Sounds
Neue EP von Siselabonga: Afrikanisch-westliche Fernwehklänge aus Luzern

Auf ihrem aktuellsten Werk funkeln die Songs von Siselabonga zwischen Traum und Trance.

Pirmin Bossart
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Eine musikalische Fernbeziehung: Glauco Cataldo, Tarang Cissokho und Fabio Meier (von links) sind Siselabonga.

Eine musikalische Fernbeziehung: Glauco Cataldo, Tarang Cissokho und Fabio Meier (von links) sind Siselabonga.

Bild: Ernst Kehrli/PD

Repetitive Riffs von Gitarre und Kora, eine beschwörende Stimme und eine Trommel, die unbeirrt ihren dunklen Puls hält: «Dindinma», der Titelsong der neuen EP, hat alles, was man sich unter trance-mässiger Wüstenmusik vorstellt. Man fühlt sich an Sahelbands wie Tinariwen oder Tamikrest erinnert, lässt sich treiben, spürt den erdigen Groove.

Doch Siselabonga verkörpern mit ihrem westafrikanisch geprägten Sound noch andere Facetten. Drei der fünf neuen Songs erklingen als balladeske Geschichten, in denen der Sänger und Kora-Spieler Tarang Cissokho von Erinnerungen in seiner Heimat Senegal, vom Familienzusammenhalt und alten Zeiten («Family») oder von seiner jungen Nichte Mama Toby («Toby») erzählt. Hier kommt seine herzerwärmende Stimme besonders zum Ausdruck. Man braucht den Text, in einem senegalesischen Idiom gesungen, nicht einmal zu verstehen.

Die Band ist eine afrikanisch-schweizerische Fernbeziehung, in der sich die Protagonisten immer mal wieder im Senegal treffen. Der Senegalese Tarang Cissokho (Stimme, Kora) sowie die beiden in Luzern lebenden Musiker Glauco Cataldo (Gitarre, Stimme) und Fabio Meier (Drums, Perkussion) haben sich 2015 am Forest Jam in Madagaskar kennengelernt – einem internationalen Austauschprojekt für Musiker. Zu diesem Kern ist 2018 auch Gregory Schärer (Bass) gestossen, der das Trio vor allem an Live-Auftritten zum elektronischen Quartett ergänzt.

Der Urenkel eines musikalischen Königs

Die neue EP ist bereits die dritte Veröffentlichung. Prägend für ihren Sound sind die melancholisch-heiteren Melodien der 22-saitigen Kora (Stegharfe). Tarang Cissokho, der auch ein ausgezeichneter Sänger ist, steht in einer musikalischen Traditionslinie, die mit Talenten gesegnet ist und verpflichtet. Er ist der Urenkel von Soundjoulou Cissokho, der in Afrika als König der Kora bekannt ist.

Auch auf «Dindinma» ist es die Mischung von westafrikanischen und westlich-rockigen Klängen, die den Sound von Siselanbonga charakterisieren. Glauco Cataldo, der als Solokünstler unter dem Namen Blind Boy Da Vita bekannt ist, erweitert mit seinen folkig-psychedelischen Elementen das akustische und elektrische Klangbild. Und Perkussionist Fabio Meier variiert die Songs mit seiner dosiert eingesetzten Vielfalt an Rhythmen.

Siselabonga nennen ihre Musik eine Verbindung von Afro­psychedelia und Kora-Rock’n’Roll.

Was das Spektrum von melodischem Songmaterial, erdigen Emotionen und repetitiv-verschnörkelten Tranclinien gut trifft. Ein schönes Beispiel ist neben dem Titelsong der Track «Sera Fall Bamba». Dort ist auch das ausufernde Gitarrensolo von Glauco über federnder Rhythmik schön psychedelisch.

Siselabonga: Dindinma. Infos: www.siselabonga.com

Youtube Siselabonga

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