Schweizer Openairs
Die Maske fällt, aber für einige Festivals kommen die Lockerungen zu spät: «Für uns bedeuten die Öffnungsschritte nicht viel»

Der Festivalsommer beginnt Ende August mit einer geballten Ladung an Openairs. Für Kapazitätserhöhungen reicht die Zeit nicht.

Stefan Künzli
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Arlo Parks singt auf der Seebühne in Montreux.

Arlo Parks singt auf der Seebühne in Montreux.

Ian West / Getty

Die meisten grossen Sommerfestivals wie das St. Gallen Open Air, das Paléo Festival Nyon, das Gurten Festival, Moon & Stars Locarno, das Blue Balls Festival Luzern und das Open Air Frauenfeld sind längst abgesagt worden. So kurzfristig haben die bundesrätlichen Erleichterungen und Öffnungen aufgrund der langen Vorlaufzeit also kaum einen Einfluss auf den Festivalsommer 2021.

Gut beraten waren das Jazz Festival Montreux und das Festival da Jazz St. Moritz, die beide schon früh auf eine Lightversion umschalteten, die den Sicherheitsbestimmungen der Pandemie Rechnung trug. Deshalb sagt Christian Jott Jenny vom Festival da Jazz in St. Moritz:

«Für uns bedeuten die Öffnungsschritte nicht viel.»

Für ihn haben die Schritte in erster Linie «eine psychologische Wirkung für das Publikum». Es bedeutet eine Erleichterung und einen Schritt zurück in die Normalität. Das Festival setzt deshalb auf das Covid-Zertifikat, um die Maskenpflicht auch bei Inhouse-Konzerten abzuschaffen. Beim Kanton hat das Festival einen diesbezüglichen Antrag gestellt.

Die Bauarbeiten an der Freiluftbühne in Montreux.

Die Bauarbeiten an der Freiluftbühne in Montreux.

Laurent Darbellay / KEYSTONE

Das Montreux Jazz Festival hat sich auch früh auf die Corona-Bedingungen eingestellt und unter dem Motto «Small is beautiful» eine Freiluftbühne auf dem See gebaut. Die Lightversion erlaubt aber auch relativ schnelle Anpassungen an die Covid-Vorschriften.

Am kommenden Montag wird Montreux über den Gesundheitsschutz während der Veranstaltung, die Zugangsbedingungen zum Festival und zu den öffentlichen Bereichen der Stadt Montreux informieren. Erleichterungen werden insbesondere bei den Gratisveranstaltungen erwartet.

Eine geballte Ladung Festivals ab August

«77 Bombay Street» am Open Air in Gampel in 2016.

«77 Bombay Street» am Open Air in Gampel in 2016.

Manuel Lopez / KEYSTONE

Der Schweizer Festivalsommer beginnt erst Mitte August so richtig: Die grossen Open Airs in Gampel (19.-22. Aug) und Zürich gehen fast gleichzeitig über die Bühne. Gampel kündigt die erste schweizweite Grossveranstaltung mit Free Camping an. Das Zürich Open Air findet an zwei aufeinanderfolgenden Wochenenden statt.

Im September folgen Summerdays Arbon, Seaside Festival Spiez (beide 2./3. Sept) sowie die Alternativ-Veranstaltungen des Open Airs Frauenfeld (14. bis 18. September) sowie das Heitere Open Air (10.-12. Sept). Wie bei allen Veranstaltungen über 1000 Zuschauer ist das Covid-Zertifikat Bedingung für die Durchführung ohne Maskenpflicht.

Es sind noch nicht alle Programme bekannt und theoretisch könnten jetzt die Kapazitäten noch ausgeweitet werden. Christoph Bill vom Verband der Grossveranstalter SMPA ist aber skeptisch. Aus seiner Sicht ist die Situation immer noch zu unsicher.

«Die Bewilligungen können ja jederzeit wieder entzogen werden und der finanzielle Schutzschirm greift erst in den wenigsten Kantonen.»

Dazu gestaltet sich die Programmierung nicht ganz einfach. Internationale Topacts sind so kurzfristig kaum verfügbar. Fraglich ist für ihn auch, ob die Zuschauer in Scharen kommen werden. Für sein Heitere Open Air samt Magic Night und VolksSchlager Festival im September baut er deshalb auf ein skalierbares System für maximal 6000 Zuschauer.