ringe») beheimatet ist. Aber dort wurden nur Bewerber mit mindestens drei Jahren Spielfilmerfahrung berücksichtigt. Aerni bewarb sich mehrmals vergeblich, bis er schliesslich für «Avatar» einen Arbeitsvertrag bekam: «Ich hatte mich inzwischen intensiv auf die einzelnen Muskelgruppen im Gesicht spezialisiert. Das scheint den Ausschlag gegeben zu haben.»

Bei Weta fing Aerni mit weniger wichtigen Hintergrundaufnahmen und kurzen Einstellungen zwar wieder unten an. Aber: «Es war schon eine Herausforderung damals, denn diese Hollywood-Filme sind natürlich eine andere Liga.»

Zu Aernis Spezialgebiet wurde die Bewegung der Skelette. Für die «Planet of the Apes»-Filme hat der Senior Animator Affen im Zoo und in Dokumentarfilmen studiert. Mit jedem Film wurde der Fokus aber zunehmend auf das präzise Kopieren der Performance von Andy Serkis gelegt, der den Hauptaffen Cäsar spielt (siehe Interview links). «Bei der Szene, in der Cäsar sich von Baum zu Baum durch eine rollende Lawine schwingt, hatte ich viele Freiheiten. Da konnte ich die ganze Sequenz und die Kamera-Einstellung selber entwerfen.»

Alles in allem arbeitete Michael Aerni während sechs Monaten an rund dreissig Einstellungen von «War for the Planet of the Apes». Eine durchschnittliche Einstellung dauert im Film 3 bis 4 Sekunden. «Ich bin also am Schluss gerade mal für rund zwei Minuten Film verantwortlich – und auch nur für die Bewegung», erklärt er lachend.

Obwohl er sich mit bald 39 Jahren mit Blockbuster-Filmen nicht mehr gleich stark identifizieren kann wie früher, will der Animations-Profi vorderhand bei Weta in Wellington bleiben, wo er mit seiner Partnerin fünf Minuten vom Arbeitsort lebt. Im September erhält er den neuseeländischen Pass, und mit Ausnahme seiner Schweizer Familie fehlt ihm dort nichts.

Als Gastdozent in Luzern

Seine berufliche Zukunft könnte sich Aerni aber auch als Dozent vorstellen. Letzten Sommer unterrichtete er an der 1. Lucerne Master Academy of Animation (LuMAA) an der Hochschule Luzern. Der sechswöchige Intensiv-Kurs wurde von DreamWorks-Animator Simon Otto ins Leben gerufen und von Schweizern, die an grossen Hollywood-Produktionen arbeiten, mitgestaltet.

Der Kurs war ein Erfolg: «Ein Absolvent hat ein Praktikum bei Pixar bekommen und ein anderer eine Position bei Framestore in London», erzählt Aerni stolz. Er ist auch bei der 2. LuMAA, die am 31. Juli startet, wieder mit von der Partie. Weltoffenheit, unkonventionelles Denken, Kritikfähigkeit, Geduld und Ausdauer müssten die qualifizierten Studenten mitbringen, wenn sie eines Tages ihren Hollywood-Traum verwirklichen wollen – so wie Michael Aerni.

Lucerne Master Academy of Animation. 31. Juli – 8. September, Hochschule Luzern.

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