Ob sie wohl Europas Busen Nr. 1 werden wollte? Carolin Wosnitza, geborene Ebert, die irgendwann als «sexy Cora» berühmt wurde, war blond, blauäugig, zierlich, hübsch, gesund. In der Schule bei allen beliebt. Aber irgendwann spielte das keine Rolle mehr. Irgendwann ging es nur noch um Körbchengrösse F oder G (einer Grösse übrigens, die Frauen, die von Natur aus damit gesegnet sind, chronische Rückenschmerzen bereitet und als ärztlich anerkannter Grund für eine von den Kassen bezahlte Brustverkleinerung gilt).

Aber Coras Busen gehörte nicht nur ihr selbst, sondern auch ihrem Freund und Ehemann, Tim. Denn der profitierte entscheidend davon, er war es auch, der sie im Pornobusiness mehr als nur unterstützte. Denn Cora verkaufte mehr Amateurpornos als irgend jemand anderes.

Wie konnte es soweit kommen? Eine Spurensuche ergibt folgendes Bild: Carolin Ebert kommt am 2. Mai 1987 in Berlin zur Welt. Nach der Trennung ihrer Eltern bleibt sie bei der Mutter, zieht nach Ostdeutschland. Sie, die Fische als Haustiere hält und Barbies sammelt und wie alle kleinen Mädchen von einer Karriere als Ballettänzerin träumt, macht den Realschulabschluss und schenkt sich ein Rückentattoo. Sie beginnt eine Lehre als Krankenschwester, anderen Menschen zu helfen, das gefällt ihr. Doch das Heben der kranken Menschen im Hospiz fällt ihr, der zarten Person (156m, 46 kg) zunehmend schwer. Ihr wird ein Hüftleiden attestiert, sie bricht die Lehre ab. Dass sie ihre Ausbildung nicht beendet hat, macht ihr zu schaffen. Es sei, sagen ihre Freunde heute, sei vielleicht der Anfang vom Ende gewesen. «Die Leute denken, dass ich nie etwas durchziehen kann», schimpft sie danach. «Das wird mir immer vorgeworfen: Du ziehst nie etwas durch!»

Keine Ausbildung, kein Geld, kein Silikon

Dann, mit 18, kam Tim. Sie zieht mit ihm nach Hamburg, heiratet. Mit 19 ist sie Frau Wosnitza. Das Geld ist knapp, der Traum vom Berühmtwerden (Schauspielerin hat die Primadonna abgelöst) gross. Sexvideos drängen sich auf, auch das ist ja eine Form von Schauspielerei. Mit 21, so will die «Bild-Zeitung» wissen, hatte sie bereits Sex mit 100 Männern. Die Amateurpornos, die sie drehte, wurden als kostenpflichtige Clips im Internet angeboten. Nebenher war Cora auch noch Web-Cam-Girl in verschiedenen Erotik-Portalen. Sexy Cora war geboren. Ihr Manager: Tim, ihr Mann. Der Kameramann: Auch Tim, Coras Angetrauter. Nicht sehr gross, aber sehr breit.

Er war es, der auf die Idee gekommen ist, Cora halbnackt in einen rosa Lamborghini durch die Stadt zu chauffieren, und Cora mit Freiluft-Drehs bekannt zu machen. Zweifelsohne auch auf seinen Anstoss hin, sollte Cora auf der Hamburger Reeperbahn einen fragwürdigen Rekord bringen. Sie sollte in einem Lokal auf St. Pauli 200 Männer nacheinander oral befriedigen. Bei Nummer 74 kollabierte ihr Kreislauf, sie musste ins Krankenhaus eingeliefert werden. Der Rekordversuch scheiterte nach 50 Minuten. Der Manager war trotzdem stolz auf sie. Danach posaunte er heraus, Cora habe ohne Vorarbeit viele Männer glücklich gemacht. Er sei stolz auf sein Pornosternchen.

Auf einer Erotik-Messe in Deutschland erzählt Carolin vor zwei Jahren, wie ihre Porno-Karriere beginnt. Eigentlich redet mehr ihr Manager-Mann. Bei ihrem ersten öffentlichen Dreh «wäre sie am liebsten weggelaufen», erinnert er sich. «Ich habe gesagt: Komm, zieh's durch.» Carolin sagt: «Ich hab gezittert.» Sie tut viel für die Aufmerksamkeit. Vor dem Blowjob-Rekordversuch schläft sie in den Dünen sie mit Dutzenden Männern, bis die Polizei kommt.

«Big Brother» macht sie endlich berühmt

2010 war sie heimlicher Star-Wohngenossin in der 10. Staffel von «Big Brother». Sie ging nach 43 Tagen Nacktduschen freiwillig. Danach produzierte sie eine Single, tingelte von Klub zu Klub auf Mallorca. Ebenfalls 2010 wurde sie beste Amateur-Darstellerin der Pornoszene. Doch weil viel niemals genug ist, wollte sich Cora erneut ihren Busen vergrössern. von 70 F auf 70 G - eine Körbchengrösse, die für ihre Statur viel zu viel war. Nachdem ein Schönheitschirurg die OP ablehnte, suchte sie sich einen andern. In der Hamburger Alster-Klinik, einer Spezialklinik für Silikonvergrösserung von 600 Millilitern und mehr, wurde sie fündig. Doch irgendwas ging schrecklich schief bei dieser OP. Porno-Star Cora, die einmal das Mädchen Carolin war, fiel ins Koma und kam nicht mehr zurück. Nach neun langen Tagen blieb ihr Herz einfach stehen. Mit 23.

Nun ist es die Polizei, die ermittelt, die Staatsanwaltschaft, die untersucht. Nach derzeitigen Erkenntnissen könne ein Defekt des Narkosegerätes ausgeschlossen werden, hiess es in der Erklärung. Auch ein fehlerhaftes Verhalten der Ärzte sei bislang nicht bewiesen. Es gebe einen anonymen Hinweis darauf, dass die 23-Jährige vor dem Eingriff Wachstumshormone genommen habe, sagte Möllers. Das Institut für Rechtsmedizin untersucht deshalb ihr Blut.

Leiden für die Brust

Brustvergrösserungen sind in der Pornobranche zum Werbemittel geworden. Chirurgische Eingriffe erscheinen auf den Seiten der Darstellerinnen als PR-Nachricht. Auch viele Reality-TV-Berühmtheiten scheinen zu glauben, dass ein grösserer Busen grössere Aufmerksamkeit bringt. Wohin es führen kann, wenn der Chirurg zum Karrierehelfer werden soll, hat jüngst Heidi Montag gezeigt. Die Amerikanerin war über eine MTV-Serie bekannt geworden und hatte sich nicht nur an der Brust operieren lassen. Die Implantate der Körbchengrösse G musste sie irgendwann entfernen. Sie taten zu sehr weh. «Chirurgie ist kein Glamour», sagte Montag in einer Fernsehshow, in der sie ihr Operationsleid klagte und die Narben zeigte.

Cora ist nicht das erste Pornosternchen, der die allzu grossen Brüste zum Verhängnis wurden. im Jahr 2000 starb Lolo Ferrari, auch sie nur 30 Jahre alt, aber mit einer Oberweite von 130 Zentimetern (bei 165 cm Körpergrösse).  Auch sie liiert mit einem Mann, der sie auf Sexmessen schickte, wo Lolo mit vorgereckten Brüsten Sektgläser balancierte. Ein Busenwunder, eine Kunstfigur, die zweimal drei Kilo Brust vor sich hertrug, und den Titel «Europas Busen Nr. 1».