Kunst
Rückschau eines Suchenden

Im letzten Jahr seiner Ära zeigt Kurator Christoph Vögele im Kunstmuseum Solothurn Positionen, die ihm am Herzen liegen: Allen voran eine Retrospektive zum Aargauer Künstler Claudio Moser.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Drei neue Ausstellungen im Kunstmuseum Solothurn: Hier Claudio Moser

Drei neue Ausstellungen im Kunstmuseum Solothurn: Hier Claudio Moser

Hanspeter Bärtschi / SZ

«Claudio Moser war mit dabei in meiner ersten Ausstellung ‹Die Schärfe der Unschärfe› 1998», erklärt der Kunstmuseumsleiter Christoph Vögele. So sei es eine schöne Geste, dass Moser im letzten Jahr als Kurator auch seine erste Retrospektive in Solothurn zeigen könne.

Claudio Moser (*1959) gehört zu den bedeutendsten Schweizer Künstlern der Gegenwart. Der geborene ­Aarauer wurde mehrfach mit Preisen ausgezeichnet. Dreimal sogar erhielt er das Eidgenössische Kunststipendium (1990, 1991 und 1993). Seine – vorwiegend – Foto-Arbeiten sind in Kunstin­stitutionen und Galerien überall auf der Welt zu sehen.

Das Kunstmuseum Solothurn zeigt nun Arbeiten aus den letzten 25 Jahren des Schaffens von Claudio Moser. «Und zwar folgen die Werke in den Sälen im Parterre nicht einer Chronologie; es sind die Themenkreise, die während all der Schaffensjahre den Künstler immer wieder beschäftigten.» Erst wenig zu sehen war Mosers Malerei und auch seine plastischen Arbeiten, die jetzt zusammen mit seinen Foto- und Filmarbeiten vereint sind. «Alles ist mit allem verbunden» könnte man seine Arbeiten auch übertiteln. «Moser ist ein Suchender, ein Wanderer. Er sammelt und fotografiert Eindrücke. Immer führt ihn sein untrügliches Gespür für das Licht und den zunächst unscheinbaren Moment», erläutert Vögele beim Rundgang.

Unvergesslich für einen Betrachter ist Mosers ästhetisches Empfinden für die Natur, die Architektur, aber auch für Un-Orte. Der Mensch spielt eine untergeordnete Rolle in seinen Arbeiten, auch wenn es letztlich die von ihm geschaffene Umwelt ist, die den Fotografen Moser interessiert.

Moser führt in kurzen Videos in heimliche Welten.

Moser führt in kurzen Videos in heimliche Welten.

Hanspeter Bärtschi / SZ

Der Film, das Video nimmt beim Künstler einen wichtigen Raum ein. Er filmt kurze Sequenzen, in denen eigentlich nicht viel geschieht – dennoch verweilt man als Betrachter, beobachtet und hofft, etwas Aussergewöhnliches zu sehen. Denn Moser betrachtet aus einem ungewöhnlichen Blickwinkel. Wie aus einem Versteck heraus, aus dem Unterholz oder aus der Hüfte geschossen.

Mosers Malerei ist von seiner schweren Krebserkrankung – die er besiegen konnte – geprägt. «Als er in Therapie war, malte er, da er nicht reisen konnte», weiss Vögele. Und so ist diese Malerei von einem schweren Kloss bestimmt, von satten Farbstreifen und Farbverläufen. Seit jüngerer Zeit ist bei Claudio Moser auch die Beziehung zu seiner Frau wiederkehrendes Thema seiner künstlerischen Auseinandersetzung. Vor allem die Arbeit «elle et moi», die er eigens für Solothurn geschaffen hat, bringt einen bleibenden Eindruck: Auf zwei gegenüberliegenden Filmleinwänden begegnen sich – von zwei Filmprojektoren abgespielt – sie und er in der Natur. Sie spazieren aufeinander zu, umarmen sich und trennen sich wieder.

Gegenseitige Inspiration und Freundschaft

Um Beziehungen geht es auch in der zweiten Ausstellung, die Christoph Vögele aktuell zeigt. So begegnet man im Grafischen Kabinett den Freundschaften zwischen dem Solothurner Otto Morach (1887–1973) und dem Basler Fritz Cäsar Baumann (1886–1942) sowie zwischen Morach und der Zürcherin Johanna Fülscher (1893–1978).

Postkartenwechsel zwischen Johanna Fülscher und Otto Morach

Postkartenwechsel zwischen Johanna Fülscher und Otto Morach

Hanspeter Bärtschi / SZ

Zu sehen sind zunächst Frühwerke der beiden Freunde Baumann und Morach. 1910 begegneten sich die beiden Künstler in Paris und begannen, gegenseitig Porträts zu zeichnen und zu malen.

Überraschend dann die weitere Künstlerfreundschaft Morachs: Er und Fülscher engagierten sich in der Gruppe «Das neue Leben» und begannen sich darüber im Mai 1918 Postkarten zu schreiben, die beide zudem illustrierten. Die Künstlerfreundschaften geben Einblick ins private Leben, aber auch in künstlerische Entwicklungen.

Es war «Krieg und (falscher) Frieden»

Die dritte neu eröffnete Ausstellung im 1. Stock des Hauses setzt sich aus Werken aus der Sammlung des Kunstmuseums Solothurn zusammen, die alle in der Kriegszeit zwischen 1939 und 1945 entstanden sind. Viele Exponate stammen aus den ehemaligen Sammlungen von Gertrud Dübi-Müller, Josef Müller und Walter Schnyder.

Die Sammlungsausstellung im 1. Stock: «Krieg und (falscher) Frieden»

Die Sammlungsausstellung im 1. Stock: «Krieg und (falscher) Frieden»

Hanspeter Bärtschi / SZ

Inhaltlich spiegeln die Werke die Widersprüche der Zeit. Barrauds mythologisch verklärte Badeszenen mit Schwänen dem düsteren realen Alltag gegenüber, der die Bevölkerung beschäftigte. Ein Meisterwerk dieser Zeit ist Max Gublers Figurenbild «Grosses Interieur bei Nacht», das drei Menschen eingesperrt in einem abgedunkelten Raum zeigt. Dieses beengte Eingesperrt-Sein ist auch heute wieder sehr bekannt.

Kunstmuseum Solothurn: Alle Ausstellungen ab 2. März bis 24. Mai 2021.

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