Es mag an der schlechten Telefonverbindung nach Paris liegen, dass Sarah McKenzie auf die unterschiedlichsten Fragen die immer gleiche Antwort gibt: Sie liebe den Jazz und spiele diese Musik aus tiefster Seele, sie wolle den Menschen Freude bereiten – gerade in diesen unruhigen Zeiten. Doch nach einer knappen halben Stunde und etlichen elegant umschifften Nachfragen beschleicht einen das Gefühl, dass die 30-jährige Australierin auch im Privaten genau das ist, was sie auf der Bühne verkörpert: eine durch und durch nette junge Frau mit einer unverrückbar positiven Einstellung zum Leben.


Daran ist freilich nichts auszusetzen, und der Erfolg gibt dem Jungstar des Jazz recht: Vier Alben hat McKenzie bereits veröffentlicht, wofür sie vor allem in ihrer Heimat mit Kritikerlob und namhaften Auszeichnungen eingedeckt wurde. Dass es Sie dennoch in die weite Welt hinaus gezogen hat, ist zwei Gründen zu verdanken. Zum einen absolvierte sie im amerikanischen Boston ein Studium am renommierten Berklee College of Music, ehe sie 2015 beim traditionsreichen Impulse-Label unterschrieb.

Zu wenig Leute

Zum anderen habe Australien einen grundlegenden Makel für eine auftretende Künstlerin wie sie: «Es gibt hier schlicht zu wenig Leute,» urteilt die feine Stimme am Telefon und fügt sogleich hinzu, dass das Land selber natürlich von atemberaubender Schönheit sei.

Die Schönheit ist es denn auch, die Sarah McKenzie in ihrer Musik sucht und immer wieder findet. Ihr aktuelles, vor eineinhalb Jahren erschienenes Album «Paris in the Rain» atmet den Geist gemütlicher Lounge-Klassiker wie «When In Rome» oder «Embraceable You». Neben den Stücken aus der Feder von Gerswhin oder Coleman beheimatet das Album auch fünf Eigenkompositionen der Sängerin und Pianistin – darunter das Titelstück, das McKenzie ihrer Wahlheimat Paris widmet. Zu perlenden Piano-Läufen und sanftem Swing singt sie eine einlullende Melodie. Dass die Australierin bei gemischtsprachlichen Zeilen wie «toutes les belles étoiles hid in the clouds that night» oder «I heard raindrops on the roof tops du côté de la Rue de la Paix» ein kurios gefärbtes Französisch an den Tag legt, mag man charmant finden.

Sarah McKenzie "Paris in the Rain"


Etwas weniger Traditionsbewusstsein und etwas mehr eigene Handschrift hätte dem Stück jedoch gutgetan. Es sei ihr aber wichtig, so McKenzie, dass man ihrer Musik anhöre, dass sie ihre Hausaufgaben gemacht und die grossen Vorbilder verinnerlicht habe.


Millionentraum


Dass man sie gerne mit Diana Krall vergleiche, empfindet sie als schmeichelnd und absurd zugleich. Es gebe halt bloss eine Handvoll weiblicher Jazz-Pianisten, die auch singen – und zudem noch blond seien, wie sie lachend anfügt. Schliesslich vergleiche man ja auch nicht zwangsläufig alle männlichen Saxofonisten mit braunen Haaren. Krall sei grossartig, sie sei jedoch stärker beeinflusst von Shirley Horn und Oscar Peterson, dessen Musik in ihr die Liebe zum Jazz entfachte.


Fragt man nach der in ihren Ohren besten Stimme im Jazz, hat Sarah McKenzie eine flinke Antwort parat: «Die beste Stimme ist immer die eigene,» sagt sie und führt aus, dass es im Jazz – anders etwa als in der Oper – stets darum gehe, mit derselben Stimme zu singen, mit der man spricht. Nachdem sie sich im vergangenen Sommer ihren Traum erfüllt hat, am Montreux Jazz Festival zu spielen, sei ihr neuer grosser Traum, die beste Sarah McKenzie zu werden, die sie sein könne. Daneben wolle sie eine Million Alben verkaufen und an den Festivals Newport und Monterey auftreten.

Vorerst kommt die 30-Jährige aber nach Saint-Louis, wo sie mit ihrer Band am Sonntag den Prolog zum diesjährigen Stimmen Festival bestreitet. Der trinationale Konzertreigen feiert dann am 17.Juli mit dem deutschen Jazz- und Soulsänger und -trompeter Jeff Cascaro im Burghof Lörrach seine offizielle Eröffnung. In Saint-Louis wird sich zeigen, ob Sarah McKenzie als Liveact bereits über eine Zugkraft verfügt. Die Vorzeichen stehen jedenfalls gut: Ihr Bossa-Nova-Song «Quoi, Quoi, Quoi» hat 2014 die französischen Download-Charts angeführt.


Sarah McKenzie, Sonntag, 8.Juli, 19 Uhr. Théâtre La Coupole. Saint-Louis.