Kacey Mottet Klein

Schweizer Schauspieler wird in Berlinale-Film zum Dschihadisten

Trügerische Freude: Catherine Deneuve und Kacey Mottet Klein im Berlinale-Film «L’adieu à la nuit».

Trügerische Freude: Catherine Deneuve und Kacey Mottet Klein im Berlinale-Film «L’adieu à la nuit».

Im Spielfilm «L’adieu à la nuit» spielt Kacey Mottet Klein an der Seite von Catherine Deneuve einen jungen Mann, der sich radikalisiert. Im Interview verrät der 20-jährige Schauspieler aus Lausanne, warum auch er sich einst konvertieren liess.

Er überrascht immer wieder aufs Neue. Dabei ist längst klar, dass Kacey Mottet Klein nicht mehr der süsse kleine Knirps ist, den er 2009 im Schweizer Erfolgsfilm «Home» gespielt hat.

Inzwischen ist der hochbegabte Schauspieler aus Lausanne 20 Jahre alt und auf dunkle, unbequeme Rollen spezialisiert. Im Spielfilm «Journal de ma tête» etwa war er kürzlich als junger Mann zu sehen gewesen, der seine eigenen Eltern ermordert.

Nicht minder aufsehenerregend ist Mottet Kleins neueste Rolle: Im französischen Filmdrama «L’adieu à la nuit», das am Dienstagabend an den Internationalen Filmfestspielen in Berlin uraufgeführt wurde, spielt er Alex, einen jungen Franzosen, der sich radikalisiert hat und in den Dschihad ziehen will.

Filmausschnitt: Kacey Mottet Klein und Catherine Deneuve als Alex und Muriel in «L'adieu à la nuit».

Die einzige Person, die ihn davon abbringen könnte, ist Alex’ Grossmutter, gespielt von Catherine Deneuve.

Mit 13 zum Islam konvertiert

Beim Interviewtermin in Berlin macht der Schweizer Schauspieler ein überraschendes Geständnis: «Als ich etwa 13 Jahre alt war, lernte ich einen Franzosen kennen, der sich radikalisiert hatte. Ich liess mich damals ebenfalls zum Islam konvertieren. Denn ich hatte zu dieser Zeit viele muslimische Freunde und war von ihrer Religion und Kultur fasziniert.»

Mottet Klein hörte auf zu rauchen und zu trinken und besuchte eine Moschee. Doch nach zwei Tagen sei ihm klar geworden, dass sich das Ganze nur schlecht mit seinem Lebensstil verträgt.

«Der Islam fordert von dir, dich radikal zu verändern. Ich aber wollte Dinge tun, die man als Teenager eben tut. Ich wollte rauchen und trinken und mein materielles Leben leben.»

«Er fühlt sich verloren, so wie viele andere junge Menschen auch», sagt Kacey Mottet Klein über seine Filmfigur.

«Er fühlt sich verloren, so wie viele andere junge Menschen auch», sagt Kacey Mottet Klein über seine Filmfigur.

Der Film, inszeniert vom französischen Regieveteranen André Téchiné, stellt die beiden Welten einander direkt gegenüber: Während Alex’ Familie, die eine Reitschule in Südfrankreich betreibt, ausgelassen zu amerikanischen Popsongs tanzt, nimmt Alex ein paar Kilometer davon entfernt an einer geheimen Hasspredigt teil.

«Er fühlt sich verloren, so wie viele andere junge Menschen auch», sagt Mottet Klein über seine Filmfigur. «Er fühlt sich zu den Islamisten hingezogen, denn in seinen Augen repräsentieren sie etwas Starkes und Mächtiges.»

Starkes Leinwandduo

«L’adieu à la nuit», der im Berlinale-Wettbewerb ausser Konkurrenz läuft, schafft es zwar nicht, der Radikalismus-Debatte grosse neue Erkenntnisse abzugewinnen. Sehenswert ist der Film aber trotzdem – und zwar wegen seiner starken Darsteller.

«Normalerweise nähere ich mich meiner Filmfigur immer über seine Emotionen und über mögliche Überschneidungen mit meinem eigenen Leben», sagt Mottet Klein. «Doch bei diesem Film war das fast unmöglich. Alex und ich sind komplett verschiedene Menschen.»

Catherine Deneuve und Regisseur André Téchiné an der Berlinale.

Catherine Deneuve und Regisseur André Téchiné an der Berlinale.

Alex schottet sich von seinem Umfeld zunehmend ab. Einzig seine Grossmutter lässt er hin und wieder an sich heran. Die Szenen zwischen Mottet Klein und Catherine Deneuve sind die besten des Films. Der Schweizer Jungdarsteller zeigt keine falsche Ehrfurcht vor der französischen Leinwandikone.

Alex ist hin und her gerissen. Er weist seine Grossmutter immer wieder schroff ab, doch ihn plagen deswegen auch Gewissensbisse. Mottet Klein macht diesen Gefühlswirbel alleine mit seiner Körperhaltung und seinem ausdrucksstarken Gesicht spürbar. «Wenn du mit Catherine Deneuve spielst, kommt das wie von alleine», sagt der Darsteller.

Die Rolle sei zwar sehr intensiv gewesen, doch Mottet Klein hatte keine Schwierigkeiten damit, nach Drehschluss abzuschalten. «Ich bin definitiv nicht wie Jim Carrey, der auch dann voll in seiner Rolle bleibt, wenn die Kamera nicht läuft. Wenn ich abends nach Hause gehe, kehre ich zu meinem normalen Leben zurück.»

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