Die Handlung des Videogames «School Shooter: North American Tour 2012» ist schnell erklärt: Ein verärgerter Student will sich an seinen Mitschülern rächen. Nach dem Vorbild diverser Schulamokläufer ist für ihn klar: Er möchte der beste Schul-Amokläufer aller Zeiten werden.

Der Spieler streift also durch das Schulareal mit dem Ziel möglichst viele Studentinnen und Studenten abzuknallen. Jeder Mord gibt Punkte. Besondere Grausamkeit wird durch Extrapunkte belohnt. Und: Am Schluss des Spiels schiesst man sich selbst in den Kopf.

Eines der wenigen Killergames, das selbst Spieler schockiert

Es ist nicht das erste Killergame, das auf dem Markt ist - aber eines der wenigen, das auch die Gamer-Welt schockt. In verschiedenen Online-Kommentaren weisen diese darauf hin, dass «School Shooter» die Grenzen eines Unterhaltungsspiels klar übertritt.

«Selbst wir als ‹Killerspieler› dürften uns einig sein, dass ein Game mit dem Thema Schul-Amoklauf ohne jede Diskussion in die Kategorie ‹absolut geschmacklos› einzuordnen ist», schreibt «areagames.de». Wer sich anschicke, ein hochsensibles Thema mit einem so brisanten Setting als Videospiel umzusetzen, disqualifiziere sich mit einer solch sträflich simplen Herangehensweise von vornherein selbst.

Die Gamer-Seite «The Escapist» befürchtet sogar, dass das Game psychisch kranke Täter zur Nachahmung motivieren könnte. Zudem sei es Pietätlos gegenüber Angehörigen der Opfer von Winnenden, Erfurt oder Columbine.

«Scheinheilige Empörung»

Die Vereinigung gegen mediale Gewalt (VGMG) in der Schweiz bezeichnet die Empörung der Gamer-Szene allerdings als «scheinheilig». «Ob sich die Brutalität gegen Schüler oder gegen unbekannte Gegner auf der Strasse richtet, ändert nichts am Leiden der Opfer», schreibt die VGMG heute in einer Mitteilung.

Die Gamer müssten sich über alle Killergames empören, denn Angehörige von Menschen, welche auf der Strasse mit Baseballschlägern erschlagen oder von Terroristen erschossen werden, würden ebenso leiden. (jep)