Kultur

Premierenvorschau: Revue mit einem Unhold im Luzerner Theater

Max Christian Graeff als «ein Bartók» in «Blaubarts Frauen».

Max Christian Graeff als «ein Bartók» in «Blaubarts Frauen».

Das Luzerner Chanson-Duo Canaille du Jour transferiert die Geschichte des Chauvinisten Blaubart in unsere pandemische Moderne.

Die Geschichte des Ritters Blaubart ist ein deutsch-französisches Kulturgut aus fernen Sagenzeiten. Als erster hat sie der französische Schriftsteller Charles Perrault im 17. Jahrhundert niedergeschrieben. Später wurde es auch in Deutschland ein bekanntes Märchen, welches als Vorlage für eine Operette von Jacques Offenbach diente.

Die gewichtigste musikalische Verarbeitung des Stoffs stammt von Béla Bartók. In seiner Oper «Herzog Blaubarts Burg» wird der Frauenmörder gemäss einer symbolistischen Textvorlage zu einer zwiespältigen Figur. Am Ende verschwindet zwar auch die Frau, der Blaubart die Folterkammern und geheimen Schätze seiner Burg öffnet, bei ihren verblichenen Vorgängerinnen. Aber Blaubart bleibt unerlöst nicht nur als Täter, sondern als tragische Figur zurück.

Im Luzerner Theater wagen sich nun Christov Rolla und Max Christian Graeff (Chanson-Duo Canaille du Jour) an den Stoff. Am Sonntag feiert das Stück unter dem Titel «Blaubarts Frauen» Premiere. Auch sie tun dies musikalisch mit Bezug zu Offenbach und Bartók, aber sie bleiben «ganz und gar Kanaillen», wie das Duo auf seiner Facebook-Seite verspricht. Man kann sich also auf eine ausgedehnte Musiksparten-Palette freuen. Assistiert werden Rolla und Graeff von Marc Unternährer (an der Tuba) und den acht Frauen des Hauschores des Luzerner Theaters.

Mal Herzog, mal Ritter, meist Serienkiller

Das Singspiel transferiert die Story des Frauenmörders Blaubart in die pandemische Moderne – stellt die Rolle des Unholds aber in unterschiedlichste, epochenübergreifende gesellschaftliche Kontexte. «Es geht um Blaubart, mal Herzog, mal Ritter, meist Serienkiller, oft bürgerlich-unauffälliger Turbochauvinist, immer jedoch Gefährder aller gleichgestellten Menschen», lassen Rolla und Graeff verlauten. Und es stellt sich schnell einmal die Frage, wie viel Blaubart in uns allen steckt, und wie sich dieser diabolische Wesenszug hartnäckig dem Gemeinwohl und dem Solidaritätsgedanken widersetzt.

Als Komponisten Offenbach (Rolla) und Bartók (Graeff) prüft das Duo Canaille du Jour die anwesenden Chordamen auf Herz und Nieren, bis die selbstbewussten Damen sich nicht mehr vorführen lassen wollen. Diese Chordamen-Revue ist dergestalt wohl auch als ein persiflierender Seitenhieb auf den Kulturbetrieb zu verstehen.

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