Sexuelle Belästigung
Senta Berger schildert sexuelle Gewalterfahrungen durch Kollegen wie O. W. Fischer und Kirk Douglas

In einem Interview mit der «Zeit» erhebt die beliebte Schauspielerin schwere Vorwürfe gegen ihre einstigen Filmkollegen O. W. Fischer und Kirk Douglas. O. W. Fischer soll versucht haben, sie zu vergewaltigen.

Julia Stephan
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Die beliebteste Schauspielerin Deutschlands: Senta Berger.

Die beliebteste Schauspielerin Deutschlands: Senta Berger.

Franziska Krug / German Select

Hätte Senta Berger (79) ihre am eigenen Leib erlebten Vergewaltigungsversuche und sexuellen Übergriffe im Jahr 2021 unter dem Hashtag MeToo veröffentlicht – es wäre ein Aufschrei durch die Branche gegangen. Als ihre Autobiografie «Ich habe ja gewusst, dass ich fliegen kann» 2006 erschien, schaute die Öffentlichkeit lieber weg. Dabei hatte die beliebteste Schauspielerin Deutschlands schon damals happige Details aus ihrem Berufsleben geschildert, die zumindest eine Debatte in Gang hätten setzen müssen.

So habe sie der US-amerikanische Produzent Darryl Zanuck in einem New Yorker Hotelzimmer zum ­Essen eingeladen und dann im Bademantel verfolgt. Mit einem Schuh am Fuss habe sie sich auf die 5th Avenue gerettet. «Eine Harvey-Weinstein-Figur», sagt Berger in einem soeben erschienenen Interview mit der «Zeit». Ihre Kollegin Natalie Wood, der sie sich nach dem Vorfall anvertraut hatte, habe darauf zu ihr gesagt: «Senta, das macht er doch mit allen. Harry Cohn von der Columbia hat Marilyn Monroe jeden Morgen in sein Büro gebeten. Was meinst du denn, wozu?»

O. W. Fischer versuchte sie zu vergewaltigen

Vorwürfe richtet Berger auch an den verstorbenen österreichischen Schauspielstar O. W. Fischer. Der habe sie beim Dreh zu «Es muss nicht immer Kaviar sein» versucht zu vergewaltigen und sie dabei körperlich misshandelt. «Danach hätte ich eigentlich sagen müssen: Ich kann morgen nicht mit Ihnen drehen und diesen Film nicht mit Ihnen machen», sagt Berger in der «Zeit». Sie habe mit ihm während der sechswöchigen Drehzeit kein privates Wort mehr gesprochen. Entschuldigt habe er sich am Schluss mit dem Faust-Zitat «Das Ewig-Weibliche zieht uns hinan». «Ich habe nur gesagt: ‹Ja, und? Was willst du mir mit der Faust-Zeile sagen?›»

Der US-amerikanische Schauspielerkollege Kirk Douglas, der aus einer jüdisch-russischen Emigrantenfamilie stammte, habe sie beim Dreh gegen ihren Willen zu küssen versucht. Berger:

«Als ich meinen Kopf wegdrehte, sagte er: ‹Dein Volk hat meines getötet.› «Das fand ich eine unglaubliche Zusammenführung. Darüber hätte man vielleicht mal mit der Psychoanalytikerin Margarete Mitscherlich sprechen müssen. Über diese erotische Anziehung, die ein ‹war baby› offensichtlich hatte. Über die Faszination der Erniedrigung, die man ihm zufügen könnte.»

Senta Berger, die ihre Karriere in Wien am Theater startete und sich damals noch gewohnt war, dass man ihr vor dem Auftritt in den Po zwickte, kritisiert im Interview, dass heute «zu viel über die Sprache und Gendersternchen diskutiert und zu wenig über die realen Verhältnisse» geredet werde.