Achtung! Das ist keine Playlist für Hörer von seichten Mainstream-Radios. Der letzte Woche im hohen Alter von 89 Jahren verstorbene Avantgardist Cecil Taylor war ein Erneuerer, ein Abenteurer, der kein Risiko scheute. Er war ein echter Innovator, hat die Konventionen gesprengt und sein ganzes Leben dafür verwendet, eine eigene musikalische Sprache zu entwickeln. Wer sich in einem Konzert auf den Mann am Bösendorfer einliess, musste sich auf einen Sturm gefasst machen. Allein mit seinen Fingern, Händen, Fäusten und Handkanten erzeugte er eine Wucht, Energie und Intensität, die die Ohren wackeln liessen. Und das, notabene, ohne jegliche elektronische Hilfsmittel. Cecil Taylor stand für eine Radikalität und Kompromisslosigkeit, die wir heute vermissen. Er hat es verdient, dass wir ihm hier eine ganze Playlist widmen.

Die ersten Alben in den 50ern klingen aus heutiger Sicht noch relativ konventionell. Im damaligen Kontext des traditionellen Jazz war Taylor aber weiter als alle anderen und wies die Richtung.

Wer riskiert, darf auch mal scheitern. Das Zusammentreffen mit John Coltrane war ein spannendes Experiment, doch der Pianist wirkte wie ein Fremdkörper, der den Mitmusikern Steine in den Weg legt. Gelungen war die Zusammenarbeit mit Gil Evans. Er gehörte zu jenen arrivierten Musikern, die das Potenzial von Taylor früh erkannten. Auf «Into The Hot» durfte Taylor deshalb seine Musik mit den Saxofonisten Archie Shepp und Jimmy Lyons präsentieren. Grossartig!

In den 60er-Jahren begründete Taylor mit seiner Unit (mit Lyons) den typischen Bandsound und schuf mit den Alben «Unit Structures» und «Conquistador» zwei Klassiker des Free Jazz.

Trotz positiver Kritiken fand Taylor erst in den 70ern die Anerkennung, die er verdiente. Vor allem in Europa. Beim Solo-Konzert 1974 am Jazzfestival Montreux wurde Taylor wie ein Popstar gefeiert, und das resultierende Album «Silent Tongues» wurde vom US-Jazz-Magazin «Down Beat» zum Album des Jahres gewählt. Nicht viel anders war es beim legendären Konzert in Willisau 2000. Viel zu früh, ohne Ansage und ohne jemanden zu informieren, begann der Meister sein Solo-Konzert. «Taylor war hypernervös, angespannt, geladen und hochexplosiv. Wir konnten ihn nicht zurückhalten», erzählte dazu Festivalleiter Knox Troxler. Es wurde zur Sternstunde.

Cecil Taylor: Solo Piano (1984)

«Crossing» (aus «Silent Tongues», 1974, Live in Montreux)

  • «You’d Be So Nice To Come Home To» (aus «Jazz Advance», 1956).
  • «African Violets» (aus «Looking Ahead!», 1958).
  • «Like Someone in Love» (aus «Coltrane Time», 1958).
  • «Pots» (aus Gil Evans’ «Into The Hot», 1961).
  • «Steps» (aus «Unit Structures», 1966).
  • «Conquistador» (aus «Conquistador», 1967).
  • «Crossing» (aus «Silent Tongues», 1974).
  • «Part 2 und 3» (aus «The Willisau Concert», 2000).