Oldies
Rolling Stones dominieren Rock-Szene seit Jahrzehnten – wo zum Kuckuck sind die Jungen?

Rockmusik war mal eine Jugendrevolte. Doch Oldies wie die Rolling Stones dominieren die Szene seit Jahrzehnten. Etwas muss da falsch gelaufen sein.

Stefan Künzli
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The Rolling Stones, die rüstige Rentnerband: Charlie Watts (76), Keith Richards (73), Mick Jagger (74) und Ron Wood (70).

The Rolling Stones, die rüstige Rentnerband: Charlie Watts (76), Keith Richards (73), Mick Jagger (74) und Ron Wood (70).

HO

Erinnern Sie sich? Rockmusik war mal eine Jugendrevolte! Ein Aufstand gegen die Konventionen der Elterngeneration. Eine Rebellion, die im Kampfschrei von The Who gipfelte: «I hope I die, before I get old.»

Das Konzeptalbum «Too Old To Rock’n’Roll: Too Young To Die» von Jethro Tull über einen alternden Rockmusiker löste 1976 erstmals eine Debatte um das passende Alter aus. Wie lang darf ein Rockmusiker rocken? Wem gehört die Rockmusik? Viele Jahre und Jahrzehnte sind seither vergangen, doch die Helden von einst stehen immer noch auf der Bühne. Rock’n’Roll ist längst etabliert, hat längst seine revolutionäre Kraft verloren. Er gehört nicht mehr der Jugend, er gehört allen.

Wenn die Rolling Stones, alle zwischen 70 und 76 Jahre alt, heute das Letzistadion rocken, wird die Frage nach dem Alter wieder einmal diskutiert. Es ist die falsche Frage. Die richtige lautet: Wo sind die Jungen? Wo sind die jungen Musiker, die den alten Säcken in den Arsch treten wollen und ihnen die Vorherrschaft streitig machen? Wo sind die aufstrebenden Bands, die Jagger & Co. vom Thron stossen wollen?

Akutes Nachwuchsproblem

Es sind ja nicht nur die Stones. Die Oldies haben auch in diesem Jahr die grossen Konzerte dominiert: Deep Purple, im Mai die Arena in Genf, tingeln schon lange als Rentnerband durch die Lande. Als rüstiger 72-Jähriger präsentierte sich auch John Fogerty am Rock the Ring in Hinwil, der 77-jährige Tiger Tom Jones zeigte Montreux seine Krallen, und die Konzerte des 75-jährigen Brian Wilson und der 69-jährigen Grace Jones wurden zu überraschenden Höhepunkten des Festivals. Aber auch Steven Tyler (70) von Aerosmith beglückte das Hallenstadion mit «old shit», wie er es selbst nannte. Nicht viel jünger sind Sting (66) und Zucchero (62). Sie waren ebenso sichere Publikumsmagnete wie die 55-jährigen Axl Rose (Guns’n’Roses), Campino (Tote Hosen), Dave Gahan (Depeche Mode), Anthony Kiddis und Flea (Red Hot Chili Peppers). Und ja, Robbie Williams ist auch schon 43.

Und die Jungen? Fehlanzeige! Der 23-jährige Justin Bieber ist der Einzige der unter 40-Jährigen, der in diesem Sommer die Massen in die Stadien locken konnte. Der Teenieschwarm ist der einzige Vertreter einer jüngeren Generation, du meine Güte! Was zum Kuckuck ist mit den jungen Rock- und Popmusikern los?

The Rolling Stones
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Die Rolling Stones
Schlagzeuger Charlie Watts
Mick Jagger - Sänger und Mundharmonikaspieler
Mick Jagger
Gitarist und Orginal Keith Richards
Gitarist Ron Wood

The Rolling Stones

Getty Images

Dabei dürstet das Pop- und Rockbusiness nach neuen Helden und Heldinnen. Doch schon seit Jahren stossen kaum junge Bands und Musiker mehr nach, die das Potenzial haben, Stadien zu füllen. Die alten Helden sterben weg, gehen in Rente oder treten kürzer, und es rücken zu wenige nach. Der brave Ed Sheeran, der immerhin den Durst der Massen nach Melodien und Songs stillt, ist da nur die grosse Ausnahme, die die Regel bestätigt. Pop und Rock haben auf der höchsten Ebene ein akutes Nachwuchsproblem.

Dabei machen es die alten Bands den Jungen eigentlich denkbar einfach. Neues kommt von ihnen nicht mehr. Seit Jahren rezyklieren sie ihr eigenes Repertoire, werden zu Verwaltern des eigenen Nachlasses. Doch niemand aus der jüngeren Generation schafft es, das Vakuum mit neuen Ideen und Inhalten zu füllen. Es herrscht eine erschreckende Kreativitäts- und Innovationsarmut.

Konservative Jugend

«Die Schweiz am Wochenende» hat die «50 bedeutendsten Alben von 50 Jahre Rock- und Popgeschichte» eruiert. Das Ergebnis ist erschreckend: In den letzten zwanzig Jahren sind kaum noch Alben entstanden, die die Musik geprägt oder gar in eine neue Richtung gelenkt hätten. «Seit Mitte der Neunziger ist nichts Aufregendes mehr passiert», bestätigt auch Steven Wilson gegenüber dieser Zeitung. Der britische Prog-Rocker hat mit «To The Bone» gerade ein wunderbares Album veröffentlicht. Aber auch er wird im nächsten Jahr schon 50. Die Leute zwischen 20 und 30 nennt er «die Konservativsten» und fragt: «Was ist bloss falsch gelaufen?»

Die 50 einflussreichsten Alben
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50. Arcade Fire – Funeral (2004) Mit heiligem Ernst traf die Band den Nerv der 00er in der Folge von 9/11. Mit Chören, hysterischem Gesang und ungewöhnlichen Instrumenten lieferte sie den Sound für ein apokalyptisches Welttheater: Dramatisch, pathetisch und paranoid.
49. U2 – The Joshua Tree (1987) Dieses Album der irischen Band gilt als das beste. U2 liefern einfache, singbare Songs, die sich zu pompösen Hymnen steigern. Die Band ist eine Reaktion auf die in den 80ern vorherrschende synthetische Musik.
48. The Who – Tommy (1969) Rock wird zur Oper. The Who erzählen die Geschichte des tauben, stummen und blinden Tommy. Es war ein musikalischer Höhepunkt im Schaffen der Band. Nach dem Konzeptalbum folgten die Orchesterversion, Film und Musical.
47. Beastie Boys – License to Ill (1986) In «Licence To Ill» wurde der Geist des Punk im Kleid des Hip-Hop transportiert. Das von Rick Rubin produzierte Debüt der amerikanischen Rapper bedeutete den Durchbruch der Band wie auch des weissen Hip-Hop.
46. Ramones – Ramones (1976) Mit schnellen, einfach gestrickten Musikstücken hat die amerikanische Band vieles vorweggenommen, was danach von London aus als Punk die Welt eroberte. Das hingerotzte Debüt lieferte prototypischen Drei-Akkorde-Garagen-Rock.
45. Public Enemy – It Takes a Nation of Millions ... (1988) Das Album revolutioniert den Hip-Hop. Die Band wird mit ihren aggressiven Texten zum politischen Sprachrohr. Musikalisch ist das Album wichtig für den Hardcore-Rap und die Entstehung des Rap-Metals.
44. Celtic Frost – To Mega Therion (1985) Das einzige Schweizer Album auf dieser Liste! Es verbindet düstere Klänge mit avantgardistischen Elementen. Es beeinflusste viele extreme Metalbands und gilt als Referenzwerk für Black Metal und Death Metal.
43. AC/DC – Back in Black (1980) Als AC/DC auftauchten, war alles schon da. Die australische Band hat keinen Stil begründet, aber einen unverwechselbaren Sound geschaffen. Gerade mit «Back In Black», dem ersten Album mit Brian Johnson.
42. Amy Winehouse – Back To Black (2006) Amy Winehouse und Adele stehen für die Retro-Welle, für eine Rückbesinnung auf das Wahre und Echte. «Back To Black» war ein musikalisches Statement und Reaktion auf die Computerisierung. Der Kreis beginnt sich zu schliessen.
41. Motörhead – Overkill (1979) Lemmy Kilmister personifizierte den Geist des Rock ’n’ Roll. Mit der brachialen Musik bewegte Motörhead sich an der Schnittstelle von Hardrock, Blues und Punk. Der Einfluss auf den Heavy Metal kann nicht überschätzt werden.
40. Prince – Purple Rain (1984) Der Mann konnte einfach alles. Wie Michael Jackson vereinigte er alles in seiner Musik, bewegte er sich auf den verschiedensten Terrains. War insgesamt aber rockiger, funkiger und ungeschliffener als Michael Jackson.
39. DJ Shadows – Endtroducing (1996) «Endtroducing» war das erste Album, das nur aus Samples bestand. Aus 500 Platten aus den unterschiedlichsten Stilen bastelte er einen neuen, zeitgemässen Sound zwischen Hip-Hop, Trip-Hop und Ambient.
38. Janis Joplin – Pearl (1971) Janis Joplin war die erste wichtige weibliche Stimme der Rockkultur. Mit dem postum veröffentlichten Studioalbum und ihrem Hit «Me and Bobby McGee» wurde sie zur Symbolfigur der Hippiezeit: «Live fast, love hard, die young».
37. Metallica – Kill Em All (1983) Metallica mischten auf dem Debüt-Album Heavy Metal und Hardcore Punk: Extrem schnell, präzis und aggressiv. Zusammen mit dem von Slayer im gleichen Jahr veröffentlichten Debüt «Show No Mercy» war es die Geburt des Thrash Metal.
36. Paul Simon – Graceland (1986) Paul Simon war nicht der Erste, der sich mit Afrika befasste. Aber der Erfolgreichste. Er machte südafrikanische Musik im Westen bekannt, befeuerte den World-Music-Boom und löste eine Debatte um Aneignung nichtwestlicher Musik aus.
35. The Clash – London Calling (1979) Das Album lebte den Geist des britischen Punk, ging aber weiter und versöhnt sich mit amerikanischen Musikstilen. «London Calling» erweitert den Horizont des Punk. Eines der prägendsten Alben der 80er-Jahre.
34. Massive Attack – Blue Lines (1991) Das Album legte den Grundstein zu Trip-Hop. Elemente von Electronica, Soul und Reggae mit Hip-Hop-ähnlichen Beats wurden mit Sampling-Technik zu einem schwebenden, atmosphärischen, melancholischen Sound verdichtet.
33. Nirvana – Nevermind (1991) Achtung! Jetzt kommt Grunge. Es bedeutete die Rückkehr der harten Gitarre. Es ist die Musik der Generation X, der orientierungslosen Jugend der 90er. Nirvana prägte einen Lifestyle und leitete eine Repolitisierung der Musik ein.
32. Johnny Cash – Live At Folsom Prison (1968) Johnny Cash nach seinem Entzug. Das legendäre Konzert im Gefängnis von Folsom festigte seinen Ruf als Outlaw und Rebellen des Country und machte ihn zu einem der einflussreichsten Vertreter des Genres.
31. Madonna – Like A Prayer (1987) Madonna weiss sich in Szene zu setzen, hat aber nicht nur Sex und Skandale zu bieten. Hier bewies sie ihr musikalisches Talent. Sie etablierte sich damit als ernstzunehmende Musikerin und wurde die Queen of Pop.
30. Saturday Night Fever – Soundtrack (1977) Andere wie Nile Rodgers oder Giorgio Moroder mögen die funkige Disco-Musik früher geprägt haben. Das wirkliche Disco-Fieber brach aber erst mit dem Film mit John Travolta und dem Soundtrack von u. a. den Bee Gees aus.
29. Depeche Mode – Construction Time Again (1983) Die Synthie-Popband steht für den Sound der 80er. Mit Computer-Beats und Sampling-Technik setzten Depeche Mode Alltagsgeräusche und metallische, technoide Klänge zu Songs zusammen.
28. Grandmaster Flash –The Message (1982) Grandmaster Flash ist mit seinen Furious Five ein Pionier des Rap und Hip-Hop. Sein Song «The Message» setzt den Massstab und hat auch eine sozialkritische Botschaft. Rhythmus und Lyrics werden zum Kern des Songs.
27. Queen – A Night At the Opera (1975) Eine Liebeserklärung an die Oper. Elemente der klassischen Musik werden mit Mitteln des 20. Jahrhunderts raffiniert inszeniert. Die sechsteilige «Bohemian Rhapsody» ist ein kleines Wunderwerk. Pop-Kultur wird postmodern.
26. King Crimson – In the Court of the Crimson King (1969) Das Debütalbum der britischen Band King Crimson ist stilprägend für den Progressive Rock, der die frühen 70er-Jahre prägte. Es zeichnet sich aus durch instrumentale Virtuosität sowie formale, rhythmische und harmonische Komplexität.
25. ABBA – Arrival (1977) Perfekt, geschliffen und kompromisslos kommerziell. Pop in Vollendung. Eingängige, raffiniert gestrickte Popperlen. Damit erreicht die schwedische Band ihren Höhepunkt. Konzeptionell, marktstrategisch und klangtechnisch.
24. Stevie Wonder – Songs In The Key Of Life (1974) Stevie Wonder steckte die gesamte Geschichte der schwarzen Musik in das Doppelalbum. Es kann als Opus Magnum der afroamerikanischen Musik gedeutet werden. Musikalisch unglaublich reichhaltig. Ein Meisterwerk.
23. Kendrick Lamar – To Pimp A Butterfly (2015) Ist das noch Hip-Hop? Inhaltlich und musikalisch hockkomplex fliesst alles in eine durchkomponierte Rap-Oper. Wütende Bürgerrechts-Lyrics stellen den narrativen Zusammenhang dar. Vielleicht das letzte relevante Konzeptalbum des Pop.
22. Bob Marley – Exodus (1977) Mit «Exodus» setzte sich Reggae endgültig im Pop-Mainstream fest. Künstlerisch befindet sich Marley in der Hochblüte. Die Songs werden zu Klassikern des Genres und strahlen eine poppige Leichtigkeit aus.
21. Pink Floyd – Dark Side Of The Moon (1973) Pink Floyd erreichen mit dem Konzeptalbum den Mainstream, bleiben aber progressiv und setzten klangtechnisch neue Massstäbe. Es hat nicht nur Bands, sondern auch Literaten und Theater beeinflusst.
20. The Sex Pistols – Never Mind The Bollocks (1977) Provokativ, aggressiv und dilettantisch. Das Album löste einen Sturm aus, war Reaktion auf den ausufernden Prog-Rock. Zurück zum Einfachen, Direkten. Voll in die Fresse! Sie begründeten auch einen Kleidungsstil und Attitüde.
19. Patti Smith – Horses (1975) Mit «Heroes» wurde die Sängerin und Lyrikerin Patti Smith Vorläuferin und Vorbild der Punk- und New-Wave-Bewegung. Wichtigste Vertreterin der New Yorker Punkszene und Ikone der neuen Frauenbewegung.
18. David Bowie – Rise And Fall of Ziggy Stardust (1972) In diesem Konzeptalbum schlüpft Bowie in die Rolle des Ziggy Stardust: Androgyn geschminkt, dekadent gekleidet und mit rot gefärbten Haaren. Es ist Dreh- und Angelpunkt des Glam-Rock mit vielen Auswirkungen auf die Popgeschichte.
17. The Rolling Stones – Exile On Main Street (1972) Erstmals flossen alle amerikanischen Musiktraditionen zu einem homogenen Ganzen zusammen. Das beste Album der Stones, bei dem nicht einzelne Songs als Hits herausragen, sondern das als Album in seiner Gesamtheit besticht.
16. Brian Eno – Music For Airports (1978) Mit diesem Album des elektronischen Klangforschers wurde der Begriff Ambient eingeführt. Die sphärische Klanginstallation füllte Räume. Eno folgt dem Prinzip von Wiederholung und Minimalismus wie später Rave und Techno.
15. Radiohead – OK Computer (1997) Die Band, auf die sich alle einigen können. Auf «OK Computer» begann die Band mit elektronischen Effekten zu arbeiten. Es war die grosse Versöhnung von Rock und Electronica mit nachhaltiger Wirkung auf Pop und Rock.
14. Aretha Franklin – I Never Loved A Man...(1967) Die Geburt des modernen Soul, des Fundaments des heutigen Pop. Gospelgesang mit seinen Verzierungen und seiner emotionalen Kraft hat die Soul-Queen in ein weltliches Gewand gestülpt und mit R.E.S.P.E.C.T. eine Hymne des Protests.
13. Miles Davis – Bitches Brew (1969) Der Jazz-Innovator wagte den Brückenschlag zu Pop und Rock, Jazz wurde elektrisch, rockig und öffnete sich der Welt. Afrikanische, indische, kubanische, brasilianische Perkussion werden zu einem polyrhythmischen Gebräu gemischt.
12. Black Sabbath – Black Sabbath (1970) Richtungsweisend für Rock und Metal. Es markierte den Anfang des Heavy Metal. Mit seinen düsteren Riffs und den diabolischen Texten war es auch Wegbereiter der Subgenres Doom und Black Metal. Die Blumenkinder konnten einpacken.
11. The Velvet Underground & Nico (1967) Vergesst die Regeln! Einen Song kann man auch ganz anders machen. Musikalische Stümperei kann auch Kunst sein. Es zählt die Idee, das Konzept. Pop wurde hier zum Gesamtkunstwerk. Diese Botschaft kann nicht überschätzt werden.
10. Kraftwerk – Mensch-Maschine (1978) In diesem Konzeptalbum der Synthie-Pioniere wird der Mensch zum Diener einer komplexen Maschinerie degradiert. In Grossbritannien löste das Album eine Synthie-Pop-Welle aus. Es beeinflusste auch den frühen Hip-Hop und Techno.
9. Deep Purple – In Rock (1970) Danach war alles anders: Die britische Band definierte den Hardrock, nahm auf «Speed King» den schnellen Metal vorweg und integrierte auf «Child in Time» auch progressive Elemente aus der klassischen Musik.
8. Marvin Gaye – What’s Going On (1972) Der sanfte Motown-Soul wurde bissig. Es ist das erste Konzeptalbum des Soul mit künstlerischer Aussage – und politischer Sprengkraft. Mit seinen Arrangements mit Elementen aus Jazz und Klassik setzte es auch musikalische Standards.
7. Michael Jackson – Thriller (1982) Jacko führt alles in eine farbenblinde Version des Pop. Er wird zum King of Pop und Popmusik zum multimedialen Gesamtkunstwerk: In den Video-Clips wird die Musik Soundtrack zu einer Story mit spezifischer Kleidung und Tanz.
6. Led Zeppelin – II (1969) Im 2. Studioalbum hat das britische Quartett seinen wegweisenden Sound gefunden. Die Band setzte den Standard im Rock und Blues-Rock und gilt als eine Vorreiterin des Heavy Metal. Die Band beeinflusste Legionen von Rockbands.
5. Bob Dylan – Blonde On Blonde (1966) Der Pop-Prophet liess sich nicht mehr auf das Aufbegehren der rebellischen Jugend reduzieren. In der Kombination von Musik und Texten entwickelte er auf dem ersten Doppelalbum der Rockgeschichte eine künstlerische Vision.
4. James Brown – Say It Loud - I’m Black and Proud (1969) Alles ist Rhythmus! Der Sound des «Godfather of Soul and Funk» ist für die afroamerikanische Musik bis heute massgebend. James Brown wurde mit dieser Losung zu einem Sprachrohr der Bürgerrechtsbewegung.
3. Jimi Hendrix – Are You Experienced (1967) Hendrix war wie ein Musiker von einem anderen Stern. Auf seinem Debüt vervielfachte der Gitarren-Gott die Möglichkeiten der E-Gitarre in der Rockmusik und stiess sie in eine andere Dimension. Weit über die Rockmusik hinaus.
2. The Beatles – Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club (1967) Das Konzeptalbum der Beatles ist von den «Pet Sounds» inspiriert. Popmusik in einer neuen Dimension. Es lebt von surrealistischen Klangbildern und wurde so ambitioniert produziert, dass es live gar nicht gespielt werden konnte.
1. The Beach Boys – Pet Sounds (1966) Beatles oder Beach Boys? England oder Amerika? Das Duell zwischen den beiden Bands um die Vorherrschaft im Pop war Mitte der 60er-Jahre der grösste Antrieb der noch jungen Pop- und Rockmusik. Die Beach Boys waren die amerikanische Antwort auf die «British Invasion». Brian Wilson forderte die Beatles heraus, als er grossmaulig «das grösste Rockalbum aller Zeiten» ankündigte. Er wollte der Welt beweisen, dass er der beste Songwriter seiner Generation ist – und nicht John Lennon und Paul McCartney. Brian Wilson sollte Wort halten: 1966 erschien «Pet Sounds», ein Album, wie es die Popwelt bis zu jenem Zeitpunkt noch nicht gehört hatte. Mit Streichern, Waldhörnern, Vibrafon, Piccolo, Kirchenorgel und einer Menge Alltagsgeräte wie klappernde Löffel, Cola-Dosen, Plastikflaschen, Fahrradklingeln, Hupen, Aufnahmen von vorbeifahrenden Zügen und bellenden Hunden erweiterten Wilson und Co. den Klangkosmos der Pop- und Rockmusik. Sie sprengten Konventionen und schufen ein Gesamtkunstwerk. Ein beeindruckendes Konzeptalbum. Rockmusik wurde zur Kunstform erhoben. Es ist deshalb unsere Nr. 1 unter den einflussreichsten Alben. Und was ist mit «Sgt. Pepper», dem epochalen Album der Beatles? Auch nicht schlecht! Aber sorry, «Pet Sounds» war nun mal zuerst da. Es ist die Mutter aller Konzeptalben. Ohne die «Pet Sounds» hätte es «Sgt. Pepper» nie gegeben. Selbst die Beatles waren beeindruckt: «Ich glaube, niemand weiss wirklich was über Musik, solange er dieses Album nicht gehört hat», sagte McCartney. Er nahm die Herausforderung an (siehe unsere Nr. 2).

Die 50 einflussreichsten Alben

AZ

Die Jugend hat das Privileg, dass sie auch mal über das Ziel hinausschiessen und provozieren darf. Aber wo ist die juvenile Anmassung, die Unverfrorenheit, Überheblichkeit und Aufmüpfigkeit? Die Lust am Risiko und Abenteuer? Der Hunger nach Neuem und Unerhörtem? Wo das Feuer einer Generation, die die Welt im Sturm erobern und verändern will?
Stattdessen vernehmen wir nur Selbstgenügsamkeit – oder Resignation. Wir nehmen eine Jugend wahr, die schweigt, statt schreit, kapituliert, bevor sie probiert. So scheint es bezeichnend für diese Generation der Angepassten, dass Justin Bieber und Ed Sheeran ihre Aushängeschilder sind. Sie haben nichts Besseres verdient.

Übrigens: Auch Jethro Tull sind, 41 Jahre nach «Too Old to Rock’n’Roll: Too Young to Die», immer noch unterwegs und machen dabei gar keine schlechte Figur. Frontmann Ian Anderson ist gerade 70 geworden. Und ja, wir freuen uns auf das kommende Album (im Oktober) des inzwischen 79-jährigen Ex-Zeppelin-Sängers Robert Plant. «Ooh yeah»!

Das erste Konzert der Rolling Stones in Zürich:

Vor mehr als 10'000 Zuschauern treten die Stones am 14. April 1967 in Zürich auf.
9 Bilder
Ein Polizist knüppelt einen Konzertbesucher nieder. Am Konzert kommt es zu schweren Auseinandersetzungen. Erst der Einsatz von rund 400 Ordnungshütern verhindert, dass die Meute die Arena komplett demoliert.
Das erste Konzert der Rolling Stones in Zürich
Für diese Konzertbesucher ist die Musik zu laut.
Die Rolling Stones bei der Ankunft am Flughafen Zürich.
Die Swissair hatte die Musiker nach Zürich geflogen.
Mick Jagger erhält einen Stein auf einem Kissen. Das Geschenk kommt von Suzanne Klee.
Ob er Freude hat? Das weiss wohl nur er.
Klappstühle, die das legendäre Konzert von 1967 überlebt haben, waren 2006 in der Ausstellung "Preview" im Zürcher Landesmuseum zu bewundern.

Vor mehr als 10'000 Zuschauern treten die Stones am 14. April 1967 in Zürich auf.

Keystone