Jeff Bridges

«Seit dem Oscar bin ich sichtbarer geworden»

Jeff Bridges (61) spielte 1982 im «TRON»-Original die Hauptrolle.   Key

Jeff Bridges (61) spielte 1982 im «TRON»-Original die Hauptrolle. Key

Endlich wird er nicht mehr unterbewertet: Der Schauspieler Jeff Bridges spielt im Kult-Sequel «TRON: Legacy». Trotz dem Oscar-Gewinn letztes Jahr blieben die grossen Drehbücher-Angebote bisher aber aus.

Bald ist wieder Oscar-Verleihung. Wo bewahren Sie Ihre Statue auf, die Sie vor einem Jahr für «Crazy Heart» gewonnen haben?

Jeff Bridges:Auf einem Tablar zwischen der Küche und dem Esszimmer. Zuerst wollte ich ja, dass meine Frau den Oscar ab und zu versteckt, damit ich ihn suchen und vor allem erfreut wieder finden kann. Aber das liessen wir dann bleiben.

Sie sind als Schauspieler ja längst etabliert. Bringen einem da Oscars und Golden Globes überhaupt noch Vorteile?

Ich dachte eigentlich, dass ich nachher mit vielen grossartigen Drehbüchern überhäuft werden würde, aber das war nicht der Fall. Was es mir hingegen gebracht hat, ist die Gelegenheit, mit Freunden ein Album einzuspielen, denn in «Crazy Heart» konnte ich ja meine musikalische Seite zeigen. Ausserdem bin ich seit dem Oscar in der Öffentlichkeit allgemein sichtbarer, prominenter geworden, was mir hilft, die Wohltätigkeitsorganisation «No Kid Hungry» besser zu vertreten. 17 Millionen Kinder haben in den USA nämlich Hunger und wir wollen dem bis 2015 ein Ende setzen.

Die tollen Drehbücher blieben also aus und so sind Sie mit «TRON: Legacy» in der Fortsetzung eines Ihrer Filme aus den Achtzigerjahren gelandet...

(lacht) «TRON» kam vor 28 Jahren raus – das ist wohl eine Rekord-Zeitspanne für eine Fortsetzung! Zwischen «The Last Picture Show» und «Texas Bill» lagen ja nur 20 Jahre... wieder mit den Leuten von damals zusammenzuarbeiten, kam mir vor, als sei überhaupt keine Zeit vergangen.

Ist in Ihrem Gesicht auch nicht: Sie spielen nebst dem natürlich gealterten Kevin Flynn den jungen Programm-Klon Clu, der mit Performance Capture digital kreiert wurde. Wie kam es Ihnen vor, sich verjüngt zu sehen?

Das war so, wie als ich mich das erste Mal auf einer Kassettenaufnahme hörte. Irgendwie leicht entfremdet. Ich bin es gewohnt, mich als junger Mann in Filmen zu sehen, aber Clu ist eine Kreation anderer Künstler und daher hat er etwas Fremdes, Computerliches an sich – was aber gut in die computerisierte Welt des Films passt.

Video-Games und unser Verhältnis zu Computern haben sich in den letzten 28 Jahren im Gegensatz zu Clu sehr verändert. Was ist die Bedeutung von «TRON» heute?

Das stimmt, es ist seither viel passiert. Wir kommen heute überall schnell hin, deshalb müssen wir uns gut überlegen, wo wir denn genau hin wollen und zu welchem Preis. Nehmen wir nur schon diese Wasserflasche hier (nimmt die bereitgestellte Mini-Mineralwasserflasche in die Hand): Wir nehmen zwei Schlucke daraus und werfen sie weg, sie ist nicht wirklich biologisch abbaubar und so verschmutzen ihre Partikel schliesslich die Umwelt und landen in unserer Nahrungskette. Und so sehe ich «TRON» als eine Warnung, ein bisschen runterzuschalten und sich zu überlegen, was Technik und Fortschritt uns bringen und was sie eigentlich bringen sollten.

Wie sehen Sie denn die Zukunft?

Ich hoffe, dass wir aus unseren Fehlern lernen und wieder auf den rechten Kurs kommen. Nur schon für unsere Kinder. Denn unser natürlicher Impuls ist doch das Zusammenkommen. Die ersten amerikanischen Kolonien haben es schon gemerkt, dass sie zusammen mehr erreichen. Und obwohl ich als junger Mann meine Unabhängigkeit bewahren wollte, habe ich trotzdem geheiratet. Inzwischen bin ich 33 Jahre verheiratet und erkenne den Wert und die Stärke dieses Zusammenseins.

33 Jahre sind vor allem in Hollywood eine lange Zeit. Was machen Sie und Ihre Frau Susan richtig, das so viele offenbar falsch machen?

Wir reichen einfach die Scheidung nicht ein (lacht). Scheidung ist ganz schädlich für die Ehe. Und Übung macht den Meister. Man braucht nicht 33 Jahre zu warten, bis die ersten Probleme auftauchen, die hat man wahrscheinlich schon in der ersten Woche. Dann kann man entweder auf seinen Wünschen und Bedürfnissen bestehen und gehen oder man nutzt die Hürden als Chance, sich tiefer in die Beziehung hineinzubegeben und sich zu bemühen, mit dem Partner mitzufühlen und zu verstehen.

Tönt gut, aber wie funktioniert das in der Praxis?

Meine Frau und ich haben diese Technik für uns entwickelt, die ganz gut funktioniert: Wenn was im Busch ist, setzen wir uns gegenüber – nahe, so, dass sich die Knie fast berühren. Dann sagt die eine Person, was ihr auf dem Herzen liegt, und die andere hört nur zu und darf nichts sagen. Denn bei einem Dialog legt man sich ja bereits die Gegenargumente im Kopf zurecht, wenn der andere noch spricht und man hört dann gar nicht mehr richtig zu. Erst wenn der Erste fertig ist, kommt der andere dran und das machen wir ein paarmal hin und her, bis man alles gesagt hat. Wenn man für die ganze Dauer unterschrieben hat, gibts eben keine Flucht. Es gibt nur das Üben, Üben und nochmals Üben des Zusammenseins.

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