Die in Bern lebende Schweizer Geigerin Patricia Kopatchinskaja (40) hat einen Grammy in der Kategorie der besten Kammermusik-Performance gewonnen. Sie erhielt die begehrte Auszeichnung für das Schubert-Album «Death & The Maiden», das sie mit dem Saint Paul Chamber Orchestra aus Minnesota eingespielt hat. Kopatchinskaja ist in Moldawien geboren und lebte mit ihrer Familie in Wien bevor sie 1998 nach in die Schweizer Bundeshauptstadt zog, um ihre musikalische Ausbildung am Konservatorium abzuschliessen. Sie ist mit dem ehemaligen Nationalrat der Grünen Lukas Fierz, mit dem sie eine Tochter hat.

Die Weltklasse-Geigerin hat im letzten Jahr auch den Grand Prix Schweiz gewonnen, den bedeutendsten Schweizer Musikpreis. Kopatchinskaja war vor sechs Jahren schon einmal für einen Grammy nominiert. Damals in der Kategorie für das beste klassische Instrumentalsolo für ihr Album mit Werken von Bela Bartok, Peter Eötvös und György Ligeti. Zusammen mit dem deutschen Ensemble Modern und dem Sinfonieorchester des Hessischen Rundfunks ging sie damals leer aus. «Die Preise gehen doch fast immer in die USA. Vielleicht haben wir diesmal mehr Chancen, weil es ein amerikanisches Orchester ist», sagte Kopatchinskaja vor der Verleihung dieser Zeitung in einem Interview. Sie sollte recht behalten.

Erst der vierte Grammy für die Schweiz

Das Nachsehen hatte denn auch die argentinisch-schweizerische Pianistin Marthe Argerich, die in derselben Kategorie mit ihrem Album «Martha Argerich & Friends - Live from Lugano». Das Gross-Projekt aus Anlass des 75. Geburtstags von Argerich mit Werken von Maurice Ravel, Ferrucio Busoni, Ludwig van Beethoven, Johannes Brahms, Wolfgang Amadeus Mozart und anderen, wurde mit dem Orchestra della Svizzera Italiana und dem Orchestra e Coro della Svizzera italiana aufgenommen.

Zu den Verlierern gehört auch das Orchester Chuck Owen & The Jazz Surge, das mit dem Genfer Mundharmonika-Spieler Grégoire Maret als Gastsolisten, viermal nominiert war und jetzt wieder leer ausging.

Schweizer haben es bei den amerikanischen Grammy Awards schwer. Der Harfinist Andreas Vollenweider (1987), der Produzent und Musik-Ethnologe Marcel Cellier (1990) sowie der umstrittene Produzent Al Walser (2016) waren bislang die einzigen Schweizer, die zu Grammy-Ehren kamen. Nominationen sind ebenso dünn gesät, nehmen in den letzten Jahren aber doch zu. Im letzten Jahr war es das Basler Barockorchester La Cetra mit der Sängerin Magdalena Kožená in der Kategorie Best Classical Solo Vocal Album sowie die Schweizer Soundengineers Ben Mühlethaler und Jamie Lewis für ihre Arbeit mit Prince.

Trostpflaster für Kendrick Lamar

Grosser Sieger der 60. Grammy-Verleihungen ist Bruno Mars. Gewann er doch sechs Grammies und drei der vier Hauptkategorien. Ausgezeichnet wurde er für sein Album und den gleichnamigen Titel «24K Magic», dazu «That’s What I Like» zum Song des Jahres gewählt. Damit setzte sich die Pop-Fraktion erneut gegen die Hip-Hop-Fraktion durch, die es bei den Grammy-Awards historischerweise schwer hat. Rapper Kendrick Lamar gewann zwar auch fünf Grammys, aber nur in Nebenkategorien. In 60 Jahren Grammys sind nur zwei Hip-Hop-Platten als Album des Jahres ausgezeichnet worden. Eine regelrechte Ohrfeige setzte es für Jay-Z ab. Mit acht Nominierungen ging er als Topfavorit ins Grammy-Rennen und ging komplett leer aus. Pikant: Jay-Z hatte die Veranstaltung aus Protest gegen die Benachteiligung des Hip-Hop jahrlang boykottiert. «Dort muss ich sein», sagte er noch am Vorabend erwartungsfroh.