Kultur

Sie hat das gute Hasch: In der Komödie «La daronne» bringt Isabelle Huppert das Zeug unter die Kleindealer

Kaum wiederzuerkennen: Isabelle Huppert verwandelt sich von Patience Portefeux in Madame Ben Barka.

Kaum wiederzuerkennen: Isabelle Huppert verwandelt sich von Patience Portefeux in Madame Ben Barka.

Isabelle Huppert zu sehen lohnt sich eigentlich immer. Mit Vorbehalten auch hier.

Isabelle Huppert ist eine, die allein ihres Namens wegen die Leute ins Kino bewegen kann, auch wenn man genau weiss, dass der Film wahrscheinlich nicht so toll ist. So ähnlich verhält es sich mit «La daronne» (die Alte). Die französische Komödie des hierzulande unbekannten Regisseurs Jean-Paul Salomé ist ein Film, den man mit dem Trailer schon fast gesehen hat: Patience Portefeux (Portemonnaie!) arbeitet als Arabisch-Dolmetscherin fürs Pariser Drogendezernat. Ein schlecht bezahlter Job. Erst gerade hat sie die Schulden des verstorbenen Mannes abbezahlt; für das kostspielige Pflegeheim der Mutter reicht das Geld nicht. An der Seite ihres Mannes und der Eltern lebte sie einst ein anderes, luxuriöses Leben – finanziert mit nicht immer ganz legalen Geschäften. Patience, nach einer Jacht benannt, hat eine gewisse Sympathie für die Kriminellen, deren Telefongespräche sie mit einem amüsierten Lächeln abhört, während sie zu Hause die Wäsche bügelt. Als eine grosse Ladung Haschisch aus Marokko eintrifft, sieht Patience ihre Chance gekommen.

Schön ist, dass nicht die Versuchung des Geldes diesen Prozess in Gang bringt, sondern die Solidarität mit einer anderen Frau: Der Drogenfahrer entpuppt sich als Sohn von Kadidja, die sich rührend um Patiences demente Mutter kümmert. Dank Warnung der Dolmetscherin kann er die Ladung rechtzeitig loswerden. Aber es wäre ja schade drum, denkt diese sich dann und verwandelt sich mit edlem Hijab, grosser Sonnenbrille und viel Make-up in Madame Ben Barka.

Huppert spricht Arabisch – mit leichtem französischem Akzent

Huppert hat ganze Passagen Arabisch auswendig gelernt – wie einst das Klavierspiel für «La pianiste» – und macht das natürlich perfekt. Und mit Hippolyte Girardot als ihr Chef und Teilzeitlover hat sie einen ebenbürtigen Partner im emotionalen Konflikt, der ihr Doppelspiel verursacht. Und doch ist Isabelle Huppert mit dieser Rolle unterfordert. «Kino ist Schweigen», hat sie einmal gesagt. Und dass sie keine Figuren, sondern die Seelenzustände von Menschen darstelle.

Stellvertretend hierfür steht eine Szene, in der sie ihr ganzes Können ausschöpfen kann: Die Mutter liegt im Bett und realisiert in einem lichten Moment, dass es langsam zu Ende geht; dass sie all die Dinge, die sie liebt – wie Shoppen –, nicht mehr tun kann. Patience ­betrachtet sie und sagt ganz einfach, während ihr die Tränen in die Augen steigen: «Du bist schön.» Es ist der emotionalste Moment des Films, der die Mutter-Tochter-Beziehung in ihrer ganzen Tragweite erfasst und in dem all die oberflächlichen Motive in den Hintergrund treten.

Weniger schön – und auch nicht nachvollziehbar – ist, dass diese Frau im Fadenkreuz von Polizei und Drogenclan schliesslich sogar Menschenleben in Kauf nimmt, um ihre Haut zu retten. Und das ohne mit der Wimper zu zucken. Das passt dann auch nicht mehr zur Tragikomödie.

Meistgesehen

Artboard 1