Herr Rechkemmer, was hat es nun mit Brainfood wirklich auf sich?

Gerhard Rechkemmer: Das Gehirn ist tatsächlich abhängig von der Ernährung. Aber das funktioniert nicht so einfach, dass ich am Morgen ein bestimmtes Produkt einnehmen und dann am Nachmittag kurzfristig eine bessere kognitive Hirnleistung erbringen kann.

Wie funktioniert es denn?

Für die Entwicklung des kindlichen Gehirns sind die langkettigen Omega-3-Fettsäuren enorm wichtig. Bei Kleinkindern kann man also sagen: Viel Fisch essen ist gesund. Jugendliche und Erwachsene spüren vor allem die Auswirkungen, wenn sie an einer Unterversorgung leiden. Wenn ihnen also Makro-Nährstoffe – Fett, Eiweiss und Kohlenhydrate – oder Mikro-Nährstoffe wie Vitamine, Mineralstoffe oder Spurenelemente fehlen, oder wenn der Elektrolythaushalt aufgrund von starkem Schwitzen gestört ist, dann beeinträchtigt das ihre Denkleistung.

Was ist also zu beachten?

Für gute Leistungen ist es wichtig, dass der Blutzuckerspiegel nicht zu stark absinkt, sonst entsteht eine Unterzuckerung, und diese senkt die Hirnleistung, wie auch eine zu geringe Flüssigkeitszufuhr. Ein ausgewogenes Frühstück vor einer Prüfung und ausreichend zu trinken sind also gute Voraussetzungen für eine gute Gehirnleistung.

Nun sind aber die Empfehlungen bezüglich «ausgewogen» sehr unterschiedlich. Wie kommt das?

Tatsächlich gibt es im Ernährungsbereich viele selbst ernannte «Experten»: Schliesslich essen und trinken wir alle, und mancher fühlt sich schon darum als Kenner. Zudem ist die Ernährungswissenschaft eine vergleichsweise junge Wissenschaft, die es mit einem sehr komplexen Geschehen zu tun hat: Möchte man wirklich relevante Empfehlungen machen, reichen Tier- oder gar Zellversuche nicht, dann muss man auch mit Menschen forschen, und es ist schwierig, Menschen dazu zu bewegen, strikte Ernährungsvorgaben über einen langen Zeitraum einzuhalten.

Wie würde denn Ihre Empfehlung zur Prüfungsvorbereitung lauten?

Als ein sehr gutes Beispiel für ein «ausgewogenes» Frühstück kann ich das typische Schweizer Birchermüesli in seiner klassischen Form empfehlen: Die Früchte enthalten viele wertvolle Bestandteile und schnell verfügbare Kohlenhydrate, das Getreide liefert länger verfügbare komplexe Kohlenhydrate und Ballaststoffe für die Sättigung, die Milch ist Eiweisslieferant und zugleich eine gute Quelle für Kalzium, und die Nüsse liefern sogar noch Omega-3-Fettsäuren.