Die Bar im Stall, einen Steinwurf von der Alten Reithalle entfernt, hat noch nicht offiziell geöffnet, doch die einfallenden Sonnenstrahlen versuchen sich bereits jetzt unbemerkt einzuschleichen. Zweieinhalb Wochen vor Eröffnung der Sommersaison stellt Peter-Jakob Kelting, künstlerischer Leiter des Theater Tuchlaube, mit fünf weiteren Kulturschaffenden in der Bar das diesjährige Programm vor.

Der Startschuss zum Sommer in der Alten Reithalle Aarau erfolgt bereits am Freitag, 4. Mai, mit dem Tanzfest. Auf dem Programm des dreitägigen Festes stehen Aufführungen nationaler Tanzgruppen, Tanzparties und, vor allem, ein grosses Angebot an Schnupperkursen: Von Stepptanz und Hip-Hop über Ballett zum zeitgenössischen Tanz ist für alle Hüften etwas dabei.

Profis neben Laien

Der Tanz bildet Anfang und Schluss der Sommersaison. Vom 22. bis zum 29. September stellt die Badener Compagnie Flamencos en route mit dem herausragenden Aargauer Kammerorchester Chaarts ihre neue Kreation «Mosaico» vor. «Mit dieser Referenz an den Tanz befinden wir uns auf einer Linie mit dem Aargauer Kuratorium, das sich den Tanz als neuen Förderschwerpunkt gesetzt hat», erläutert Kelting.

Die Badener Tanzcompagnie Flamencos en route bildet mit ihrer neuen Produktion den Abschluss der Sommersaison.

"Mosaico"

Die Badener Tanzcompagnie Flamencos en route bildet mit ihrer neuen Produktion den Abschluss der Sommersaison.

Die diesjährigen Besucher der Reithalle dürfen zudem mit MelodyAarau eine musikalische Premiere erleben. Das neue Musikfestival bringt über die Pfingsttage Klassik, Jazz, aber auch internationale Farbtupfer wie den portugiesischen Fado in die Alte Reithalle. Roman Kuhn, Präsident des Vereins MelodyAarau betont, dass er mit dem Festival die ganze Stadt zum Klingen bringen will: «Neben den drei Orchesterkonzerten am Abend, finden mit Pianostreet tagsüber Gratiskonzerte an sechs Orten in der Aarauer Altstadt statt.»

Als strategischer Partner der Tuchlaube im Projekt Alte Reithalle ist das argovia philharmonic ebenfalls fester Bestandteil der diesjährigen Sommersaison. Das Symphonieorchester wird, unter anderem, seine eigens komponierte Kinderoper «Fell und Feder» (26.5) präsentieren sowie zwei aussergewöhnliche Konzerte mit Joseph Haydns «Die Schöpfung» (2. bis 3. 6.), bei der über 150 Gesangslaien zusammen mit renommierten Solisten das Oratorium in ein Grossereignis verwandeln.

Freunde des klassischen Schauspiels kommen zunächst bei zwei Gastspielen, «Hamlet» (15. 5.) sowie «King Charles III» (16. 5.), der Bremer Shakespeare Company auf ihre Kosten. Für Peter Lüchinger, Leiter des Bremer Theaters, sind die Gastspiele zugleich eine Heimkehr: Der gebürtige Aarauer ist vor dreissig Jahren in die norddeutsche Stadt gezogen.

Aus O-Tönen von Feuerwehrleuten erstellte die B'bühne mit Laien ein Theaterstück, das von Feuer und Zusammenhalt in Aarau, Beinwil am See und New York berichtet.

"Katastrophenübung"

Aus O-Tönen von Feuerwehrleuten erstellte die B'bühne mit Laien ein Theaterstück, das von Feuer und Zusammenhalt in Aarau, Beinwil am See und New York berichtet.

Wie in jeder Sommersaison verwandelt sich die Reithalle auch dieses Jahr zum Aufführungsort für Laientheater. Die B’bühne erarbeitete mit elf Spielern unterschiedlichsten Alters das Projekt «Katastrophenübung», das am 19. Juni Premiere feiert. Die Inszenierung stellt anhand der Freiwilligen Feuerwehr die Frage nach dem Zusammenhalt von Gemeinden. «In der Feuerwehr wird die bürgerliche Zusammenarbeit gelebt. Verschiedene Leute kommen zusammen und leisten etwas für die Gemeinschaft», so Regisseur und Künstlerischer Leiter der B’bühne, Jonas Egloff. Des Weiteren werden am fünften Jugend Theater Festival Schweiz (6. bis 12. 9.) die besten Jugendtheater des Landes ihre aktuellen Arbeiten vorstellen.

Kein Tempel für Auserwählte

Das Festival für aktuelle Zirkuskunst «cirqu’aarau» findet erst nächstes Jahr wieder Einzug in die Alte Reithalle doch der Künstlerische Leiter Roman Müller verkürzt die Wartezeit für Zirkusfreunde mit der französischen Compagnie Les Colporteurs. Die sechs Kulturschaffenden betonen an der Medienorientierung, dass das diesjährige Programm auch im Zeichen der bevorstehenden Volksabstimmung über den Investitionskredit für das Projekt Alte Reithalle stehe. «Es ist ein besonderes Jahr für uns. Wir möchten mit unserem Programm zeigen, dass die Alte Reithalle kein Kultur-Tempel für Auserwählte ist, sondern ein Begegnungsort für alle», so Peter-Jakob Kelting.