Rock
Rolling Stones-Schlagzeuger Charlie Watts ist tot

Der legendäre Musiker ist mit 80 Jahren gestorben. Als Musiker und Schlagzeuger wurde er unterschätzt und oft belächelt.

Stefan Künzli
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Charlie Watts, Schlagzeuger von den Rolling Stones im Jahr 2010.

Charlie Watts, Schlagzeuger von den Rolling Stones im Jahr 2010.

Ursula Düren / dpa

Anfang August musste sich Charlie Watts einer Notoperation unterziehen, weshalb er für die anstehende US-Tour der Rolling Stones durch Steve Jordan, einen langjähriger Freund von Keith Richards, ersetzt werden musste. Woran der Schlagzeuger erkrankt ist, gaben die Rolling Stones auch damals nicht bekannt. Es hiess nur, dass der Eingriff «komplett erfolgreich» sei und Watts Zeit zur Genesung brauche. Am Dienstag ist er aber nun doch im Kreis seiner Familie in einem Londoner Krankenhaus friedlich eingeschlafen.

Charlie Watts hatte in der Vergangenheit immer wieder mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Er war jahrelang starker Raucher und in den 1970er- bis 1980er-Jahren alkohol- und heroinabhängig. 2004 diagnostizierten die Ärzte bei ihm Kehlkopfkrebs, doch nach sechs Wochen Strahlentherapie galt er als geheilt.

Rolling Stones 2008 - Ron Wood, Charlie Watts, Keith Richards und Mick Jagger (von links).

Rolling Stones 2008 - Ron Wood, Charlie Watts, Keith Richards und Mick Jagger (von links).

Rainer Jensen / dpa

Der gelernte Grafiker und Jazzfan war seit Januar 1963 Schlagzeuger der legendären Rockband. Geburtshelfer der Band war der Bluesmusiker Alexis Korner, der auch in der Schweiz seine Spuren hinterlassen hatte. Der junge Charlie Watts spielte in Korners Band Blues Incorporated, wo er die beiden späteren Rolling Stones-Musiker Brian Jones und Mick Jagger kennen lernte. Doch Watts war damals, 1962, kein Gründungsmitglied der Rolling Stones. Erst im Januar 1963, nach dem Ausscheiden von Mick Avory, wurde er zum Rolling Stone und blieb es bis zu seinem Tod.

«Honky Tonk Woman», 1969: Charlie Watts unnachahmlich.

Der Inbegriff der Coolness

Wie sein Schlagzeug-Kollege Ringo Starr von den Beatles, wurde Charlie Watts als Schlagzeuger bis zuletzt unterschätzt oder gar belächelt. Er schrieb praktisch keine Songs und war auf seinem Instrument kein Virtuose, kein spektakulärer Drummer wie Keith Moon, John Bonham oder Ginger Baker. Hinter seinem Schlagzeug wirkte er oft müde, gelangweilt und fast apathisch. Watts hat seine Mitmusiker nicht angetrieben. Doch er hatte seine manchmal doch sehr chaotische Band stets im Griff. Ruhig, gelassen und zuverlässig lenkte er seine Band mit wenigen, einfachen Schlägen und gab der Band die nötige Struktur. Er war der Inbegriff der Coolness, das rhythmische Gewissen, die Rückversicherung der Band. Das «Rolling Stone» Magazine listete Watts auf Rang zwölf der 100 besten Schlagzeuger aller Zeiten und 1989 wurde er in die «Rock’n’Roll Hall of Fame» aufgenommen.

Charlie Watts stand nie im Rampenlicht wie seine Kollegen Jagger und Richards. Aber er sorgte für den Kitt zwischen den beiden Alphatieren. Er schweisste die Band wieder zusammen, wenn sich die Streithähne wieder mal verkrachten.

Er liebte die Beständigkeit

Er war solide und liebte die Beständigkeit Watts liebte die Beständigkeit. Selbst in den wildesten Zeiten soll er sich von den Groupies, die die Band umschwirrten, ferngehalten haben. Seit 1964 war er denn auch mit derselben Frau verheiratet, der Künstlerin Shirley Watts, mit der er eine erwachsene Tochter hat. Sie lebten auf einem Gestüt in der Grafschaft Devon und züchteten professionell Araberpferde.

Charlie Watts war immer wieder bei Jazz- und Blues Projekten dabei.

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