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«Neue Riffs, neue Lieder, neue Liebe»: So gut klingt das neue Album von Yes

Nach drei enttäuschenden Alben nehmen die Prog-Rock-Veteranen von Yes einen neuen Anlauf − und überraschen.

Philip Dethlefs, dpa
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Yes in neuer Besetzung und alter Grösse.

Yes in neuer Besetzung und alter Grösse.

zvg

Nach mehreren enttäuschenden Alben und dem Tod von Gründungsmitglied Chris Squire sah es schlecht aus für die Prog-Rock-Veteranen von Yes. Doch nun zeigt die Band auf einer gelungenen neuen Platte, dass mit ihr auch nach gut 50 Jahren noch zu rechnen ist.

Steve Howe hat keine Lust, sich zu wiederholen. Der langjährige Yes-Gitarrist will auf «The Quest», dem 22. Album seiner Band, immer neue musikalische Wege einschlagen. Das neue Werk sei «ein Sammelsurium verschiedener Musikstile», sagt Howe, der am Telefon hörbar begeistert über das Doppelalbum spricht.

Yes liefert ein neues, sanftes Album

Sich an alten Erfolgen, alten Hits und vermeintlichen Erfolgsformeln zu orientieren, kommt für den britischen Musiker nicht in Frage: «Nein! Weg damit! Das ist von damals. Jetzt brauchen wir neue Riffs, neue Lieder, neue Liebe.»

Nach dem E-Gitarren-lastigen Start entpuppt sich «The Quest» als ein recht entspanntes, fast sanftes Album, das der Akustikgitarre sehr viel Raum gibt. Gelegentlich werden Yes, die in dieser Konstellation noch auf keinem Album zusammen gespielt haben, von einem Orchester unterstützt. «Dies ist kein orchestrales Album», stellt Howe aber klar. Das sei nämlich zweimal schiefgegangen – auf «Magnification» (2001) und zuvor auf «Time And A Word» (1970). «Das wurde durch das Orchester ruiniert und nicht verbessert. ‹The Quest› wird durch die kurze und regelmässige Orchestrierung aufgewertet.»

«Wir haben unser Publikum betrogen»

Tatsächlich sind die elf neuen Songs um Klassen besser als das, was Yes auf den drei oder vier vorherigen Alben abgeliefert hatten. «Wir haben das Publikum auf den anderen Platten betrogen», sagt Howe überraschend selbstkritisch, «wir haben ihnen nicht unser Bestes gegeben. Es gab zu viele andere Vorstellungen.» Mit anderen Worten: zu viele Mitredende.

Nun hat Steve Howe, der spätestens seit dem Tod von Gründungsmitglied und Bassist Chris Squire 2015 als Bandleader gilt, im Studio die Kontrolle übernommen. Als Produzent wollte er nach eigener Aussage der «elenden Atmosphäre» ein Ende setzen: «Ich wollte es ihnen beweisen. Deshalb habe ich gesagt: Ich will das Album nicht nur produzieren, sondern auch dafür sorgen, dass alle eine gute Zeit haben.»

«The Quest» ist ein sanftes Album.

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Inhaltlich gehe es auf «The Quest» um Themen, die bei Yes immer vorkämen – «Liebe, Umwelt, Probleme», sagt der gebürtige Londoner und lacht. «Ich bin ein Hippie seit 1967. Ich rede seit etwa 40 Jahren über die Umwelt!» Als politische Band will er Yes jedoch keinesfalls verstanden wissen.

Überraschungen auch nach zahlreichen Wechseln

In der über 50-jährigen Yes-Geschichte hat die Progressive-Rock-Band unzählige Besetzungswechsel überstanden. Howe selbst stiess erst 1971 auf dem dritten Album dazu und war zwischendurch mehr als zehn Jahre nicht an Bord. Drummer Alan White (seit 1972) ist das dienstältestes Mitglied der Band. Den Platz des gestorbenen Squire übernahm Billy Sherwood.

Sänger Jon Davison ist seit 2012 dabei. Er wurde unüberhörbar ausgewählt, weil seine Gesangsfarbe der von Ur-Frontmann Jon Anderson ähnelt. Dessen Leichtigkeit fehlt Davison zwar. Das stört aber nicht weiter, weil der Band mit «The Quest» ein angenehm lockeres und flüssiges Prog-Rock-Album gelungen ist – ein unerwartet gutes Yes-Comeback.

«The Quest» Yes, InsideOut Music, 2021

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