Serie
«Succession»: Krasser, perverser – besser, und das ganz ohne Sex

Die Roy-Sippe kämpft auch in den eigenen Reihen mit immer härteren Bandagen. «Succession» ist die beste Serie, die es momentan zu sehen gibt. Jetzt dann startet die dritte Staffel auch in der Schweiz.

Regina Grüter
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Sohn Kendall im Duell gegen Vater Logan.

Sohn Kendall im Duell gegen Vater Logan.

Bild: David M. Russell/HBO

Ein Bauernopfer genügte nicht, um die Firma aus der Schusslinie zu ziehen. Doch anstatt im Korruptionsskandal den Kopf hinzuhalten, bezeichnet Sohn Kendall seinen Vater vor versammelter Presse als bösartig, als Tyrannen und Lügner. Logan lächelt. Das hätte er nicht von «Heulsuse» Kendall erwartet.

Die zweite Staffel um ein weltumspannendes Familienmedienunternehmen mit Sitz in New York City endete mit einem Cliffhanger sondergleichen. Nicht nur deshalb gehört Season drei der HBO-Serie zu den am ungeduldigsten erwarteten Serienfortsetzungen des Jahres.

Das Ende der zweiten Staffel ist ein gutes Beispiel dafür, wie die Autoren das Publikum immer wieder mit unerwarteten Wendungen überraschen. Die Figuren sind derart unberechenbar, dass man ihnen immer alles zutraut. Sie stecken voller Widersprüche. Gleichzeitig sind ihre Handlungen stets nachvollziehbar. Bevor der renommierte schottische Theater- und Filmschauspieler Brian Cox für die Rolle des Patriarchen Logan Roy zusagte, wollte er von Serienschöpfer Jesse Armstrong («Peep Show») wissen, ob Logan seine Kinder liebe. Wäre die Antwort mit Nein ausgefallen, hätte er nicht mitgemacht, sagte er gegenüber der Zeitung «Scotsman».

Halten wir zu Dad – oder mischen wir bei Kendall mit? In dieser Frage müssen sich die Geschwister Shiv, Roman und Connor entscheiden. Geht es ihnen um Loyalität (und wenn ja, zu wem?), um Liebe, vielleicht auch ein klein wenig um Gerechtigkeit oder rein um Opportunismus und Profilierungssucht? Dass immer alle diese Faktoren mitspielen, macht die Sache so spannend. Der Vaterkomplex, der sitzt tief.

In dieser Staffel erreichen die innerfamiliären Demütigungen und Verletzungen einen neuen Höhepunkt.

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Hier sind die Kronvasallen die Königsmacher. Wer wählt den Präsidentschaftskandidaten? Die Roys. Integre Journalisten werden dazu gedrängt, sich von der seriösen Berichterstattung abzukehren. Friss oder stirb. Dass die Fiktion nicht weit von der Realität entfernt ist, weiss man spätestens seit der Konstellation Murdoch-Fox News-Trump. Jesse Armstrong hatte eher eine Mischung aus «Dallas» und dem Dogma-Film «Festen» im Kopf.

Die Musik erhebt die Serie in noch höhere Ränge

In «Succession» ist alles krasser, perverser – besser, und das ganz ohne Sex. Die Dialoge sind brillant-komisch. Aber Achtung: Fast kein Satz kommt ohne «Fuck» aus. Im Schauspielensemble ist kein fauler Apfel zu finden. Kieran Culkin als jüngster Sohn Roman spielt die Rolle seines Lebens; Matthew Macfadyen führt sich als Shivs Ehemann Tom noch verrückter auf als der Rest. Und das Titelstück von Nicolas Britell («Moonlight»), das in den Episoden in allen möglichen Variationen auftritt, verleiht «Succession» das Format einer klassischen Tragödie.

Beruhigend für Fans hat Jesse Armstrong vor, das Versprechen im Titel einzulösen. Eine vierte Staffel ist in Planung, aber die Serie könne nicht ewig weitergehen. Gut so! Wir wollen uns auf höchstem Niveau von diesen Arschlöchern verabschieden.

10 Stunden am Stück die geniale Titelmelodie hören? Voilà!

«Succession», 3. Staffel, 9 Episoden à zirka 60 Min., ab 22. November auf Sky Show (auf Abruf, wahlweise im Original oder auf Deutsch) und auf RTS Un (jeweils montags, 22.30 Uhr, im Original, wahlweise mit französischen Untertiteln, oder auf Französisch; danach ganze Staffel auf Play RTS bis zum 2. Januar 2022).

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