Seit 1981 lassen wir es zweimal über uns ergehen: Die Umstellung der Zeit, die eigentlich nur eine Umstellung der Uhr ist. Im Winter kehren wir zur Normalzeit zurück, und im Sommer stehen wir eine Stunde früher auf, wie auch jetzt am Sonntag. 

Chronobiologen goutieren diesen Wechsel ganz und gar nicht. «Ich halte die Zeitumstellung nicht nur für überflüssig, sondern auch für schädlich», sagt der Regensburger Psychologe Jürgen Zulley der Wochenzeitung «Die Zeit». Sein Münchner Kollege Till Roenneberg nennt die Sommerzeit einen «von oben diktierten Eingriff in unser biologisches Zeitsystem», welches sich primär nur nach Licht und Dunkel richtet und dem Sommerzeit-Diktat nicht gehorcht.

Uhrzeit wider die innere Uhr

Studien haben ergeben, dass jeder Zweite in der Schweiz nach der Umstellung unter Schlafproblemen leidet. Kinder, die eine Stunde früher die Schulbank drücken, sind aufgrund der inneren Uhr noch gar nicht fähig, Wissen aufzunehmen, ebenso wie alle anderen, die eine Stunde früher dem ganz normalen Arbeitsstress ausgesetzt sind. Am Morgen sind wir unausgeschlafen, vormittags müde, zu Mittag haben wir keinen Appetit und abends können wir erst mal nicht einschlafen. Am Montagmorgen nach der Umstellung auf Sommerzeit ereignen sich acht Prozent mehr Verkehrsunfälle als an einem normalen Montag.

Was plausibel ist, denn wir fahren dann an die Arbeit, während unser Geist und Körper noch schlafen. Umgekehrt ist es übrigens im Herbst, dann sind Unfälle um sieben Prozent seltener als sonst. Sogar die Milchkühe haben Mühe mit der Zeitumstellung, weil sie sich an die neuen Melkzeiten gewöhnen müssen, und produzieren weniger Milch. Insbesondere die Leber benötigt relativ lange, etwa sechs bis sieben Tage, ums ich an die Funktionsveränderungen anzupassen.

Schlafforscher fordern die Abschaffung

Bisher ging man davon aus, dass die innere Uhr ungefähr eine Woche braucht, bis sie sich an den neuen Rhythmus gewöhnt hat. Nun zeigen aber neuere Untersuchungen, dass dem nicht so ist. Offenbar wirkt sich die Zeitumstellung, respektive die Sommerzeit bis zu sieben Monate lang die innere Uhr einer Mehrheit der Bevölkerung. Das kann zu Schlafmangel führen, der gemeinhin als ungesund gilt, zu Übergewicht und Herz-/Kreislaufproblemen führen kann.

«Richtig gewöhnen wir uns daran nie», sagt Roenneberg. Schlafforscher Zulley fordert deshalb die Abschaffung. «es würde unserer Biologie einher entsprechen, in der Winterzeit zu leben.» Einer Studie des renommierten Center for Chronobiology der Psychiatrischen Klinik der Universität Basel zufolge zeigt eine intensive Lichtbestrahlung am Morgen zwar eien erhöhte Aufmerksamkeit, aber selbst nach zwei Wochen konnte der zirkadianische Schlafrhythmus, d.h. der bestimmende Taktgeber unserer inneren Uhr nicht verändert werden.

Grundsätzlich ist die Winterzeit die Normalzeit. Die Idee der Umstellung im Frühling ist, die Stundenanzahl mit nutzbarem Tageslicht zu vergrössern. Ein Hauptgrund dürfte sein, dass man mit dieser Massnahme Energie sparen kann. Der englische Begriff sagt das auch deutlich: «daylight saving time». Das mag in Kriegszeiten so gewesen sein, aber heute gibt ist es weltweit erwiesen, dass es im Frühling nur geringfügige Einsparungen in Sachen Stromverbrauch gibt, aber dafür einen umso stärkeren Stromverbrauch im Spätsommer und Herbst. Immerhin dürfte sich Beizen-Fraktion und damit die Wirte über eine gewonnene Stunde freuen.

Leichte Kost und helles Licht

Um möglichst problemlos in die Sommerzeit zu wechseln, empfiehlt er leichte Kost. Ausserdem sollten sich die Menschen hellem Licht aussetzen, weil das die innere Uhr einstelle.
Wenn möglich, könne auch der Schlafrhythmus angepasst werden, indem die Menschen in den Tagen vor der Zeitumstellung jeweils eine Viertelstunde früher schlafen gingen. Das ist besonders bei Kindern zu empfehlen.