Musik

Sam Fender will nicht bloss ein tanzendes Musik-Äffchen sein

Sam Fender am 13. Juli in Glasgow.

Sam Fender am 13. Juli in Glasgow.

Der britische Singer/Songwriter Sam Fender stürmt mit seinem ersten Album Hypersonic Missiles gleich die Spitze der Charts in Grossbritannien. Ein wunderbar rauhes Album.

Endlich mal wieder ein englischer Singer/Songwriter, dessen Stücke ein bisschen nach Indie-Rock und angenehm widerborstig klingen, dessen Stimme schön raspelt und dessen Kanten von der Musikindustrie noch nicht rundgeschliffen wurden: Sam Fender, 25, geboren und wohnhaft bei Newcastle, sorgt mit seinem Debütalbum «Hypersonic Missiles» jedenfalls für eine kräftige frische Brise.

Sein Album hat gerade souverän die Spitze der Charts in Grossbritannien erstürmt. Die Mehrheit der massentauglichen Kolleginnen und Kollegen singt traurige Liebeslyrik über Beziehungen, die man im Zweifelsfall selbst in den Sand gesetzt hat. Fender setzt andere Schwerpunkte.

«Mum ist mein bester Kumpel»

North Shields ist kein besonderer Ort, eher ein wenig heruntergekommen. Sam Fender lebt hier noch immer, er wohnt bei seiner Mutter, und wenn er nicht gerade tourt, macht er abends für beide was zu essen. «Eine eigene Bude wäre im Moment nur lustig. Natürlich will ich nicht ewig bei Mum leben, aber sie ist ein wirklich witziger Mensch und mein bester Kumpel.»

Nach der Scheidung seiner Eltern, Sam Fender ist acht, bekommt er eine Gitarre geschenkt und fängt an, sich für Musik zu begeistern. «Ich bin nach der Schule oft sofort in mein Zimmer gegangen, um zu üben. Oft schlief ich noch in Schuluniform und mit der Gitarre auf dem Bauch abends ein.»

Mit 13 Jahren schrieb er seine ersten Songs, mit 14 war er in einer Band. Mit einer Karriere rechnete er jedoch nicht: «Ich wollte nur vom Musikmachen leben können.» Mit 18 dann traf er seinen späteren Manager. «Er landete zufällig in dem Pub in North Shields, in dem ich an der Bar arbeitete und immer abhing. Ich spielte ihm dort etwas vor, und er nahm mich kurz darauf unter Vertrag.»

«Als Musiker kannst Du positiven Einfluss haben»

Sam Fender, der kurzzeitig Englische Literatur studierte, erhielt Anfang des Jahres den bedeutenden Brits Critic’s Choice Award. Seinem ersten Album wurde seit Monaten von Publikum und Medien entgegengefiebert. Enttäuscht dürfte niemand sein von «Hypersonic Missiles», Sam Fender gelingt es, zu griffigen Melodien über relevante Themen zu singen.

In «Play God» etwa geht er kritisch mit Allmachtsfantasten aus Technik und Medizin ins Gericht, «White Privilege» hinterfragt die eigene Bevorzugung nur aufgrund der Hautfarbe, zu «Dead Boys» inspirierte Sam der Selbstmord eines Freundes. «Dieses Lied ist zu einer Hymne gegen mentale Krisen geworden, was ich sehr schön finde», sagt er. «Die Resonanz auf «Dead Boys» hat mir vor Augen geführt, dass du als Musiker positiven Einfluss haben und mehr sein kannst als nur ein tanzendes Äffchen.»

Sam Fender: «Hypersonic Missiles»

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Autor

Hansruedi Kugler

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