Filmregisseur

Schamlos und alles nur geklaut? Rolf Lyssy soll sich schon für «Die letzte Pointe» bedient haben

Rolf Lyssy (Mitte) an der Eröffnung des Zurich Film Festival zusammen mit Direktor Christian Jungen.

Rolf Lyssy (Mitte) an der Eröffnung des Zurich Film Festival zusammen mit Direktor Christian Jungen.

Heute wird der Schweizer Altmeister der Komödie am Zürcher Filmfestival für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Ausgerechnet jetzt kochen Vorwürfe hoch, für seine Filme hätte er sich unfairerweise bei den Werken anderer Filmemacher bedient.

Für Rolf Lyssy, 84, ist heute ein grosser Tag. Seine jüngste Komödie «Eden für jeden» hat am Abend am Zurich Film Festival Premiere. Zu diesem Anlass überreicht ihm das Festival ein «Goldenes Auge», eine Auszeichnung für sein Lebenswerk.

Just nun kochen Vorwürfe hoch, der Altmeister der Schweizer Filmkomödien («Schweizermacher») verstosse gegen Urheberrechte anderer Filmemacher. Gestern erhob der Berner Filmemacher Mano Khalil Vorwürfe in der «Sonntagszeitung». «Eden für jeden» sei eine Kopie seines Dokumentarfilmes von 2010 «Unser Garten Eden».

Zwar sei er damals kontaktiert worden, er fühlte sich jedoch übergangen und sagte nur ja, weil der nicht «Spielverderber sein wollte».

Auch «Die letzte Pointe» nur ein Abklatsch

Auf Twitter meldeten sich andere Kunstschaffenden zu Wort. Zuvorderst Regisseurin und Drehbuchautorin Güzin Kar, die Lyssys Verhalten als «enttäuschend» taxierte.

Offenbar handelt es sich bei «Eden für jeden» nicht um einen Einzelfall. Der Zürcher Satiriker Patrick Frey doppelte in einem Tweet nach, Lyssys Drehbuchautor Dominik Bernet habe sich bereits für Lyssys zweitjüngsten Film «Die letzte Pointe» unzulässig bedient.

Das schrieb Patrick Frey in einer Reaktion auf einen weiteren Tweet von Güzin Kar.

Die Vorlage, die Frey nennt: das Drehbuch eines nie umgesetzten Dokumentarfilms mit dem Namen «Exit Retour» von Katja Früh. Aus dem Dok wurde zwar nichts, doch Frey und Früh realisierten 2017 zusammen die gleichnamige Theaterkomödie am Casinotheater Winterthur.

Hier der Trailer zum erwähnten Film «Die letzte Pointe» von 2017:

Wegen «Eden für jeden» ist ein Anwalt eingeschaltet worden

Patrick Frey nennt das «schamlos». Harte Worte in der kleinen Schweizer Filmszene, in der jeden jeder kennt. Weder Frey noch Drehbuchautorin Früh reagierten bisher auf Anfragen von CH Media. Filmemacher Mano Khalil nahm zwar das Telefon entgegen, verwies in der Sache aber auf seinen Anwalt. Dieser wiederum ist wegen eines privaten Termins nicht erreichbar, wie es in der entsprechenden Berner Kanzlei heisst.

Die angegriffenen Rolf Lyssy und sein Drehbuchautor Dominik Bernet, der übrigens auch «Eden für jeden» schrieb, reagierten auf Anfragen von CH Media nicht.

Und hier geht es zu den Trailern von «Eden für jeden» und «Unser Garten Eden»:

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1