Arosa Humor-Festival
Skandalauftritt: Betreibt Satiriker Somuncu selbst Zensur?

Der deutsch-türkische Satiriker Serdar Somuncu löste mit seinem Zensur-Vorwurf an SRF eine Riesendiskussion aus. Doch nun sind die Beiträge zum Thema von seiner Facebook-Seite verschwunden.

Benno Tuchschmid und Jürg Krebs
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Wo sind die Beiträge zum Skandalauftritt des deutsch-türkischen Satirikers Serdar Somuncu geblieben? Von seiner Facebook-Seite sind jedenfalls die Posts und Videobeiträge zu seinem Auftritt am Arosa Humor-Festival verschwunden. Dort hatte er den SVP-Übervater als «Arschblocher» bezeichnet. Schweizern warf er «gepflegten Rassismus» vor, will zuvor nach eigenen Angaben sogar von «aufrichtigen Nazis» gesprochen haben. Provokation pur.

Das Schweizer Fernsehen SRF hatte seinen Auftritt in einer zweiteiligen Zusammenfassung des Festivals nicht verwendet. Das kritisierte Somuncu als Zensur und löste damit eine Riesendebatte aus, ob SRF vor rechtsnationalen Kreisen kusche. Die Diskussion wurde Anfang Woche auch auf der Facebook-Seite des Satirikers geführt.

"Erschreckend"

Zuletzt hatte er sich unter dem Hashtag «Hassistenerwachet» kritisch über Kommentatoren ausgelassen: «Erschreckend, wie viele Kommantatoren in einer Mischung aus gekränktem Stolz und Anonymität bereit sind auf das Grundrecht der Meinungsfreiheit zu verzichten.» Und weiter: «Es scheint zudem vielen zur Begründung ihrer Zustimmung zum skandalösen Vorgehen des SRF zu reichen, dass man den persönlichen Geschmack vor den öffentlich-rechtlichen Sendeauftrag stellt. Ein Musterbeispiel für den Niedergang unserer Denk- und Gesprächskultur.»

Somuncus Kritik an Facebook-Kommentatoren:

Doch übt Somuncu jetzt gar selbst Zensur? Damit konfrontiert, erklärt Serdar Somuncu, die Beiträge seien nicht von seiner Facebook-Seite gelöscht, sondern nur auf der Startseite verborgen worden. Wer die diversen Berichte geliked oder kommentiert habe, hätte weiterhin Zugang zur Diskussion.

Seine Seite, die von über 360'000 Personen geliked ist, lässt Somuncu regelmässig aktualisieren, wie er ausführt. Aus Gründen der Übersichtlichkeit stünden die Beiträge nicht länger als ein, zwei Tage auf der Hauptseite zur Verfügung.

Somuncu zitiert SRF

Somuncu wäre aber nicht Somuncu, wenn er nicht auch eine bissige Antwort bereit hielte. Er übernimmt die Antwort von SRF auf die Zensurvorwürfe: «Die Redaktion trifft eine Selection nach Kriterien wie Dauer, Genre und Qualität der Beiträge, um eine ausgewogene Mischung zu gewährleisten. Daher handelt es sich selbstverständlich nicht um Zensur.» Er schiebt ein zwinkerndes Smiley nach.

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