Die hübsche Brunette mit den neckischen Grübchen in den Wangen ist mauritischer Abstammung und kommt aus einer musikalischen Familie. Schon als Kind spielte sie Piano und komponierte mit neun Jahren ihre ersten Songs. Ihr musikalisches Talent wurde früh gefördert, sie sang auch schon im rumänischen Fernsehen, wo sie einen Wettbewerb gewann.

Im Finale der Schweizer Ausscheidung am Samstagabend in Kreuzlingen wurde sie in einem Wahlverfahren mit Publikumsvoting und einer Expertenjury gewählt, obwohl ihre Stimme manchmal etwas wackelte. Sie setzte sich mit ihrem selbstkomponierten, dunklen und dramatisch klingenden Song «Time To Shine» gegen fünf Konkurrenten durch, unter anderen gegen die Berner Multikulti-Band Timebelle (leider) und «The Voice Of Switzerland»-Siegerin Tiziana (zum Glück). Mélanie René tritt am Eurovision Song Contest in Wien im zweiten Halbfinal, am 21. Mai, auf.

Frau René, was bedeutet es Ihnen, die Schweiz am Eurovision Song Contest zu vertreten ?

Mélanie René: Es ist für mich eine grosse Ehre, die Schweiz, das Land meines Herzens, in Wien zu vertreten. Ich bin so glücklich.

Ihre Eltern kommen aus Mauritius. Sind Sie Schweizerin?

Ich bin in Genf geboren, zog dann mit meinen Eltern nach Frankreich. Als ich 13 Jahre alt war, kehrten wir zurück in die Schweiz, wo ich in Nyon die Musikschule besuchte. Auf dem Papier bin ich es noch nicht, aber ich fühle wie eine Schweizerin. Mein Herz ist schweizerisch.

Mauritius erinnert mich an Sonne, glückliche Menschen und fröhliche Songs. «Time To Shine» ist aber ein dunkler, melancholischer Song. Wie geht das zusammen?

Ich bin mit Sega, dieser fröhlichen Popmusik aus Mauritius, aufgewachsen. Im Laufe der Jahre haben mich auch noch andere Stile inspiriert, aber ich bin keine Drama-Queen geworden. Im Gegenteil: Ich versuche Dramas zu vermeiden. «Time To Shine» ist vom Album «Alive» der britischen Sängerin Jessie J beeinflusst.

Was ist die Botschaft des Songs?

Es ist ein sehr persönlicher Song. Als Kind war ich sehr scheu, introvertiert und hatte Angst, was andere Leute über mich denken. Der Song beschreibt den Moment in meinem Leben, in dem ich Selbstvertrauen gewann, die Angst besiegte und mir meiner Fähigkeiten und Möglichkeiten bewusst wurde. Diese Erkenntnis hat mir ein Gefühl von Leichtigkeit und Freiheit gegeben. Dieses Gefühl möchte ich mit dem Song transportieren. Es ist also ein sehr positives Lied.

Mélanie René - « Time to Shine »

Mélanie René - « Time to Shine »

Haben Sie noch andere Songs komponiert?

Ja, ich arbeite zurzeit an einem Album, das im Frühling erscheinen soll. Ein Popalbum mit Einflüssen von R’n’B, elektronischen Sounds und Rock. Melancholische, aber auch fröhliche Songs.

Ihre Genfer Konkurrentin Licia Chery versprach, Schweizerdeutsch zu lernen, wenn sie gewählt würde. Wie halten Sie es mit dem Schweizerdeutsch?

Ich werde es lernen. Bis jetzt kann ich erst einen Satz sagen: «Isch bin fröh, hier zu sein.»

Sie haben schon einmal einen internationalen Wettbewerb gewonnen.

Ja, 2009 habe ich an einem internationalen Wettbewerb des George Grigoriu Festivals in Rumänien teilgenommen. Ich habe schon dort die Schweiz vertreten und gewonnen. Es war meine bisher grösste Erfahrung.

Glauben Sie, dass Sie auch in Wien gewinnen können?

Jene Songs, die ich schon gehört habe, sind auf einem sehr hohen Level. Es fällt mir deshalb schwer, meine eigenen Chancen zu beurteilen. Aber ich verspreche, dass ich hart arbeiten und für die Schweiz mein Bestes geben werde.